Das Duo MGMT war 2007 der Pop-Überflieger und brilliert auch mit dem zweiten Album

Zurück zu den Hippies

MGMT steht für Management: Ben Goldwasser (links) und Andrew VanWyngarden sind die Kreativköpfe. Foto: Sony

Perfekter kann ein Popsong kaum sein als „It’s Working“, der erste Titel des neuen Albums der New Yorker Band MGMT. Ein komplexer Hit, der in sämtlichen Regenbogenfarben schillert.

Man erkennt durch diesen Song, im Grunde durch alle darauf folgenden auch, die Geister der Byrds, erinnert sich an frühe, schwer versponnene Pink-Floyd-Platten und die schmachtende Süße der Walker Brothers. Es geht also um die Vergangenheit, um die so pompösen wie hippiesken heroingetränkten Pop-60er. Produktionstechnisch aber nicht, Andrew Van Wyngarden und Ben Goldwasser sind Kinder der Gegenwart.

Eine Maßgabe aktuellen Erfolgs im (Indie-)Pop ist der komprimierte, wuchtige, nichtsdestotrotz facettenreiche Klangkörper von Songs. Der Bass muss rollen, der Körper will sich durch die Musik hindurch spüren. Die erfolgreichsten Rasselbandenpop-Kollektive und Dance-Pop-Acts wissen das nur zu gut.

MGMT natürlich auch: Die Sound-Ästhetik der neuen Songs ist zwar nicht mehr ganz so fett und kantig wie die des Vorgängers und dennoch reinste Gegenwart. Songtechnisch ist „Congratulations“ weit entfernt von „Oracular Spectacular“, von jenem Hit-Album aus dem Jahr 2007, das den Ruhm MGMTs besorgte, indem es Indie-Dance-Pop, Freakfolk und Sixties-Pop mit Nu-Rave-Gusto originell zu verbinden wusste.

Der Pop-Patchwork-Park ist hier der (psychedelischen) Pop-Monokultur der 60er gewichen; die songinternen Ausdifferenzierungen sind dafür nuancierter. Es geht um die Überwältigung des Hörers durch eine Form von Schönheit, die zwar einfach zu konsumieren ist, weil sie mit jeder Faser großer Pop ist, sich dabei aber einem Songwriting verschrieben hat, das alles andere als primitiv ist.

Hörer lassen sich glücklich ein auf diese bunte Welt, in der alberne Flöten und zwitschernde Vögel unterm Geigenhimmel zuhause sind, in der Breaks, Tempowechsel und geschickte Brückenschläge für Überraschungen sorgen, im Falsett gesungene Choräle Spuren aus Zucker legen und Bombastisches und Feingliedriges zwingend zusammengehören. Ein höchst geschmackssicheres Album.

MGMT: Congratulations (Sony). Wertung: !!!!!

Von Michael Saager

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