Comedian Olaf Schubert bewies in der Stadthalle Baunatal, dass Comedy mehr sein kann als Klamauk

Zwischen Genie und Wahnsinn

Intelligenter Witz: Olaf Schubert überzeugte. Foto:  nh

BAunatal. Olaf Schubert hat sich in seiner 20-jährigen Karriere eine Situation erspielt, die für einen Comedian das Himmelreich bedeutet - er kann erzählen was er will, alles ist komisch. Sein Auftritt in der Baunataler Stadthalle glich einer Spaßrallye durch die Titelseiten-Themen deutscher Befindlichkeit, angereichert mit derben Bemerkungen über die architektonische Emotionalität des Spielortes.

„Quergebautes Spätbarock mit Grubenflair“, doch die Stadt sei sympathisch. So ruhig, als ob alle miteinander verwandt wären. Trotz Rautenpulli und schmierigem Seitenscheitel verkörpert Schubert Samba und Satire in einer Person.

Grammatikalische Luftschlangen und Wortspiel-Konfetti entlässt er in einen Raum anarchistischer Schwerelosigkeit, ändert dabei ständig die inhaltliche Richtung und sorgt latent für eine heitere Atmosphäre im Publikum. Das verbale Abarbeiten seiner Konfliktagenda passiert unter der Überschrift „Meine Kämpfe“, und mit dem wortgewandten Bassisten Bert Stephan und dem Gitarristen Jochen Barkas hat er profunde Musiker bei der Präsentation seiner Lieder im Boot.

Er träumt von einer Welt, in der ein Afrikaner einem blinden Skinhead über die Straße hilft. In der die Westdeutschen ihren Neid auf die neuen Autobahnen im Osten Deutschlands endlich begraben und die erotische Öffentlichkeitspräsenz des weiblichen Körpers einem männlichen Selbstbestimmungsrecht über den Umfang sexueller Stimulation weichen soll.

Schubert verkettet Straßensprache, Kneipenjargon und Universitäts-Deutsch zu einem postrevolutionären Aufruf, sich doch mal ein paar Dinge im Leben näher anzuschauen. Es isst beim Australier Koalagulasch und will Kriege den Frauen überlassen, da ihnen das Schminken vor einem Einsatz wichtiger wäre als das politische Motiv.

Schubert balanciert zwischen Genie und Wahnsinn auf einem breiten Balken aus Bewegungshumor und Sprachwitz, der mit großem Applaus belohnt wurde.

Von Andreas Köthe

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