Das merkwürdig gute Duo Sea & Air gastierte im Kulturzentrum Schlachthof

Zugabe mit Schlüsselbund

Romantischer Punker mit Dandy-Schnurrbart: Daniel Benjamin von Sea & Air im Schlachthof. Foto: Schachtschneider

Kassel. Verträumter Pop und Cembalo. Dandy-Schnurrbart und kraftvolles Schlagzeug. Ein prägnantes Konzert gab das Stuttgarter Duo Sea & Air im prall gefüllten Kulturzentrum Schlachthof.

Der Beginn setzt auf Mystik mit dem zugespielten Kultstück „Fratres“ des zeitgenössischen Komponisten Arvo Pärt. Dazu posieren die Eheleute Daniel Benjamin und Eleni mit Kerzen in den Händen.

Alsbald betört melancholischer Kammerpop, bei dem nicht nur die Harmonie der Stimmen ins Ohr geht. „Sie und er“ sind auch Multi-Instrumentalisten.

Eleni bedient vor allem das von Barockmusik vertraute Cembalo. Daniel Benjamin schafft es, gleichzeitig Gitarre und Schlagzeug zu spielen und dazu noch ziemlich gut zu singen, wobei er gern zwischen Bruststimme und hohem Falsett wechselt.

Eine gehauchte Ansage lässt viel Innerlichkeit erahnen, doch es kommt anders. Denn bei „Do Animals Cry?“ prügelt der Schnurrbart-Träger heftig aufs Schlagzeug ein. Ein romantischer Punker sozusagen. Im Folgenden wird eine E-Gitarre ausgepackt, die Zwischenansagen werden lustiger, und das Publikum soll einmal mitsingen wie bei einer Stadionhymne.

Die 150 Gäste sind höchst angetan, dürfen bei den Zugaben mit dem Schlüsselbund mitmachen, bekommen ein herzergreifendes Liebeslied zu hören - und nochmals Arvo Pärt. Zum Abschied werfen die Performer schwarze Tücher über ihre Köpfe.

Ein gerade in seinen Widersprüchen origineller Abend. Zu Recht hat ein „Zeit“-Journalist dem Duo den „Willen zur Merkwürdigkeit“ attestiert. Das gilt auch für den im Vorprogramm zu hörenden Berliner Songwriter Allie: Der gab sich derart introvertiert, dass es sich einprägte.

Von Georg Pepl

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