Neu im Kino: Die „Hanni und Nanni“-Verfilmung ist solide Unterhaltung ohne wahre Herzenswärme

Zwillinge wirbeln im Internat

Die eine impulsiv, die andere gutmütig: Sophia Münster als Hanni und Jana Münster als Nanni. Foto: Universal

Enid Blytons Internatsgeschichte „Hanni und Nanni“ befeuerte die Sehnsüchte von mehreren Mädchengenerationen, die sich frei von elterlicher Kontrolle in die heile Gemeinschaft der Lindenhofschule hineinfantasieren konnten. Nun hat Christine Hartmann sich in ihrem Kinodebüt des Jugendbuchklassikers angenommen.

Werktreue war im Fall von „Hanni und Nanni“ in Deutschland nie ein Thema. Schon die Übersetzungen, die Ende der 60er-Jahre hier erschienen sind, haben den Stoff gnadenlos eingedeutscht und modernisiert. So kann sich Hartmann ganz frei im Reich von „Hanni und Nanni“ bewegen und versucht, den Stoff für die junge MP3-Generation zugänglich zu machen.

Der Film beginnt mit einem halsbrecherischen Hockey-Wettrennen durch ein Nobelkaufhaus in der Berliner Friedrichstraße, nach dem die Zwillinge des Ladendiebstahls beschuldigt werden. Sie fliegen von der Schule, und die etwas orientierungslos wirkenden Eltern (Heino Ferch, Anja Kling) wissen sich keinen anderen Rat, als die Mädchen in das Internat zu stecken.

Während die impulsive Hanni (Sophia Münster) schmollt und ihrem Hockey-Team nachtrauert, freundet sich die gutmütige Nanni (Jana Münster) schnell mit ihren neuen Mitschülerinnen an. Noch stärker als in der Buchvorlage hat Hartmann ihre Kinoversion, die mit Hannelore Elsner und Katharina Thalbach prominent besetzt ist, als Episodensammlung angelegt, die auf geradlinige Zielgruppenunterhaltung ausgerichtet ist.

Das nächtliche Matratzenrennen, die Pferde-Rettungsaktion und das Hockey-Finale, in dem die Geschwister ihre Teamfähigkeit mit den neu gewonnenen Freundinnen unter Beweis stellen müssen - das alles ist durchaus solide und mit großzügigem Budget in Szene gesetzt.

„Hanni und Nanni“ erfüllt seinen Identifikations- und Unterhaltungszweck, aber die Herzenswärme, atmosphärische Dichte und emotionale Genauigkeit, mit der sich Vivian Naefes Wilde-Hühner-Filme der Lebenswelt heranwachsender Mädchen widmeten, sucht man in diesem allzu kalkulierten Werk vergeblich.

Genre: Kinderfilm

ohne Altersbeschränkung

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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