Der Musiker Herman van Veen über die deutsche Sprache, Integration und das Alter

„Zukunft ist Cappuccino“

Herman van Veen macht auch mit Unterhose auf dem Kopf noch eine gute Figur. Das beweist der niederländische Entertainer auf seiner aktuellen Tour. Wir sprachen mit dem 65 Jahre alten Sänger, Violinisten und Kabarettisten, der morgen in der Kasseler Stadthalle gastiert.

Herr van Veen, sind Sie neidisch auf den Fußball-Trainer Louis van Gaal, der wegen seiner Erfolge mit dem FC Bayern München als beliebtester Niederländer in Deutschland seit Rudi Carrell bejubelt wird?

Herman van Veen: Nein, ich bin stolz, weil er ein fantastischer Trainer ist, dem das Theatralische nicht fremd ist. Er wäre im Herbst beinahe entlassen worden und hat nun aus einem folkloristischen Club eine Maschine entwickelt, die nur schwer zu schlagen ist. Ich war immer dem Hamburger SV zugeneigt, aber jetzt finde selbst ich die Bayern interessant. Das alles zeigt: Deutsche und Holländer gehen ganz anders miteinander um als früher. Wir sind längst gute Nachbarn geworden.

Sie haben ein besonderes Verhältnis zu Deutschland. Wieso singen Sie eigentlich so gern auf Deutsch?

Van Veen: Deutsch ist von den Sprachen, die ich singe, die sanfteste. Gesprochen mag es hart klingen, aber aus technischer Sicht ist es die perfekte Gesangssprache. Das Besondere erkennt man auch in der Musikgeschichte: Von Hugo Wolf bis Franz Schubert kamen die größten Liedkomponisten aus dem deutschsprachigen Raum.

Welches ist Ihr Lieblingswort im Deutschen?

Van Veen: Ich finde, „Smusen“ ein superschönes Wort.

Sie meinen „Schmusen“. Bei Ihnen klingt das Wort noch sanfter.

Van Veen: In Holland sagen wir „Knuffelen“ dazu.

Singen Sie „Smusen“ auch in einem Ihrer Lieder?

Van Veen: Ja, in „Bei mir“ heißt es „Smus mit mir“. Der Text stammt von meiner 26-jährigen Tochter. Sie ist auch Musikerin, macht also das, was ich mache - nur ohne Glatze.

In einem Ihrer neuen Lieder singen Sie über die neue Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld. Wie kamen Sie auf dieses Thema?

Van Veen: Weil es überall in Europa einen Rechtsruck gibt. Ich aber bin überzeugt, dass wir Integration brauchen. Unsere Zukunft ist Cappuccino. Wir haben eine schokoladenfarbige Zukunft.

Lange galten Niederländer als toleranter, was das Zusammenleben mit Ausländern angeht. Wieso ist das heute anders?

Van Veen: Die Rechtspopulisten erhalten wie in anderen Ländern viel Zustimmung. Aber diese Exzesse verzerren die Wirklichkeit. Holland bleibt ein sehr freundliches Land der Welt gegenüber.

Man sagt über Sie, Sie seien ein Weltverbesserer und Moralist. Welche Vision haben Sie im Lauf Ihrer Karriere aufgegeben?

Van Veen: Ich bin weder ein Weltverbesserer noch ein Moralist. Das sind Klischees. Ich singe über das, was mir am Herzen liegt - so gut und wahrhaft es geht. Die Welt zu verbessern, ist nicht Aufgabe der Kunst.

In „Gott sei Dank“ machen Sie sich Gedanken über das Alter. Sie sind jetzt 65. Wollen Sie auch mit 106 noch auf der Bühne stehen wie Ihr Landsmann Johannes Heesters?

Van Veen: Das würde ich mir wünschen. Derzeit sehe ich noch kein Ende. Ich habe vor, 120 zu werden.

Herman van Veen: Mittwoch, 20 Uhr, Stadthalle Kassel. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Herman van Veens Autobiografie „Bevor ich es vergesse“ ist im Aufbau-Verlag (280 Seiten, 19,90 Euro) erschienen.

Von Matthias Lohr

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