Comedian Martin Schneider begeisterte mit seinem Programm „Lach oder stirb“

Zwei Unglücke kommen zu dritt

Gummigesicht: Martin Schneider beim Auftritt in Wolfhagen. Foto:  Sommerlade

Wolfhagen. Der bloße Anblick von Martin Schneiders Gummigesicht mit dem typisch breiten Grinsen und den hervorquellenden Augen sowie dem ständig wackelnden Kopf genügte dem Publikum für den ersten Heiterkeitsausbruch des Abends. Bereits als Maddin am Freitagabend in der Wolfhager Kulturhalle die Bühne betrat, hatte der Comedian die Lacher von 250 Besuchern auf seiner Seite. Und das, obwohl er noch nicht viel von seinem hessischen Zeitlupen-Gebabbel zum Besten gegeben hatte. Ihnen sollten in den darauf folgenden zwei Stunden seiner Show „Lach oder stirb“ noch viele weitere folgen.

Langsam, aber viel - in gewohnter Maddin-Manier plauderte der Fernsehstar aus seinem Leben. Einer Existenz, die aus einer Verkettung schwerer Schicksalsschläge besteht. Einem Dasein, in dem der Gewohnheitsmensch Maddin ständig von der Angst gequält wird, plötzlich aus der Bahn geworfen zu werden.

„Ich brauche feste Werte, also Kontinenz“, erklärte er. „Und ich hasse Inkontinenz.“ Kein Wunder also, dass ihn seine Freundin „Schanin“ verärgert. Erst recht, als sie nach 15-jähriger Beziehung ein überraschendes Ansinnen hat. „Sie wollte, da kommt ihr net druf, heiraten. Lä-scher-lisch.“

Und weil der Logik seiner Oma zufolge immer zwei Unglücke zu dritt kommen, beendet erst die geschätzte Ratgeberin ihr Leben und dann sein Vermieter das Mietverhältnis wegen Eigenbedarfs. Völlig unverständlich für Maddin. „Das ist ja, als ob die Mutter dem Baby die Brust wegnimmt und sagt: Ich sauf meine Milch jetzt selbst.“ Doch Maddin wäre nicht Maddin, wenn er nicht auch aus dieser Situation mit „messaschafen Überleschungen“ heraus käme. „Isch bin ja nicht von Dummbach“, betonte er und erinnerte an die Bibelstelle „Loddar Matthäus, Koriander 15, da, wo Lots Frau zur Salzbrezel erstarrt“. So beschließt er, „nie mehr nach hinne zu gugge“ und erwirbt kurzerhand ein Haus.

Im neuen Eigentum ereignet sich der eigentliche Horrortrip, als für ihn eine Dixi-Toilette zur Falle wird und er nicht mehr herauskommt. Doch selbst das stille Örtchen bietet Platz für abstruse Geschichten und groteske Gedanken. Mehr noch. Die Toilette wird für Maddin zum Ort der Erkenntnis. Wo er überlegen kann, was er im Falle des Überlebens noch alles erledigen will. Einen Fonds für verwaiste Froschkinder zu gründen, gehört auf jeden Fall dazu. Und vielleicht auch die Beichte seines „erodischen“ Abenteuers mit der Partnerin seines besten Freundes.

Aber selbst im Falle des baldigen Todes ist ihm als Islamakatobuddhisten nicht bange. Mit der frei gewählten Konfession habe er alle Vorzüge der Religionen vereint.

Von Martina Sommerlade

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