Assauers bewegender Auftritt im ZDF

+
Der langjährige Schalke-Manager Rudi Assauer und seine Tochter Tochter Betty sind Gäste der ZDF-Sendung "Volle Kanne" (Foto aufgenommen am 2. Februar), die am Freitag ausgestrahlt wurde.

Düsseldorf  - Es war der erste TV-Auftritt von Fußballmanager Rudi Assauer, nachdem er seine Alzheimer-Erkrankung öffentlich gemacht hat: Am Freitagmorgen sprach er im ZDF darüber, wie es ihm derzeit geht:

Der  schwer an Alzheimer erkrankte Assauer saß mit seiner Tochter Betty, seiner langjährigen Sekretärin Sabine Söldner, seinem langjährigen Weggefährten, dem Sportreporter Werner Hansch und Moderator Ingo Nommsen in der ZDF-Sendung "Volle Kanne". Das Studio-Gespräch war bereits am Donnerstag aufgezeichnet worden. Assauer wirkte ruhig und verhalten. Wie es ihm gehe, wollte Moderator Nommsen zu Beginn wissen. Assauers knappe Antwort: „Es ein guter Tag, es geht mir gut.“ Der Ex-Schalke-Macher, der früher für seine kernigen Medien-Auftritte bekannt war, sprach in einem langsamen und zögerlichen Tonfall. Der einstige Vorzeige-Macho wirkt mittlerweile in sich gekehrt.

Assauers bewegender Auftritt im ZDF

Es war der erste TV-Auftritt von Fußballmanager Rudi Assauer, nachdem er seine Alzheimer-Erkrankung öffentlich gemacht hat: Am Freitagmorgen sprach er in der ZDF-Sendung "Volle Kanne" darüber, wie es ihm derzeit geht. Das Bild zeigt Assauer mit seiner Tochter Betty. © ZDF/Willi Weber
Der langjährige Schalke-Manager Rudi Assauer (2.v.r.) sitzt mit seiner Tochter Tochter Betty (l-r), seiner langjährigen Sekretärin Sabine Söldner, seinem langjährigen Weggefährten Werner Hansch und Moderator Ingo Nommsen (r) in der ZDF-Sendung "Volle Kanne" © ZDF/Willi Weber
Assauer (links) mit "Volle Kanne"-Moderator Ingo Nommsen. © ZDF/Willi Weber
Assauer (rechts) mit seinem langjährigen Weggefährten, dem Sportreporter Werner Hansch © ZDF/Willi Weber

Die positiven Reaktionen auf den Umgang mit seiner Krankheit geben ihm Halt und Mut. “Ich freue mich darüber natürlich. Das gibt auch noch einen neuen Schub.“ Angst habe er nicht gehabt, seine Krankheit publik zu machen. “Es war von Anfang an klar, dass es so gemacht wird“, sagte Assauer - auch, damit er die Kontrolle, wie damit in der Öffentlichkeit umgegangen wird, behalten könne.

Zu seinem derzeitigen Befinden sagte er: “Im Grunde genommen geht's mir gut. Ich merke, dass es besser wird und besser geworden ist.“ Trotz der kankheitsbedingten Einschränkungen (unter anderem fährt Assauer nicht mehr Auto) versucht er, ein normales Leben zu führen: "Im Grunde genommen hat sich nichts verändert. Ich kann laufen, ich kann gehen, ich kann alles machen - und das ist es dann."

Prominente, die ihr Gedächtnis verloren 

Alptraum Alzheimer: Der ehemalige Fußballspieler des FC Bayern München, Gerd Müller leidet an einer Alzheimer-Erkrankung. Wenige Wochen vor seinem 70. Geburtstag am 3. November bitten der deutsche Fußball-Rekordmeister und die Familie des Weltmeisters von 1974 um Verständnis, dass es keine öffentlichen Auftritte anlässlich des Jubiläums geben werde. © dpa
Karheinz Böhm
Der große Schauspieler Karheinz Böhm starb am 29. Mai 2014 im Alter von 86 Jahren. Erst im Februar 2013 war Böhms Alzheimererkrankung bekannt geworden. Sein Sohn Michael wollte nicht länger über den Gesundheitszustand seines Vaters schweigen. Karlheinz Böhm wurde an der Seite von Romy Schneider in Sissi ein Star. Böhm setzt sich seit 1981 für hungernde Menschen in der Sahelzone ein (Archivfoto vom 2.05.2011). © dpa
Der ehemalige Schauspieler Karlheinz Böhm, der seit 28 Jahren die Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" leitet, und seien Ehefrau Almazs besichtigen das Wiederaufforstung-Projekt "Sheikh Abdi Erosionsgraben" in Äthiopien (Aufnahme aus dem Jahr 2006).
Der ehemalige Schauspieler Karlheinz Böhm leitet seit 1981 die Äthiopienhilfe "Menschen für Menschen" . Die Aufnahme aus dem Jahr 2006 zeigt, wie Böhm mit seiner Ehefrau Almazs  das Wiederaufforstung-Projekt "Sheikh Abdi Erosionsgraben" in Äthiopien besichtigt. © dpa
Rudi Assauer
Rudi Assauer und die furchtbare Diagnose Alzheimer erschütterte ganz Deutschland. Seine Ehrlichkeit macht betroffen. © dpa
Schalke-Manager Rudi Assauer
In einem TV-Auftritt spricht der Fußballmanager Rudi Assauer Anfang des Jahres 2012 erstmals offen von seinem Leiden. Und der Prominente ist mit seinem schweren Schicksal nicht allein. © dpa
Ronald Reagan
Der frühere US-Präsident Ronald Reagan (1911-2004) erkannte eines Tages seine Frau Nancy nicht mehr - nach mehr als 40 Jahren Ehe. © dpa
Ronald Reagan Alzheimer
"Ich beginne nun die Reise, die mich zum Sonnenuntergang meines Lebens führt..." - 1994 bekannte sich der ehemalige Präsident in einem Brief als Alzheimer-Patient. Dadurch entstand erstmals ein öffentliches Bewußtsein für die Krankheit.   © dpa
Gunter Sachs Selbstmord
Er machte sich in Europa einen Namen als Fotograf, Kunstsammler und Playboy: Gunter Sachs. Doch aus Angst vor Alzheimer beging im Alter von 78 Jahren Suizid (7.05.2011). © dpa
Margret Thatcher
Die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher gilt als unnachgiebig und brachte ihr den Spitznamen "Die Eiserne Lady" ein.  © dpa
Peter Falk
US-Schauspieler Peter Falk als Inspektor "Columbo" in seinem typischen Outfit, dem Trenchcoat - und mit einer Zigarre in der Hand brauchte am Ende Vollzeit-Betreuung. Er leidet bis Sommer 2011 an Demenz und Alzheimer. © dpa
Annie Girardot
Die französische Schauspielerin Annie Girardot starb im Alter von 79 Jahren (28.02.2011) an Alzheimer. © dpa
Charlton Heston
Der an Alzheimer leidende Charlton Heston starb im Alter von 84 Jahren. Der US-Schauspieler wurde bekannt für das Filmepos "Die Zehn Gebote" Moses. Für seinen Judah in " Ben Hur" hatte er 1959 den Oscar als bester Hauptdarsteller bekommen. © dpa
Bubi Scholz
Immer wieder kämpfte sich Bubi Scholz trotz mehrerer Schlaganfälle ins Leben zurück. Die ehemalige Box-Legende litt auch an Alzheimer und starb im Alter von 70 Jahren in Berlin (21.08.2000). © dpa
Country-Star Glen Campbell wollte trotz seiner Diagnose Alzheimer im Herbst 2011 noch ein letztes Mal auf Tour gehen und sich mit mehreren Live-Auftritten von seinen Fans verabschieden. © dpa
Der Schauspieler Fred Delmare zählte zu den bekanntesten DDR-Schauspielern. Zuletzt stand Delmare in der ARD-Serie "In aller Freundschaft" als Opa Friedrich vor der Kamera. 2005 zog er sich aus dem Berufsleben auch wegen seiner Alzheimererkrankung zurück, wo der Mime 2009 verstarb. © dpa
Helmut Zacharias
Der Violin-Virtuose Helmut Zacharias komponierte 400 Stücke, arrangierte 1400 Titel und verkaufte 13 Millionen Platten. Zuletzt verschwand er aus dem Blick der Öffentlichkeit. Der Musiker litt unter der Alzheimer-Krankheit und lebte bis zu seinem Tod im Alter von 82 Jahren (28.02.2002) in einem Sanatorium in der Nähe seines Wohnortes Ascona in der Schweiz. © dpa
Roberto Blanco
Roberto Blanco und Sodom rocken gemeinsam für einen Spot der Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Mit viel Humor macht der Sänger auf die Krankheit aufmerksam. © obs
Eine Büste des Hirnforschers Alois Alzheimer
Eine Büste des Hirnforschers Alois Alzheimer: Als der Psychiater am 3. November 1906 in Tübingen erstmals "Über einen eigenartigen schweren Erkrankungsprozess der Hirnrinde" referierte, werteten Kollegen seine Entdeckung als Kuriosität. 100 Jahre später ist Alzheimers Name einer der bekanntesten weltweit, von der nach ihm benannten Hirnkrankheit sollen allein in Deutschland 700.000 bis eine Million Menschen betroffen sein. © dpa

Assauer lebt lebt jetzt bei seiner Tochter Bettina in Herten (Kreis Recklinghausen ). "Betty" sprach im ZDF darüber, wie es ist, den eigenen Vater zu pflegen: "Dieses 'ihn-schützen-müssen' ist jetzt nicht mehr da. Also wenn er sich morgen mit jemandem unterhält und er kennt ihn nicht, dann weiß derjenige, okay, ich muss ihm Hilfestellung geben."

Ebenfalls Gast der Sendung war Assauers Freund und Sportreporter Werner Hansch schilderte den Moment, in dem er den Ex-Schalke-Manager auf seinen offensichtlich veränderten Zustand ansprach: "Wir fuhren gemeinsam nach Hause und ich habe mir während der Fahrt vorgenommen: Ich muss mich heute öffnen. Und ich hab das dann getan, wir standen vor seiner Haustür und ich habe gesagt: Rudi, heute würde ich gerne noch mal zwei Minuten mit dir reden.(....). Und dann hab ich es ihm gesagt: Ich habe den Eindruck, mit deinem Kopf stimmt irgendetwas nicht mehr. Und dann, muss ich sagen, war es ein sehr bewegender Moment. Er bekam fast einen krampfartigen Weinanfall. Er ist mir um den Hals gefallen und sagte: Ich weiß es. Ich weiß es doch!"

Ein ausführliches Porträt des früheren Managers von Schalke 04 sendet das ZDF am kommenden Dienstag, 7. Februar, um 23.15 Uhr, in seiner Reihe "37°". Für ihren Film "Rudi Assauer - Ich will mich nicht vergessen! Ein Promi im Kampf gegen Alzheimer" hat ZDF-Autorin Stephanie Schmidt Assauer fast ein Jahr exklusiv mit der Kamera begleitet.

fro/dapd

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.