Chris de Burgh im HNA-Interview: „Zuhause bin ich einfach der Papa“

Chris De Burgh

Chris de Burgh gehört zu den lebenden Legenden des internationalen Musikgeschäfts: Über 30 Profijahre auf der Bühne und mehr als 45 Millionen verkaufte Alben hat er auf der Habenseite.

Am Mittwoch, 1. September, kommt er zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres zu einem Konzert in die Kasseler Stadthalle. Vorab nahm er sich die Zeit für ein ausführliches Interview, das unser Kollege Wilhelm Ditzel führte.

Sie treten oft in Kassel auf, kommen am Mittwoch ohne ein neues Album veröffentlicht zu haben, bereits das zweite Mal innerhalb eines Jahres in die Stadthalle und haben bei ihrem letzten Konzert von Kassel –mit Ausnahme des Bieres- geschwärmt. Haben Sie wirklich ein besonderes Verhältnis zu der Stadt oder Ihren Fans dort?

Chris de Burgh: Man hat mich in Kassel schon gemocht, als ich noch nicht die großen Hits hatte. In all den Jahren haben wir immer fantastische Konzerte vor einem fantastischen Publikum gegeben. Ich mag es schon, wenn ich nach Kassel reinkomme. Das Grün dort, Stadt und Natur, die alten Anlagen.

Stimmt es, dass Sie alle Ihre Songs zuhause in Irland schreiben?

Chris de Burgh: Nein, ich vollende sie dort in meinem Studio. Die Inspiration und die Ideen dazu kommen überall. Gerade wenn ich auf Tournee bin, sehe ich Dinge um mich herum, die Anstöße für neue Songs geben.

Es gibt bestimmte Hauptthemen, die sich immer wieder in ihren Songs wiederfinden: Krieg und Tot, fantastische Erzählungen und Märchenhaftes, Beziehungen und Liebe. Wie vereinbaren sich diese doch sehr unterschiedlichen Themen?

Chris de Burgh: Ich kann von einem Gebäude inspiriert werden, Menschen auf der Straße, Bildern einer Ausstellung. Daraus werden nun mal verschiedenartige Songs. Es gibt keine Verbindung zwischen den Themen. Auf „The Storyman“ gibt es den Song „Leningrad“, der handelt von Krieg und Liebe. Was aus einer Inspiration wird, geschieht im Laufe der Entwicklung von der Inspiration zum fertigen Song.

Mit „Mirror oft he Soul“ auf dem Storyman-Album sind zu einer Kompositionsweise zurück gekehrt, für die sie bis in die späten 80er-Jahre berühmt waren – diese kleinen Mini-Opern á la „Crusader“. Für mehr als eine Dekade war es dann damit vorbei. Warum? Und warum sind Sie wieder dahin zurück gekehrt?

Chris de Burgh: Ich bin nie von diesem Format abgerückt, auch hier hängt wiederum alles von der Inspiration ab. Die Idee für „Mirror oft he Soul“ kann nun mal nicht in einem Drei-Minuten-Song erzählt werden.

Sie haben kein neues Album seit ihrem letzten Konzert in Kassel veröffentlicht. Wird sich das nächste Konzert vom letzten unterscheiden?

Chris de Burgh: Oh ja. Ich lebe zur Zeit in einer sehr spannenden Zwischenphase zwischen den Ausläufern des „Footsteps“-Projekts und den Anfängen eines neuen Song-Zyklus, der „Moonfleet and other Stories“ heißen wird. Ich werde in Kassel schon einige Songs des Albums spielen, das vermutlich Ende Oktober fertig sein wird, spielen. „Moonfleet“ ist übrigens ein Zyklus von 18 Stücken. Es werden aber auch Songs auf dem Album sein, die nichts mit dem Zyklus zu tun haben. Außerdem werde ich andere Songs von meinen früheren Alben spielen als beim letzten Mal.

Sie haben 45 Millionen Alben weltweit verkauft, spielen in ausverkauften Konzerthallen überall in der Welt und sind mit einer Tochter gesegnet, die zu den schönsten Frauen der Welt zählt (Anm. der Red.: Miss World 2003). Was ist für Sie eigentlich Luxus?

Chris de Burgh: Ganz schlicht, Zeit für meine Familie zu haben.

Und Luxus, den man sich kaufen kann?

Chris de Burgh: Jedes Jahr zur Weihnachtszeit machen wir drei Wochen Urlaub in einem Hotel auf Mauritius. (Anm.: Nach HNA-Informationen handelt es sich um das Le Sand Geran) Obwohl die Kinder schon erwachsen sind, kommen sie immer wieder gerne mit. Alle lieben diese Zeit.

Wie bringt man seinen Kindern bei, auf dem Boden zu bleiben, wenn sie wissen, dass Papa sich alles leisten und jeden Wunsch erfüllen kann?

Chris de Burgh: Indem man selbst auf dem Boden bleibt. In der Öffentlichkeit mag ich Chris de Burgh, der bekannte Künstler sein. Zuhause bin ich einfach der Papa („dad“), der im alten Morgenmantel und Hausschuhen darum läuft.

Einer ihrer größten Hits, “The Getaway”, beschäftigt sich inhaltlich mit einem sehr ernsten Thema: dem Nordirland-Konflikt und dem Tod eines IRA-Aktivisten. Zumindest bei Ihren Auftritten in Deutschland mögen die Zuhörer eher den Refrain, den sie gerne mitsingen und kennen den Inhalt kaum. Haben Sie damit Schwierigkeiten?

Chris de Burgh: Nein. Ich bin nicht politisch motiviert, wenn es darum geht, den Menschen mit Musik eine Freude zu machen. Als Songschreiber ist es meine Aufgabe, alle möglichen Geschichten über verschiedene Themen und Situationen zu erzählen. Es ist allein Sache der Zuhörer, wie sie die Stücke interpretieren, wie sie sie empfinden und was sie daran mögen. Mein Job ist es, die Menschen zu erfreuen.

Können Sie etwas mehr über das „Moonfleet“-Projekt erzählen?

Chris de Burgh: Die Geschichte spielt im 18. Jahrhundert in Dorset/England. Es geht um Schmuggler, Verrat, einen Diamanten und um die Liebe zwischen einem Jungen, einem Mädchen und einem alten Mann. Das Album wird im Abbey Road Studio in London aufgenommen mit einem 80-Mann-Orchester und ich sitze während der Aufnahmen in einem Glaskasten mitten im Orchester. „Moonfleet“ wird zirka 40 Minuten lang, unterteilt in 18 Episoden. Außerdem wird es auf dem Album noch sechs weitere Geschichten geben. Von der Herangehensweise ist das Album eine Weiterentwicklung des Storyteller-Konzepts.

Welche Songs werden Sie aus dem Album jetzt schon live spielen?

Chris de Burgh: „Go where your heart believes“, „Have a care“, „Moonfleet Bay“, “Go where your heart believes” … mal sehen.

Ist das jeweils nächste Album für Sie immer wieder die größte Herausforderung? Werden Sie noch nervös, wenn es erscheint, warten auf die Kritiken? Oder geht man das nach so vielen Erfolgen gelassener an?

Chris de Burgh: Für mich selbst bin ich immer so gut wie mein letzter Song war. Ich warte nicht auf die Kritiken, die Medien spielen bei einem Künstler, der so lange auf dem Markt ist, keine so große Rolle mehr. Aber ich werde nervös darüber, wie die Fans das Album akzeptieren. Schenken Sie ihm die Aufmerksamkeit, von der ich glaube, die es verdient? Werden Sie wieder zu den Konzerten kommen, um die Songs live zu hören? Und das passiert bei jedem neuen Album. Immer wieder.

Im Gegensatz zu vielen anderen Solo-Künstlern, die auf jede Tour mit einer neu zusammengestellten Band gehen, existiert ihre Tour-Band seit vielen Jahren. Warum arbeiten Sie im Studio nicht mit dieser gut eingespielten Gruppe sondern mit anderen Musikern?

Chris de Burgh: Das ist ein Prozess. Songs entstehen oft auf Tour. Im Studio brauche ich neue, andere Einflüsse. Es interessiert mich und verändert auch die Songs, was andere Musiker dazu sagen. Im nächsten Schritt wird es dann noch einmal interessant, wenn mit der Tour-Band das Studio-Material für die Live-Konzerte geprobt wird. Dann gibt es wieder neue Einflüsse, die die Songs noch einmal verändern.

Es ist kein Geheimnis, dass Sie im Oktober 62 Jahre alt werden. Wie lange werden Sie noch Alben aufnehmen und auf Tour gehen?

Chris de Burgh: Solange mich die Leute hören wollen.

Zur Person

Chris de Burgh wurde als Christopher John Davison am 15. Oktober 1948 in Venado Tuerto/Argentinien geboren. Sein Vater arbeitete dort als englischer Diplomat. Im Alter von 24 Jahren nahm er den Geburtsnamen seiner Mutter (Emily) de Burgh an. Sein erster Single-Hit (1974) hieß „Flying“. Der Durchbruch gelang ihm 1975 mit seinem zweiten Album „Spanish Train and other stories“. Mit den Alben „The Getaway“ (1982), „Man on the line“ (1984) und Singles wie „Don’t pay the ferryman“ oder „High on emotion“ lag er zeitgleich in zehn europäischen Ländern auf Platz 1. In Norwegen hat er nach den Beatles die zweitmeisten Platten verkauft. Chris de Burgh lebt in Dalkey, einem Küstenvorort von Dublin. Seit 1978 ist er mit seiner Frau Diane Morley verheiratet. Das Paar hat drei Kinder, Rosanna (geboren 1984), Hubie (1988) und Michael (1990).

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