Bob Degens Compusure und das Christof-Lauer-Trio gastierten beim Jazzfest in Kassel

Zwei Mal Jazz, zwei Mal Riesenapplaus

Christof Lauer: Kritiker zählen ihn zu den besten Saxofonisten Europas. Beim Jazzfest war er mit dem Christof Lauer Trio dabei. Foto: Schoelzchen

Kassel. Der amerikanische Pianist Bob Degen machte am Freitag den Anfang beim Kasseler Jazzfest im Schauspielhaus: Wie der 67-Jährige auf den Flügel zuschreitet, hat etwas von einem Oberlehrer für Musik. Auch sein Blick auf das Notenblatt. Kritisch, als wolle er prüfen, ob die Komposition tragfähig ist – dabei ist die Musik von ihm selbst. Ausschließlich Eigenkompositionen spielte der aus Pennsylvania (USA) stammende Ausnahmekünstler.

Die Stücke an diesem Abend entstammen Inspirationen, die Degen unter anderem aus Reiseeindrücken sammelte, so ein Titel, den er nach einem Südafrikabesuch komponierte. Auch seinen Eltern und seinem Bruder hat Degen Stücke gewidmet, seinem Vater gar ein ganzes Album.

Degen ist ein unglaublich vielseitiger Jazz-Pianist. Zwischen romantischem Flair, Impressionen, die im Raum stehen bleiben, bis hin zu quirlig wirbelnden Attacken wechselt er beständig. Nach der Ruhe kommt der Sturm und nach dem Sturm wieder die Ruhe.

An seiner Seite drei sehr unterschiedliche Charaktere: Kontrabassist Markus Schieferdecker, ein Gentleman mit schwarzem Schlips und beruhigender Aura, glättet die Wogen, die der dynamische Schlagzeuger Peter Perfido aufwirbelt. Daneben Trompeter und Flügelhorn-Spieler Valentin Garvie, ein experimentierfreudiger Exzentriker, der auch einmal zwei Trompeten gleichzeitig seinen Atem gibt.

Viel Applaus gab es danach auch für das Christof Lauer Trio. Grelle, ungestüm ausbrechende Stimmungsfarben dominieren bei der Formation Lauers. Nicht wenige Kritiker zählen ihn, der 1978 Mitglied des legendären Jazz-Ensembles des HR unter der Leitung von Albert Mangelsdorff wurde, zu den besten Saxofonisten Europas. „Jazz ist Kommunikation“, ist sein Motto.

Ein grelles, übersprudelndes möchte man angesichts seiner energetischen Spielweise gern anfügen.

Kreischen und aufschreien

Wie Lauer sein Saxofon kreischen, beißen, aufschreien lässt und mit welcher Geschwindigkeit er die Töne aus seinem Instrument jagt, ist eine Klasse für sich. Bestens ergänzt wurde Lauer von dem profilierten Posaunisten Michael Godard, der nicht nur wegen seines metallic-blauen Instrumentes für Farbe sorgt, und von Schlagzeuger Patrice Herai, der ausgezeichnet spielt und zeitgleich immer wieder auch Obertongesang in die Kompostionen einfließen lässt. Fazit des Abends: Ein Zwei-Gänge-Menü für Jazz-Gourmets.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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