Filmbranche trauert: Produzent Bernd Eichinger tot

München/Los Angeles - Die Filmbranche trauert um Bernd Eichinger. Der wohl größte deutsche Produzent und Regisseur starb im Alter von 61 Jahren in Los Angeles.

Eichinger habe während eines Abendessens mit Freunden und Familie am Montagabend einen Herzinfarkt erlitten, wie die Constantin Film, die Produktionsfirma von Eichinger, am Dienstag in München mitteilte. Eichinger hinterlässt seine Ehefrau Katja und eine Tochter, die 29-jährige TV-Moderatorin Nina Eichinger.

Bernd Eichinger - Bilder aus seinem Leben

Bernd Eichinger - Bilder aus seinem Leben

Til Schweiger (47) ist geschockt vom Tod seines Freundes Bernd Eichinger. “Sein Tod macht mich unendlich traurig“, sagte Schweiger am Dienstagabend der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. “Er hinterlässt eine Riesenlücke.“ Es gebe keinen mehr von seinem Schlag. “Über all dem, was er filmisch bedeutet hat, war er wirklich ein Freund. Jemand, den ich sehr geliebt habe und zu dem ich sehr aufgeschaut habe.“ Seiner Meinung nach sei Eichinger “nie genug gewürdigt worden“. Schweiger bekannte, er habe weinen müssen. “Ich war geschockt wie alle.“

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Bernd Eichinger ist tot

“Ohne den Bernd wäre ich nicht da, wo ich bin. Bernd hat sich wahnsinnig für mich eingesetzt. Ohne Bernd hätte ich den “bewegten Mann“ nicht gespielt. Und Bernd hat mir wichtige Tipps gegeben, als ich gesagt habe, ich möchte selbst produzieren“, sagte Schweiger bei der Premiere seines neuen Films “Kokowääh“, der am 3. Februar in die Kinos kommen soll. Am Anfang sei Eichinger eine Art Mentor gewesen, später “ein enger Freund“, sagte Schweiger.

Til Schweiger wurde in den 90er Jahren mit der von Eichinger produzierten Comic-Verfilmung “Der bewegte Mann“ berühmt und produzierte später zum Beispiel die Erfolgskomödie “Keinohrhasen“.

“Einer der ganz Großen“

Der Regisseur Oskar Roehler sagte in Berlin: “Er war derjenige, der den deutschen Film rausgetragen hat.“ Auch als Persönlichkeit sei Eichinger beeindruckend gewesen. Schauspielerin Meret Becker erklärte: “Man denkt dann immer, dass es nicht stimmt, im ersten Moment.“ Für den deutschen Film sei der Tod eine schlimme Nachricht. “Es ist auf jeden Fall ein großer Verlust, in jeder Beziehung.“

Auch die unzähligen Fans Eichingers trauerten - was sich an Hunderten bedauernden Kommentaren im Netz erkennen ließ. “Ach, Mensch... Das schmerzt. Natürlich viel zu jung, und viel zu früh. Die Kraft wird dem dt. Film fehlen“, lautete ein Beitrag beim Kurznachrichtendienst Twitter, “The man who was German cinema is dead“ ein anderer.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte: “Mit dem Multitalent Bernd Eichinger verliert der deutsche und bayerische Film einen ganz Großen.“ Er habe es “wie kein Zweiter“ geschafft, “die Menschen in die Kinosäle zu bringen und mit seinen Filmen zu begeistern“.

Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth sagte, Eichinger hinterlasse “eine riesige Lücke“ in der deutschen Filmlandschaft. “Er war besessen von seiner Arbeit, hat immer groß gedacht und ist große Risiken eingegangen“. Seine Verdienste um das Filmland Deutschland könnten “gar nicht überschätzt werden“.

Auch die Verleihung des Medienpreises Diva in München stand am Dienstagabend unter dem Eindruck des plötzlichen Todes von Eichinger.

Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises

Mit dem Gang der Constantin Film an die Börse wurde Eichinger 1999 Vorstandsvorsitzender, diese Funktion übte er bis zum April 2001 aus. Von Anfang 2003 bis Mitte 2006 war er Vorsitzender des Aufsichtsrates der Constantin Film AG, zuletzt stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender.

Für seine Verdienste war Eichinger im vergangenen April mit dem Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises ausgezeichnet worden. Er habe “den deutschen Film geprägt wie kaum ein anderer“, hatten die Veranstalter betont. Zuletzt hatte er am Drehbuch für die Verfilmung der Geschichte des Entführungsopfers Natascha Kampusch gearbeitet.

dapd

Rubriklistenbild: © ap

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