Zwist mit Stadt: Artur Klose stellt Werke des Kreml-Kritikers Wassilij Slonow aus

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Enttäuscht von der Entscheidung der Stadt: Ausstellungs-Initiator Artur Klose musste ins Stellwerk ausweichen.

Kassel. Ein warmes Willkommen sieht anders aus: Die Ausstellung der Karikaturen-Reihe „Welcome! Sochi 2014" des russischen Kreml-Kritikers Wassilij Slonow sorgt derzeit für Zündstoff zwischen den Verantwortlichen der Stadt Kassel und dem heimischen Künstler Artur Klose.

Der hatte die fiktive Werbekampagne für die bevorstehenden Olympischen Winterspiele in der Schwarzmeerstadt nach Kassel geholt. Nach der Verlegung des Ausstellungsortes vom Friedrichsplatz in das deutlich kleinere Stellwerk am Kulturbahnhof fühlt er sich und die Interessen seines Künstlers herabgewürdigt. „Slonow, einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler weltweit, ist schockiert, dass sich die Stadt als so kleingeistig erwiesen hat“, empört er sich.

In Slonows russischer Heimat sorgten die Werke für einen handfesten Skandal in der Szene. Kunst sei das nicht, sondern die reine Russophobie, entsetzten sich Moskaus Sittenwächter bereits zu Jahresbeginn. „Willkommen - Sotschi 2014“ ist auf jedem der streitbaren Bilder zu lesen. Einladende Motive zeigen sie allerdings nicht: Eine Handgranate etwa, die aussieht wie die „Matrjoschka“ genannte russische Steckpuppe - oder gar die Olympischen Ringe, zweckentfremdet als Panzeruntersatz.

Provozieren sollten die Zeichnungen laut des aus Sibirien stammenden Slonow, die russische Alltagsrealität aufdecken, vielleicht auch etwas mit Klischees und Vorurteilen spielen - doch kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele, Prestigeprojekt Wladimir Putins, verstehen die Behörden wenig Spaß. Eine erste Schau im Museum für zeitgenössische Kunst in Perm wurde verboten, dessen Direktor, der bekannte Galerist Marat Gelman, gefeuert.

In Kassel sollten die Karikaturen nun öffentlichkeitswirksam präsentiert werden. „Eine Ausstellung dieser Werke in der documenta-Stadt käme einer Hymne an die Freiheit der Kunst gleich“, sagt Klose. Obwohl er versichert, im Vorfeld eine mündliche Zusage erhalten zu haben, sei die Genehmigung der Stadt, großformatige Plakate der Slonow-Motive auf dem Friedrichsplatz zu zeigen, ausgeblieben. Die Schuldigen macht er in den Reihen des Kulturamtes und der SPD-Fraktion aus: „Mit ihrer Ablehnung stellt sich die Kasseler SPD auf die Seite der Handlanger des autoritären russischen Staates.“ Erst im vergangenen Jahr sei chinesische Kunst in Kassel gezeigt worden. „Das diese kritische Schau jetzt verboten wurde, ist ein Skandal.“

Nach der Eröffnung am Freitag (19 Uhr) wird die Ausstellung unter dem Titel „Verfolgte Kunst aus Russland“ in der Galerie Stellwerk im Kulturbahnhof bis zum 9. Februar täglich von 14 bis 19 Uhr zu sehen sein.

Das sagt die Stadt Kassel zum Thema

Als „unwahr“ weist Petra Bohnenkamp, Pressesprecherin der Stadt Kassel, die Vorwürfe Artur Kloses auf HNA-Anfrage zurück:

„Wir halten die Ausstellung von Wassilij Slonow für interessant und freuen uns, dass Herr Klose mit der Galerie Stellwerk und der Nähe zur Caricatura einen geeigneten Standort für dieses Format gefunden hat. Indirekt unterstützt die Stadt Kassel damit sehr wohl auch die Ausstellung, da die Galerie Stellwerk aus Mitteln des städtischen Kulturetats gefördert wird.

Der Vorwurf von Herrn Klose, die Stadt Kassel, der Oberbürgermeister oder das Kulturamt der Stadt Kassel hätten die Ausstellung verhindern wollen, ist nicht richtig. Es ist geradezu absurd, der documenta-Stadt Kassel eine Zensur künstlerischer Inhalte zu unterstellen.

Es ist unter anderem Aufgabe des städtischen Kulturamtes, Kasseler Kulturschaffende zu unterstützen. Dabei werden in der Regel nicht individuelle Künstler gefördert - dies sprengt den Rahmen der finanziellen Möglichkeiten -, sondern eher projektbezogene Maßnahmen. Diese Voraussetzungen (Projekt, Kasseler Künstler) lagen beide nicht vor.

Darüber hinaus ergab sich noch eine andere Problematik: Der Kasseler Friedrichsplatz steht unter Denkmalschutz. Daher können dort nur wenige, sorgsam abgewogene Veranstaltungen stattfinden. Es bedarf dazu eines Antrages zur Sondernutzung, da es sich um eine öffentliche Fläche handelt. Ein entsprechender Antrag von Herrn Klose ist dazu bei der Stadt nicht eingegangen. Die Stadt Kassel bedauert, dass er seit Jahren sachlichen Argumenten nicht zugänglich ist.“

Von Emily Spanel

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