Alle wetten auf Lena in Oslo

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Lena Meyer-Landrut.

Frankfurt/Main - Ziemlich genau 28 Jahre nach dem bisher einzigen Grand-Prix-Sieg von Nicole in Harrogate kann sich Deutschland wieder Hoffnung auf einen Platz ganz vorne machen.

Mit ihrem Lied “Satellite“ liegt die 18-jährige Abiturientin aus Hannover sieben Wochen vor dem Finale am 29. Mai in Oslo in den europäischen Wettbüros auf Platz Eins. Und seit dem Jahr 2000 haben sich die Wetten fast immer irgendwie als zuverlässiger Indikator für den Eurovision Song Contest erwiesen, wie Experte Jan Feddersen auf der offiziellen Homepage des NDR schreibt. Den einzigen Irrtum dabei habe es im Jahr 2002 gegeben, als Marie N aus Lettland mit dem späteren Siegertitel “I wanna“ in den Wettbüros nur auf dem dritten Platz gelandet war.

Unser Star für Oslo! Lena Meyer-Landrut im Porträt

Die Entscheidung ist gefallen! Lena Meyer-Landrut vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest in Oslo. © dpa
Das Finale der Castingshow-Reihe "Unser Star für Oslo", die den deutschen Teilnehmer des Eurovision Song Contest 2010 ermittelte, hat am Freitagabend durchschnittlich 4,5 Millionen Zuschauer für sich gewonnen. © dpa
Nach Senderangaben entsprach das einem Marktanteil von 14,6 Prozent. © dpa
Damit unterlag die TV-Show ab 20.15 Uhr der ZDF-Serie “Der Kriminalist“ mit durchschnittlich 5,97 Millionen Zuschauern (18,7 Prozent) und dem RTL-Quiz “5 gegen Jauch“, das 5,2 Millionen Menschen sahen (16,5 Prozent). © dpa
In der begehrten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen schaffte die Show, in der die Zuschauer Lena Meyer-Landrut (18) zur Oslo-Reisenden kürten, 20,3 Prozent Marktanteil (2,5 Millionen Menschen), bei den 14- bis 29-Jährigen sogar 22,7 Prozent (0,74 Millionen). © dpa
Die 18-Jährige im Porträt. © dpa
Ihr Song für Oslo heißt "Satellite". © dpa
Die Abiturientin aus Hannover ist nicht 08/15, sondern sehr außergewöhnlich. © dpa
„Das geht mal weg von den glattgebügelten Performances, die man überall hat“, sagte Jury-Mitglied Barbara Schöneberger über Lena. © dpa
Schöneberger weiter: „Da ist ein bisschen Nora Tschirner, Björk. Ich habe auch Bewegungen von Joe Cocker erkannt. Das ist alles spitze.“ © dpa
Auch Lenas Musikgeschmack ist anders: Zu ihren Lieblingstiteln gehören unter anderem Adele mit "My Same", Jack Johnsons "Better" Together oder "Again" von The Bird and the Bee. © dpa
Die größte Musiklegende ist für sie Falco (1957 -1998). © dpa
Schon im April will Lena (2.v.r.) ihr Abitur machen. © dpa
Lena hatte übrigens nie Gesangsunterricht © dpa
Lena mit ihrer Konkurrentin aus dem Finale, Jennifer Braun. © dpa
Zickenzoff wie bei „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) kam für die beiden dunkelhaarigen Mädchen, die beim Halbfinale den letzten männlichen Konkurrenten Christian Durstewitz triumphierten, nicht in Frage. © dpa
„Wir haben schon so viel Stress mit der Vorbereitung auf unsere Auftritte, da wären wir ja schön blöd, wenn wir uns jetzt auch noch bekriegen würden“, sagt Lena. © dpa
Selbstbewusst verteidigt die 18-Jährige, die kurz vor dem Abi steht, ihren außergewöhnlichen Musikgeschmack, der so abseits des Mainstreams zu liegen scheint: „Es müssen ja nicht immer die Radiohits sein. Es gibt so viele gute Musik, wäre doch schade, wenn die nicht gehört würde.“ © dpa
Und es wäre nicht Lena, wenn sie diesen Satz nicht mit einer Prise schrägem Pathos sagen würde. Lena Meyer-Landrut und das, was man im Zeitalter der Castingshows von jungen Sängerinnen so hört – dazwischen scheinen Welten zu liegen. © dpa
Und auch die Song-Contest-Tradition, die nostalgische Verklärung des Grand Prix, sind der jungen Frau im Prinzip fremd: „Ich hab’ mich nie mit 18 Tüten Chips und fünf Flaschen Cola vor den Fernseher gesetzt.“ © dpa
Ein Event für die nicht mehr ganz Jungen also? „Genau deshalb haben wir ja diese Aktion hier gestartet, damit das Ganze mal ein bisschen aktueller und ein bisschen frischer wird“, sagt Lena. © dpa
Als Zuschauer fragt man sich vielleicht, ob Lena Meyer-Landrut Drogen nimmt. Oder man genießt einfach die feenhaft entrückten Auftritte der 18-jährigen Schülerin aus Hannover. Lena tanzt seit vielen Jahren und verströmt auf der Bühne einen ganz eigenartigen Zauber. © dpa
Hoffentlich verzaubert Lena (2.v.r., mit den ausgeschiedenen drei Konkurrenten) damit auch das internationale Publikum. © dpa
„Für mich ist diese ganze Sache noch gar nicht real oder fassbar“, sagte Lena schon deutlich vor ihrem Sieg. „Ich denke immer noch, dass das eine andere Person sein muss, die da in den Zeitungen steht.“ © dpa
Jetzt ist sie unsere große Hoffnung für Oslo. Viel Erfolg! © dpa

Dagegen war der haushohe Gewinner von 2009, der für Norwegen angetretene Alexander Rybak mit seinem “Fairytale“, im vorigen Jahr auch schon lange als Wettfavorit gehandelt worden. Dass Lena nach den enttäuschenden Plätzen der letzten Jahre jetzt Deutschland wieder Hoffnung auf den ersten Platz macht, ist für langjährige Grand-Prix-Beobachter sensationell. “Als Deutscher kann man es kaum glauben: europäisch am höchsten gewettet zu sein“, schreibt Feddersen in seinem Blog auf der NDR-Homepage zum größten Musikwettbewerb der Welt.

Das letzte Mal, dass es derartige Hoffnungen gab, sei schließlich 1982, als mit der Saarländerin Nicole ebenfalls eine - in dem Fall noch nicht einmal ganz 18-jährige - Schülerin für Deutschland antrat. Sie gewann mit dem Ralph-Siegel-Song “Ein bisschen Frieden“, und das war auch der bislang einzige erste Platz eines deutschen Teilnehmers in dem mittlerweile 54 Jahre alten Schlagerwettbewerb.

Auch in den Charts ist Lena weiter ganz vorn

Mit “Satellite“ liegt Lena Meyer-Landrut in den Wetten knapp vor Safura aus Aserbaidschan mit ihrem Lied “Drip drop“. Auch in den deutschen Single Charts ist die 18-jährige Abiturientin mit ihrem Song für Oslo weiter auf dem ersten Platz. Die beiden anderen Lieder, die sie bei der deutschen Endausscheidung sang, rutschen jedoch ab: “Bee“ fiel am Freitag auf den 13. und “Love me“ auf den 20. Rang. Letzteres liegt damit aber immer noch vor Lady Gaga.

Grand-Prix-Urgestein Feddersen weist in seinem Blog auch Kritik zurück, “Satellite“ sei ja nur ein Radiohit und bedeute für ein Live-Event wie den Eurovision Song Contest gar nichts. Wer so argumentiere, verkenne, dass Lena Meyer-Landrut “gerade live, wenn es echt um Punkte geht, am stärksten ist“, schreibt er. Jedenfalls, und so viel scheint schon sicher, wird das Finale Ende Mai in Oslo endlich auch aus deutscher Sicht wieder einmal spannend. Insofern hat sich die bisher einmalige Kooperation von ARD und dem Privatsender ProSieben mit Moderator Stefan Raab bei der Auswahl des deutschen Songs wohl schon gelohnt.

DAPD

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