Die eindrucksvolle Kirchenoper „Ich, Hiob“ von Thomas Daniel Schlee bei den Kasseler Musiktagen

Zwischen Zweifel und Vertrauen

Großartig: Der Tenor Markus Schäfer als Hiob. Foto: Koch

Kassel. Zentralen theologischen Fragen hat sich der Wiener Komponist Thomas Daniel Schlee gewidmet. Leid, Verzweiflung, die Konfrontation mit Gott und schließlich dennoch Vertrauen und Hoffnung sind Themen seiner Kirchenoper „Ich, Hiob“, die 2007 mit großem Erfolg beim Carinthischen Sommer in Österreich uraufgeführt worden war. Nun erlebte das rund 70-minütige Werk seine deutsche Erstaufführung bei den Kasseler Musiktagen in der Alten Brüderkirche.

Äußerst reduziert hebt Schlees Musik an. Zum ausdrucksvollen Gesang des Tenors/Hiob (großartig: Markus Schäfer) kommen lediglich klagende, erregte, signalhafte Kommentare von Cello und Trompete sowie vereinzelte Tupfer des Flöten-Quartetts. Diese Kargheit mag ungeduldige Hörer auf eine Probe stellen - und ist so ein genaues Abbild der geschilderten Situation.

Mit dem Einsatz des Soprans/Engel wird es dichter, aparter. Leicht prägt sich ein Sopranmotiv aus Dreiklangsbrechung und lydischer Quarte ein. Auch gibt es eine Erinnerung an die ehrwürdige Fugentechnik. Der Messiaen-Schüler Schlee hat keine Scheu vor Schönklang und Melodien, kümmert sich nicht um die Stilverbote der Avantgarde. Dies berührt sympathisch, weil es souverän komponiert ist und der Bildhaftigkeit des Ausdrucks dient.

Stimmungsvolles Licht

Eindringlich war die Aufführung in der stimmungsvoll beleuchteten Kirche. Neben Markus Schäfer glänzten Traudl Schmaderer (Sopran), Wolfram Geiss (Cello), Neyko Bodurov (Trompete), Katalin Hercegh (Violine) und das Flöten-Quartett um Jens Josef. Die Leitung hatte Daniel Geiss. Langen Beifall spendeten die 150 Zuhörer den Musikern und dem Komponisten.

Von Georg Pepl

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