Zwischen Ballade und Disko-Fieber: Robin Gibb stirbt mit 62 an Krebs

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Robin Gibb

Im Nachhinein klang das letzte Lied, das Robin Gibb sang, wie eine Prophezeiung. Zum 100. Jahrestag des Untergangs der „Titanic“ hatte der Kopf der Bee Gees mit seinem Sohn Robin-John (29) ein Requiem geschrieben.

„Don’t Cry Alone“ hieß ein Stück, dem Gibb seine unvergleichliche Falsettstimme schenkte, „Weine nicht allein“.

Die Mitglieder seiner Familie mussten nicht allein weinen, als Robin Gibb am Sonntag mit 62 Jahren den Kampf gegen den Krebs verlor. Seine Frau Dwina, von der der Musiker zuletzt getrennt lebte, und drei seiner vier Kinder waren am Sterbebett in einem Londoner Krankenhaus.

Vor eineinhalb Jahren diagnostizierten Ärzte einen Darmtumor, trotz mehrerer Chemotherapien befiel der Krebs auch die Leber. Nachdem es Anfang des Jahres so ausgesehen hatte, als könnte der Brite die Krankheit besiegen, zog er sich im April eine Lungenentzündung zu und fiel ins Koma.

Eine musikalische Familie: Robin (von links) 1979 mit seinen Brüder Barry und Maurice.

Sein Zwillingsbruder Maurice, der mit Robin und Barry den Ruhm der erfolgreichsten Familienband des Pop begründet hatte, war bereits 2003 nach einer Darmoperation gestorben. Andy, der jüngste von fünf Brüdern wurde nach einer Herzmuskelentzündung gar nur 30 Jahre alt. In einem Interview sagte Robin Gibb: „Manchmal frage ich mich, ob die Tragödien, die meine Familie erlitt, eine Art karmischer Preis für all den Ruhm und Reichtum sind, den die Bee Gees gehabt haben.“

Schon in den 60ern hatte das Trio, dessen Eltern mit den Jungs zwischenzeitlich von Manchester aus nach Australien ausgewandert waren, unglaublichen Erfolg. Mit Hits wie „Massachusetts“ wurde die Band zum „Meister der romantischen Ballade“. Die Bee Gees (eine Abkürzung für Brüder Gibb) setzten auf einen klinisch reinen Sound mit ausgefeiltem Harmoniegesang und viel Streichern.

Nach zwischenzeitlichen Soloprojekten feierte die Band Ende der 70er mit der Disko-Musik ein grandioses Comeback. Der Soundtrack zum Film „Saturday Night Live“, aus dem Hits wie „Stayin’ Alive“ stammen, verkaufte sich 40 Millionen Mal. Zudem schrieb des Genie Robin Gibb noch etliche Erfolge für Stars wie Barbra Streisand und Céline Dion.

In seiner Online-Biografie hatte er ein Kapitel mit „Unsterblichkeit“ überschrieben. Auch wenn Robin Gibb nun für immer gegangen ist, hatte er die bereits 1996 erreicht. Da waren die Boygroups Take That, N-Trance und Boyzone mit den Bee-Gees-Hits „How Deep Is Your Love“, „Stayin’ Alive“ und „Words“ in den Charts. Insgesamt soll es 6000 Cover-Versionen ihrer Songs geben. Aber gegen das Original müssen alle scheitern.

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