Martina Rellin las bei Thalia aus ihrem Buch „Göttergatten“

Zwist mit Wäscheleine

Martina Rellin

KASSEL. Mal angenommen, die Hausfrau hat auf den Küchentisch eine Menge abgewaschene Töpfe gestellt. Was soll der Ehemann nun tun? Autorin Martina Rellin fragte in die Runde in der voll besetzten Buchhandlung Thalia bei ihrer Lesung am Dienstag. „Wegräumen“, riefen die meisten. Doch wie? Nach welchem System? Und wenn man den Spaghetti- mit dem Spargeltopf verwechselt? In ihrem Fallbeispiel tat der Ehemann: gar nichts. Er wusste, dass jedes Handeln nur falsch sein könnte: falsches Sortiersystem, falsche Interpretation weiblicher Erwartungen - keine Chance, ohne Streit aus der Situation herauszukommen. Das Publikum nickte wissend.

Martina Rellin hat nach einem Buch über Ehefrauen jetzt ein Buch über Ehemänner geschrieben. Seit drei Wochen ist „Göttergatten - was Männer wirklich über ihre Frauen denken“ auf dem Markt. Bei Thalia saßen zehn Prozent Männer im Publikum - damit bescheinigte die 47-jährige Journalistin Kassel gute Ehen: Diese Quote sei hoch.

In kurzweiligen, aber analytisch nicht zugespitzten eineinviertel Stunden las sie Protokolle dreier Gatten vor und erzählte Hintergründe zu ihren Recherchen.

In intensiven Gesprächen hat Rellin verheiratete Männer deutschlandweit befragt und daraus anonymisierte Ehe-Geschichten geschrieben. Der verblüffende Effekt: Sie sind zwar aus Männersicht, aber besonders bei Frauen dürfte sich ein Aha-Effekt einstellen. Eigene Verhaltensmuster aus maskuliner Sicht gespiegelt zu bekommen, kann „besonders perfide“ sein, sagte Rellin. Und sie betonte: „Es gibt Geschichten, darin würden Frauen ihre eigenen Männer nicht erkennen.“ Zu unterschiedlich seien die Einschätzungen.

Zum Beispiel Richard. Seit neun Jahren verheiratet, 38, gibt er zu Protokoll, dass er sich beim Heimkommen jeden Abend im Treppenhaus darauf eingestellt hat, dass der Herzensdame etwas nicht passt, was sie ihm sofort vor den Latz knallen muss. Erst als sie einen Liebhaber hatte und dadurch gattenmäßig abgelenkt war, durfte er die Wäsche aufhängen, wie er wollte. Überhaupt: die Wäsche. Lebhafte Zustimmung gab es im Saal, als Rellin die ehelichen Debatten ums richtige Aufhängen schilderte - und den weiblichen Bestimmerdrang, der so weit gehen kann, die männliche Hängung abzureißen und Socken und Handtücher nach dem eigenen Ordnungsprinzip auf die Leine zu bringen. Foto:  Fraschke

Martina Rellin: „Göttergatten“, Diana, 288 S., 16,95 Euro.

Von Bettina Fraschke

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