TripHop: Das neue Album von Ghostpoet

Im Zwischenreich der dunklen Laute

Obaro Ejimiwe Foto:  nh

Ein wunderschöner Titel: „Some Say I So I Say Light“. So heißt das neue Album von Obaro Ejimiwe. Der 30-jährige Londoner    Ejimiwe nennt sich als Künstler Ghostpoet. Ein Name wie ein verlockendes Geheimnis. Dazu diese tiefe, unglaublich sonore Stimme. Der Ghostpoet rappt nicht und er singt nicht. Seine Stimme bewohnt ein Zwischenreich. Es ist ein tiefes, nachdenklich-versponnenes Murmeln, ein kurviges Erzählen von weit unten. Er klingt wie ein melancholischer Lover, dem man Vertrauen schenken möchte.     Der Ghostpoet philosophiert von den Ups and Downs des Lebens. Er beobachtet Menschen auf der Straße und in den Cafés: „Ich sehe dann nur in ihre Körperhaltung, ihre Emotionen, und erfinde die Worte, die sie vielleicht gerade sagen.“ Ein Geisterdichter schlüpft in fremde Körper, fühlt sich in fremde Seelen ein. Das passt. Dazu diese tolle Musik: flexible, mitunter recht temperamentvolle Beatkonstruktionen, sanft brummende Bässe und durch die Luft flirrende Kleinigkeiten mit scharfen Kanten ergeben das typisch britische Rhythmusgerüst für schwebende Pianoakkorde, glasklare Gitarrenparts und traumhaft anmutende Synthiemelodien.    „Some Say I So I Say Light“ ist eine einzige Beschwörung großstädtischer Klang-, Raum- und Gefühlserfahrungen. Würden Massive Attack heute noch einmal von vorn anfangen - so sollten sie klingen.

Ghostpoet: Some Say I So I Say Light (Pias / Rough Trade). Wertung: !!!!!

Von Michael Saager

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