Dramatiker Tschechow vor 150 Jahren geboren - Geschichte der Kalenderumstellung

Zwei Geburtstage des Anton T.

Anton Pawlowitsch Tschechow auf einem Foto von 1899. Foto:  dpa

Sie werden mir einwerfen, dass es sich hier um Kultureinflüsse handelt, dass die alten Lebensformen naturgemäß den neuen weichen müssen“, sagt der reformorientierte Arzt Astrow in Anton Tschechows Theaterstück „Onkel Wanja“.

Aufbruch und Abkehr von der Tradition - und was dies für die betroffenen Menschen bedeutet, waren die großen Themen des russischen Dramatikers, dessen 150. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. Doch wann? Lexika verzeichnen für Tschechow zwei Geburtsdaten, eins bereits an diesem Sonntag, 17. Januar, ein weiteres am 29. Januar. Geehrt wird er allerdings erst zu dem späteren Termin - und das hat ebenfalls mit Reformen zu tun, allerdings nicht gerade in der Weise, die Astrow vorgeschwebt hätte.

In Russland wurde im Zuge der Oktoberrevolution nicht nur ein politischer, sondern auch ein kalendarischer Wechsel vollzogen. Das hat keine unwesentlichen Auswirkungen, stets muss angegeben werden, auf welchen Kalender sich ein bestimmtes Datum bezieht. Und die Oktoberrevolution von 1917 fand nach der neuen Rechnung erst im November statt.

Der erste Kalender ist nach dem römischen Kaiser Julius Cäsar (100 - 44 v. Chr.) benannt, der zweite nach Papst Gregor XIII. (1502 - 1585). Cäsars Kalender wurde 45 v. Chr. eingeführt, nach ihm wurde bis ins 16. Jahrhundert, in mancher Weltgegend wie Russland noch bis ins 20. Jahrhundert gerechnet. 1582 erließ Gregor die Kalenderumstellung. Mit dem neuen, gregorianischen Kalender sollte die Tagverteilung genauer dem Sonnenjahr entsprechen.

Das Sonnenjahr ist 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 45,2 Sekunden lang. Das julianische Jahr war demgegenüber mehr als 11 Minuten zu lang, trotz einer Schaltjahresregelung. Bis zur Amtszeit Papst Gregors XIII. im 16. Jahrhundert war dieser Überschuss schon auf 10 Tage angewachsen, die Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche war 1582 bereits am 11. März. Der Papst führte den neuen Kalender ein, um Ostern wieder wie kirchlich festgelegt am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond feiern zu können, wobei der Frühlingsanfang auf diese Tag-und Nacht-Gleiche festgelegt ist.

1582 wurden also zehn Tage übersprungen. Es dauerte aber noch Jahre, bis der Kalender überall durchgesetzt war - was dazu führte, dass die Dichter William Shakespeare und Miguel de Cervantes den gleichen Todestag haben, 23. April 1616, obwohl Shakespeare 11 Tage länger gelebt hat, weil in England der gregorianische Kalender erst Ende des 18. Jahrhunderts eingeführt wurde. Da Russland den julianischen Kalender noch bis ins 20. Jahrhundert beibehielt, summierte sich die Abweichung mittlerweile auf 13 Tage - so erklären sich auch die beiden Geburtstage Anton Pawlowitsch Tschechows.

Von Bettina Fraschke

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