Das Alexander von Schlippenbach Trio präsentierte im tif authentischen Free Jazz

Zusammenspiel wie im Traum

40 Jahre Erfahrung: (von links) Evan Parker, Paul Lovins und Alexander von Schlippenbach. Foto: Socher

Kassel. Es war ein bemerkenswertes Konzert, das am Mittwochabend in der Reihe Jazz im tif über die Bühne ging. Zum ersten Mal erreichte der Trend zum persönlichen Sponsoring die Jazz-Sparte, und verbunden mit dem löblichen Unterfangen „Professor Lantermann präsentiert das Alexander von Schlippenbach Trio“ fand sich ein prominentes Publikum, für das sich zumindest partiell eine Erstbegegnung mit drei herausragenden Persönlichkeiten des Free Jazz bot, einer Gattung, die freilich längst ihren Platz im Jazz-Museum eingenommen hat.

Obwohl längst im Rentenalter angekommen, halten die „Rolling Stones“ des Free Jazz den Geist der kollektiven Improvisation wach und erzeugen die stiltypischen musikalischen Stimmungsbilder von zart Pastell bis Gewittersturm.

Alexander von Schlippenbach verlässt dabei am Klavier selten seine dichten, percussiven Bewegungsmuster, die einen wuchtigen orchestralen Klang erzeugen. Evan Parker entlockt seinem Tenor-Saxofon das ganze Vokabular von freitonalen Skalen, und der wahre Tricktrommler Paul Lovens begeistert mit immer neuen Klangfarben.

Das Ensemble verfügt über ein traumwandlerisches Verständnis, das in vierzig Jahren gemeinsamer Spielerfahrung gewachsen ist.

Die Zuhörer im voll besetzten tif erlebten einen Stil, der als Antithese in den Siebzigerjahren eine wichtige Funktion erfüllte. Und sie erlebten ihn - das war die große Qualität des Abends - nicht als historische Rekonstruktion, sondern authentisch im Original. Die „alten“ Jungs können es nämlich immer noch.

Von Hartmut Schmidt

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