Die Kantorei Kirchditmold mit Michael Gerisch führte die Johannespassion von Heinrich Schütz auf

Zwischen Barock und Romantik

Kräftig und rhythmisch präzise: Die 70-köpfige Kantorei Kirchditmold mit ihrem Leiter Michael Gerisch. Foto:  Fischer

Kassel. Wieder hatte sich Kantor Michael Gerisch ein besonderes Stück für die Karfreitagsandacht in der Kirche Kirchditmold ausgesucht. Mit nur minimalen liturgischen Anteilen und einigen Gesangbuchliedern war die Feier zur Todesstunde freilich eher ein geistliches Konzert.

Die Kirche war vielleicht auch deshalb voll, und wer gekommen war, wurde Zeuge einer selten zu hörenden musikalischen Passion, der „Historia des Leidens und Sterbens unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi nach dem Evangelisten St. Johannes“ von Heinrich Schütz, an dessen 425. Geburtstag in diesem Jahr erinnert wird.

Doch was gesungen wurde, war kein Urtext, sondern eine Fassung von Arnold Mendelssohn (1855-1933). Der seinerzeit bekannte Kirchenmusiker und Dirigent hatte maßgeblich zur Wiederentdeckung von Schütz beigetragen. Was heute undenkbar wäre: Von einzelnen Werken schuf er Bearbeitungen, so auch von der Johannespassion. Das ursprünglich unbegleitete Vokalwerk versah er mit einer Orgelbegleitung und änderte auch die rhythmischen und dynamischen Verhältnisse, so dass ein merkwürdiges Werk entstand, das irgendwo zwischen Frühbarock und Romantik steht.

Für Chöre wie die 70-köpfige Kantorei Kirchditmold bietet es, wie Gerisch erläuterte, den Vorteil schnellerer Lernbarkeit. Und so war denn auch die Leistung des großen Chors, der 16 kurze Sätze zu singen hat, fast durchweg gut, kräftig und rhythmisch meist präzise. Den anstrengendsten Part hatte Florian Brauer, der die Partie des Evangelisten übernommen hatte, die in der dreiviertelstündigen Passion mehr als die Hälfte ausmacht. Er fand bald zu einem klaren und sauberen Ton, der gut die Waage zwischen Bericht und Anteilnahme musikalisch hielt.

Ihm standen Joachim Herrmann (Tenor, Jesus) und Sebastian Meder (Tenor, Pilatus) zur Seite. Kleinere Solopartien wurden aus dem Chor (Jochen Weigandt, Sebastian und Michael Gerisch, Bodil Krause) besetzt, die Orgel spielte der Franzose Emmanuel Le Divellec.

Von Johannes Mundry

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