Zwischen Herzschmerz, Spaß und Coolness: Max Mutzke und Monopunk im Kasseler Kulturzelt

+
Ohne Starallüren: Max Mutzke lebt für die Musik – auch im Kulturzelt Kassel. 

Kassel. Keine Bühne ist zu groß oder zu klein für Max Mutzke. Er richtet es sich überall passend ein. Ob kürzlich mit dem NDR-Orchester in der Hamburger Elbphilharmonie oder am Samstagabend im eher kleinen Kasseler Kulturzelt mit der Band Monopunk.

Doch braucht es etwas, bis er das Publikum in der Tasche hat. Drei Songs, auf deutsch und englisch gesungen, dann kommt sein bislang größter Hit „Just Can’t Wait Until Tonight“, mit dem er 18 Wochen in den Charts war. Jetzt werden aus den Zuschauern Sänger und Tänzer. Der Song funktioniert noch immer, auch wenn er hier ganz anders klingt. Mehr nach Jazz, viel weniger nach Pop. Mit dieser luftigen Version wäre er beim Eurovision Songcontest 2004 in Istanbul vermutlich nicht auf dem achten, sondern auf dem ersten Platz gelandet. Sie klingt nun nach großer, weiter Welt.

Aber: Die Castingshow- und Grand-Prix-Zeiten liegen weit hinter dem Sänger. Es geht ihm nicht ums Star-Sein, nicht um Konzerte in riesigen Stadien, es geht ihm um die Musik. Ganz pur. Ohne elektronischen Spielereien wie Loops oder Stimmenmanipulation, wie sie gerade so modern sind.

Das passt zu dem bodenständigen Kerl aus dem Schwarzwald, der in seiner Freizeit an Autos schraubt und seine Familie als sein Universum beschreibt. In Kassel erzählt er von seiner Schulzeit, dem Ferienjob als Lastwagenfahrer in einer Kiesgrube und davon, dass er und die Band sich am Mittag in Kassel betrunken haben. Und er hat Humor: „Es ist großartig hier, wir haben uns das nicht schöngesoffen.“

Der Mann aus Stefan Raabs Talentshow hat es geschafft. Max Mutzke ist einer, der die Teeniestarhölle umgangen hat und der sich nicht festlegen lässt auf nur einen Stil. Er ist Pop-Soul-Funk-Jazz-Sänger. Ein kreatives Wesen mit einer wunderbar, wandlungsfähigen Stimme: laut, klar, kraftvoll, zart, gehaucht. Mal klingt er hoch wie Prince, dann wie Joe Cocker. Erdig, warm, gelassen.

Er verknüpft die Stile so behutsam, als versammele er gute Freunde an einen Tisch. Das beste Beispiel: Sein Cover von „Empire State Of Mind“ von Rapper Jay Z und Sängerin Alicia Keys. Die Grundierung ist poppig, dicht am Original, sie wird aber mit Jazz-Tupfern so aufgebrochen, dass man zunächst den Hit nicht erkennt.

Dabei schreitet Mutzke die Bühne ab. Sein Tanzwerkzeug sind aber seine Arme, bisweilen sieht es so aus, als würde er den Mikrofonständer zärtlichst streicheln. Beim sexy Song „Schwarz auf Weiß“ reibt er sich kurz an ihm. Nein, er ist nicht brav und doch stets ein Gentleman. Bedankt sich beim Publikum, den Veranstaltern, seiner Crew.

Man sieht auf der Bühne alles Mögliche: Musiker, die sich feiern. Sänger, die in sich versinken. Showmänner und Dauertänzer. Max Mutzke, der 36-Jährige, der zu Beginn seiner Karriere meist mit geschlossenen Augen auf der Bühne stand, gehört zu denen, die das Publikum feiern. Ohne Pomp, nur mit Blicken, Gesten – und Pfiffen. Immer wieder hält er das Mikrofon in die Menge, und ruft „noch etwas hysterischer ausrasten, wie bei James-Brown-Konzerten“.

Es ist ein Abend, der so tut, als hätte es nie einen besseren gegeben. Verlassen kann sich Mutzke dabei auch auf die Schlagkraft von Monopunk. Mit jeder Note spürt man die Leidenschaft für die Musik. Zwar kreischt das Publikum nicht so, wie bei Browns Konzerten, aber es hat Spaß.

Max Mutzke ist eben weder Sex-Machine, noch der Godfather of Soul, wie James Brown, dafür aber ein Original – irgendwo zwischen Herzschmerz und Coolness – mit einem großen Gespür für Melodie und Intensität. Egal, auf welcher Bühne er steht.

Termin: 2.8., 19.30 Uhr, Lambchop im Kulturzelt. HNA-Kartenservice: 0561/203204.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.