Musikalisches Denkmal für Amy Winehouse

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Die BBC setzt Amy Winehouse ein musikalisches Denkmal.

Berlin - Amy Winehouse sorgte in ihren letzten Jahren eher mit Exzessen für Schlagzeilen. Mehr als ein Jahr nach ihrem Tod bringt die BBC jetzt in einer Kollektion von Live-Auftritten wieder ihre große Stimme in den Vordergrund.

Amy Winehouse war nur eine kurze Karriere beschert. So kurz, dass es nicht einmal für das übliche Leben nach dem Tod zu reichen schien, das die Musikindustrie ihren Stars bringt: Alle paar Jahre werden Aufnahmen aus Archiven herausgekramt und für die Fans neu aufbereitet. Doch die Sängerin war in ihren letzten Jahren so von dem Kampf gegen ihre Dämonen eingenommen, dass sie nur selten im Studio aufkreuzte.

Winehouse schaffte es deshalb nie, ein drittes Album aufzunehmen. Selbst ein Bond-Song, für den sie einst als würdigste Anwärterin ihrer Generation galt, blieb ihr verwehrt. Ihre Plattenfirma kratzte nach ihrem Tod gerade noch ein Album mit unveröffentlichten Songs zusammen, und das schien es gewesen zu sein. Doch zum Glück für die Amy-Winehouse-Fans gibt es die BBC. Der britische Medienriese zählte zu den treuesten Unterstützern des umstrittenen Stars und sammelte zahlreiche Live-Aufnahmen an. So viele, dass es für eine monumentale Ausgabe aus drei DVDs und einer Live-CD reichte.

Amy Winehouse: Ihr Leben in Bildern

Mit ihrer ungewöhnlichen Stimme sorgte Amy Winehouse unter Musikkritikern für Aufsehen. Die Britin wurde 2006 mit ihrem Album “Back to Black“ einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Das Album brachte Winehouse diverse Auszeichnungen ein, darunter der Grammy. © dpa/dapd
Doch ihr musikalischer Erfolg wurde immer wieder von Schlagzeilen über ihre Alkohol- und Drogeneskapaden überschattet. Am Samstag wurde Winehouse tot in ihrer Londoner Wohnung aufgefunden. © dpa/dapd
Winehouses Tod im Alter von 27 Jahren weckt Erinnerungen an den von Janis Joplin und Jimi Hendrix - wie Winehouse zwei gefeierte Musiker, die gegen die Drogensucht ankämpften und nur 27 Jahre alt wurden. © dpa/dapd
Geboren wurde Winehouse am 14. September 1983 als Tochter eines Taxifahrers und einer Apothekerin in London. Schon in ihrer Jugend entdeckte die Britin ihr Gesangstalent, mit 13 Jahren bekam sie eine Gitarre geschenkt. In der Schule lief es für Winehouse, deren Markenzeichen später ihre stark toupierten Haare und ein großzügiger Lidstrich wurden, weniger gut. © dpa/dapd
Sie flog von der Sylvia Young Stage School und hatte auch auf einer Mädchenschule im Süden Londons Probleme. Aus dem Hass auf die Schule entstand bei Winehouse eine Liebe zur Musik. Immer stärker wurde die Britin vom Jazz, HipHop- und R&B-Einflüssen geprägt. © dpa/dapd
Nach ihrem Debütalbum “Frank“ war es im Jahr 2006 “Back to Black“, das Winehouse berühmt machte. In Deutschland stand das Album auf Rang eins, die darauf enthaltenen Singles “Rehab“ und “Back to Black“ stiegen hoch in den internationalen Charts ein. Winehouse räumte fünf Grammys ab, unter anderem den als beste neue Künstlerin. Bei den Brit Awards wurde sie 2007 als “Best British Female Solo Artist“ ausgezeichnet. © dpa/dapd
Winehouse heiratete im Mai 2007 ihren Verlobten Blake Fielder-Civil, drei Monate später brachen beide nach nur wenigen Tagen einen Aufenthalt in einer britischen Entzugsklinik ab. Ihre Alkohol- und Drogensucht war damals bereits kein Geheimnis mehr. © dpa/dapd
Im November des gleichen Jahres musste Winehouse aus gesundheitlichen Gründen alle Konzerte bis Jahresende absagen. Weil die Inhaftierung ihres Ehemanns wegen Behinderung der Justiz die Sängerin emotional zu sehr belastete, hatte ein Arzt ihr ein Auftrittsverbot erteilt. © dpa/dapd
Fielder-Civil wurde im Juli 2008 zu 27 Monaten Haft verurteilt. Winehouse trat unterdessen immer häufiger sichtbar unter dem Einfluss von Drogen stehend in der Öffentlichkeit auf. © dp/dapd
Im Juli 2009 wurde die häufig turbulente Ehe von Winehouse und Fielder-Civil nach zwei Jahren geschieden. Fielder-Civil hatte Anfang des selben Jahres die Scheidung eingereicht und diesen Schritt mit der Untreue seiner Frau begründet. Laut Gerichtsunterlagen beschrieb er das Zusammenleben mit der Sängerin als “unerträglich“. © dpa/dapd
Immer wieder bekam Winehouse Ärger mit der Justiz. Unter anderem wurde die Sängerin Ende 2009 wegen eines Zwischenfalls bei einem Theaterbesuch festgenommen und gegen Kaution freigelassen. Die Polizei erklärte damals, Winehouse werde wegen eines Verstoßes gegen die öffentliche Ordnung belangt. © dpa/dapd
Britische Medien berichteten, die Sängerin sei mit einem Angestellten des Theaters aneinandergeraten, nachdem sie mit Zwischenrufen die Vorstellung gestört habe. Erst wenige Monate zuvor war Winehouse vom Vorwurf des Angriffs auf einen weiblichen Fan freigesprochen worden. Der Sängerin war vorgeworfen worden, der Tänzerin Sherene Flash auf einem Wohltätigkeitsball auf eine Auge geschlagen zu haben. © dpa/dapd
Zuletzt tauchte Winehouse in der Medienberichterstattung auf, nachdem sie im Juni zum Start ihrer Europatournee in Belgrad von serbischen Fans ausgepfiffen worden war. Serbische Medien beschrieben den Auftritt vor 20.000 Zuschauern als Skandal und Katastrophe. © dpa/dapd
Zeitweise sei Winehouse von der Bühne verschwunden habe es ihrer Band überlassen, das Publikum zu unterhalten, hieß es. Kurz vor dem Auftritt hatte Winehouse wieder eine Woche in einem Entzugsprogramm verbracht. © dpa/dapd

Die BBC gibt Winehouse, die im Juli 2011 mit 27 Jahren an einer Alkoholvergiftung starb, ein großes Stück Würde zurück. Das Publikum nahm die Sängerin zum Schluss nur noch über die Seiten der Boulevard-Presse mit traurigen Paparazzi-Bildern, ständigen Skandalen und blamablen Bühnen-Pannen wahr - ein Wrack. Die Live-Aufnahmen aus den Jahren 2004 bis 2007 bringen jetzt die Amy Winehouse zurück, die dahinter fast in Vergessenheit geriet: Ein Naturtalent mit riesiger Stimme und beeindruckender Bühnenpräsenz.

Ein Höhepunkt von „Amy Winehouse At The BBC“ ist neben dem bekannten Konzert in der Londoner Porchester Hall von Frühjahr 2007 eine Aufnahme, die Winehouse wenige Monate zuvor in einer winzigen irischen Kirche machte, begleitet nur von Bass und Gitarre.

Der kleine Rahmen, der fehlende Abstand zu den gerade einmal 80 Zuhörern verlieh dem Konzert eine magische Atmosphäre, die selbst auf der DVD rüberkommt - schließlich war auf die Qualität der BBC-Toningenieure schon immer verlass.

In dem Interview, das damals zum Konzert geführt wurde, kommt Winehouse nicht, wie später manchmal, als arrogante Diva rüber, sondern als besessener Jazz-Fan: etwa, wenn sie erzählt, wie sie erstmals Ray Charles oder Thelonious Monk gehört hat. Sie habe denselben Song jeden Abend anders singen können, sagt einer ihrer Musiker.

Die Live-Aufnahmen belegen das - und sind eine Erinnerung daran, was für ein großer Verlust ihr früher Tod für die heutige Musikszene bedeutet.

dpa

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