Für Konzert kehren Musiker nach Kassel zurück

Zweites Album von OK Kid: Die Band kann fast alles

Auch auf ihrem zweiten Album beweist die Band OK Kid, dass es keine Grenzen gibt zwischen Pop, HipHop und Electro. Groß geworden ist das Trio zum Teil auch in Kassel.

In Nordhessen haben die drei Musiker der Kölner Band OK Kid unvergessliche Erfahrungen gemacht. Keyboarder Moritz Rech studierte in Kassel Musik und Deutsch auf Lehramt. Am Wochenende ging er im Szeneclub A.R.M. feiern. Und als das Trio im November 2014 bei der Winter-Sause des Musikschutzgebiet-Festivals in Hombergshausen im Schwalm-Eder-Kreis auftrat, verirrte sich Schlagzeuger Raffael Kühle im Schweinestall neben dem Konzertzelt und klemmte sich dort ein.

Nicht einmal dieses Missgeschick konnte den Aufstieg der Gruppe, die sich nach zwei Alben der britischen Band Radiohead benannt hat, aufhalten. Erst waren OK Kid nur eine talentierte Nachwuchsformation, die sich gekonnt zwischen HipHop, Indierock und Electro bewegte. Der Text ihrer Hymne „Stadt ohne Meer“ auf ihre Heimat Gießen wurde im offiziellen Buch zur dortigen Bundesgartenschau abgedruckt.

Dann schrieben Kritiker, dass die Band den Sound einer ganzen Generation prägen würde. Und nun singt Frontmann Jonas Schubert auf dem neuen Album: „Ich kann alles. Mir egal. Bis ich aufschlag, beweis ich, dass ich flieg.“ Schubert findet: „Es ist ein sehr selbstbewusster Song, den wir vor drei Jahren noch nicht hätten machen können.“

Keine Angst, die drei, alle Anfang 30, sind nicht größenwahnsinnig geworden. Im Video zu „Ich kann alles“ nehmen sie sich selbst auf die Schippe und lassen sich im Varieté in Hunde verzaubern. Weil der Magier nicht wieder auftaucht, verlassen sie die Bühne wie begossene Pudel.

„Ich kann alles“ ist trotzdem programmatisch für das Album „Zwei“, auf dem OK Kid zumindest fast alles können. Im Politsong „Gute Menschen“ rechnen sie unter anderem mit der Doppelmoral der „Bild“-Zeitung ab,die mit „Wir helfen Flüchtlingen“-Logos Leser gewinnen will, jahrelang aber Ängste vor Fremden schürte. „Bombay Calling“ feiert den Szenedrink Gin. Den Berliner HipHopper Megaloh lassen OK Kid über eiskalte Trap-Beats rappen, und mit Frank Spilker von den Sternen machen sie Gitarrenrock wie einst die Hamburger Schule.

„Wir haben immer schon viele verschiedene Stile vereint. Nun wollten wir sie in einzelnen Songs verfolgen“, sagt Schubert unserer Zeitung. Auch das zeugt vom neuen Selbstbewusstsein. Trotz unterschiedlicher Sounds klingt „Zwei“ wie ein großes Ganzes.

Auf dem Album-Cover sieht man eine Hand, die das Peace-Zeichen macht. Der Zeigefinger ist abgeschnitten. OK Kid können sogar aus einem Friedenssymbol einen Stinkefinger machen. Mit dem mahnenden Zeigefinger können sie sich aber nicht identifizieren: „Das Belehrende wollen wir nicht“, sagt Resch. Auch als Klassensprecher ihrer Generation sehen sich OK Kid nicht.

Ihre Lieder werden trotzdem vielen aus dem Herzen sprechen. Live kann man dazu prima Party machen - etwa am 27. Oktober im Kasseler A.RM. OK Kid spielen dort, wo Rech einst die Wochenenden verbracht hat. Auch das könnte für alle eine unvergessliche Erfahrung werden.

OK Kid: Zwei (Four Music).

Wertung: vier von fünf Sternen

OK Kid live: Donnerstag, 27. Oktober, 20 Uhr, 130 BPM (MT), Angersbachstraße 10, Kassel, Vor-Act: Muso.

Rubriklistenbild: © Foto: Promo

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