"Ich habe eine Schamgrenze"

Boris Becker: Kein Enthüllungsbuch

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Boris Becker auf der Frankfurter Buchmesse

Frankfurt/Main - Boris Becker erweist sich bei der Vermarktung seines neuen Buches als gewiefter Taktierer. Was man auf der Frankfurter Buchmesse mal wieder gesehen hat.

Manchmal scheint Boris Becker der Welt entrückt. Auf der Frankfurter Buchmesse zückt er am Stand seines Verlags sein iPhone und dreht ein Facebook-Filmchen über die Schaulustigen und die Kamerateams. „Etwas Medienandrang bei #Herbig#FBM13#Frankfurt“, twittert der Buchautor und frühere Tennisstar dazu. Becker ist das zweite Promi-Highlight am Messe-Donnerstag - nach Daniela Katzenberger.

Er erobert die Halle 3.0 in einem schwarzen Nadelstreifenanzug mit weinrotem Einstecktuch und hochgegelten blondierten Haaren, nascht Kekse, Chips und Cola-Fläschchen. Tuschelthema ist aber die bedröppelt dreinschauende aktuelle Ehefrau Lilly, die blass in der Ecke hockt und sich unter ihrer Nerd-Brille Tränchen wegzuwischen scheint. Ein kleiner Zoff?

"Auch ich habe eine Schamgrenze"

Ach ja, „Bum-Bum-Boris“ und die Frauen. Dabei gibt Lilly in seiner zweiten Autobiografie „Das Leben ist kein Spiel“ (Herbig) noch ein rückenstärkendes Interview: „Wie mein Boris wirklich ist!“ Andere Frauen kommen in Beckers Werk ja bekanntlich nicht so gut weg - weder die erste Ehefrau und „XXL-Shopperin“ Barbara, noch Sandy/Alessandra: „Die Abende, an denen sie mal etwas gekocht hat, strich ich mir rot im Kalender an, so selten kam das vor.“

Becker will sein Buch aber keineswegs als Skandalbuch verstanden wissen. „Es ist weiß Gott kein Enthüllungsbuch. Glauben Sie mir, es sind vielleicht zehn Prozent an Details drin. Auch ich habe eine Schamgrenze, auch ich habe Sensibilität“, versichert er im Interview mit seinem Co-Autor, dem Society-Reporter und Kommunikationsberater Christian Schommers.

Kalkulierte Schlagzeilen

Manch Negativschlagzeile in „Bild“ und „Bunte“ über die Exen sei wohl einkalkuliert, bekennt das 45-jährige Multitalent Becker („ja, ich bin auch Journalist!“). „Ich bin seit 28 Jahren geübt in Sachen Medienpolitik. Ich weiß um die Technik, was man machen muss, um in die Schlagzeilen der diversen Magazine zu kommen“, sagt er. „Das Buch muss natürlich Qualität haben und inhaltlich muss alles stimmen, aber vor allem wollen wir Bücher verkaufen“, erklärt er freimütig. Im Publikum stehen die Leute auf den Stühlen. Handyfotos blinken im Sekundentakt.

Eine TV-Reporterin versucht ihn mit dem „Gala“-Titel mit „Besenkammer-Tochter“ Anna („Hallo Papa“) zu konfrontieren. Eine Frau sagt zur anderen: „Mensch, ich fand den mal gutaussehend.“ Die andere: „Das war vor zehn Jahren.“ Becker verbittet sich derweil Witze über seine Figur: „Ich habe eine neue Hüfte, ich habe ein neues Sprunggelenk. Dass man da zwangsläufig ein paar Kilos auf die Rippen bekommt, liegt in der Natur der Sache. Ich verstehe nicht, dass man sich darüber lustig macht“, ärgert er sich. „Ich bin in meinem Leben wahrscheinlich mehr gelaufen als alle Menschen hier zusammen.“

Bedürfnis Wahrheit darzulegen

Wieso musste nun unbedingt nach „Augenblick verweile noch“ (2003) noch eine zweite Autobiografie her? „Nachdem ich schon 12, 13 Jahre miterleben musste, wie Hinz und Kunz über meine Familie geurteilt haben - ja, uns teilweise verurteilt haben, und ich jahrelang meine Lippen geschlossen habe, war es mir ein Bedürfnis, meine Wahrheit darzulegen“, findet der „ewig 17-jährige Leimener“, wie er sich selbst ironisch nennt.

Und was taugt das Buch? Nun ja. Sein ältester Spross Noah wird darin ebenfalls interviewt („Mein Dad ist cool!“) und darf für seine Mode-Linie und seine DJ-CD werben. Und das Werk enthält manchen Altherrenwitz, etwa, wenn Becker im „Becker-Lexikon“ im Anhang schreibt: „Irgendeiner prägte die Wortmünze vom 'Samenraub in der Wäschekammer', und die Nation überlegte krampfhaft, wie das denn mit der Befruchtung rein technisch vor sich gegangen ist. Im Mai 2010 waren dann die ganzen Bedenken wie - pardon - weggeblasen.“

Ein gewisser Trash-Faktor ist dem Buch nicht abzusprechen. Von der Klasse einer Sportautobiografie wie „Open“ von Andre Agassi ist es meilenweit entfernt. Becker meint: „Glauben Sie mir, falls es einen zweiten Teil in fünf oder zehn Jahren geben wird, hätte ich noch genügend Sprengstoff.“ Es klingt wie eine Drohung.

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Boris Beckers Frauen - exotisch und erotisch

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So kennt man Boris Becker, den ersten Deutschen, der je Wimbledon gewann. Doch in den letzten Jahren machte Boris Becker vor allem als toller Hecht von sich reden. Über ein Dutzend Freundinnen und Affären stehen seit 2001 zu Buche. Wie viele es tatsächlich waren, weiß natürlich keiner. Ein Psychologe warnte 2007 im Gespräch mit "Neue Post": "Boris Beckers Sucht nach Frauen ist krankhaft". Sehen Sie hier eine Auswahl von Beckers Liebschaften der letzten Jahre. © dpa
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Nach ein paar Jugendlieben (u.a. Benedictine Courtain, Karen Schulz) fand Boris Becker in Barbara Feltus die Liebe seines Lebens - vermeintlich. © dpa
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Am 17. Dezember 1993 heirateten die beiden. © dpa
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In der Folge zeugten sie mit Noah Gabriel (geboren 1994) und Elias Balthasar (geboren 1999) zwei Kinder. © dpa
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Doch nach sieben Jahren ging die Ehe in die Brüche. Die Scheidung erfolgte am 15. Januar 2001. © dpa
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Trotz des Eherings am Finger war Boris Becker nicht der Treueste und vergnügte sich noch während seiner Ehe mit der Russin Angela Ermakowa in einer Wäschekammer. Neun Monate später bekam Ermakowa ein Kind. © dpa
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Becker stritt seine Vaterschaft ab. Es war von "Samenraub" die Rede und von einer "Besenkammer-Affäre" was monatelang für viel Spott sorgte - wie hier auf dem Kölner Karneval. © dpa
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Beckers One-Wäschekammer-Stand zog vor Gericht, um seine Vaterschaft zu beweisen - und bekam recht. © dpa
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Was schon mit bloßen Augen schon nicht vollkommen ausgeschlossen erscheint, wurde von einem DNA-Test bestätigt: Dieses Mädchen (hier ein neueres Foto von 2007) ist Boris Beckers leibliche Tochter. © dpa
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Nach der Scheidung von Barbara stürzte sich Becker in eine Affäre mit der wilden Rap-Sängerin Sabrina Setlur. © dpa
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Die Beziehung hielt rund drei Monate. © dpa
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In den Jahren danach ging es endgültig drunter und drüber: Boris machte den Becker-Hecht von Frau zu Frau. Mit Michelle Khneniss, Ex-Playmate Heydi Nunez Gomez (Foto) oder Zoe Appelyard wurden ihm kurze, sehr kurze oder außerordentlich kurze Affären nachgesagt. © dpa
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Auch mit Carolina Vera Squella soll Becker liiert gewesen sein. Sein Beuteschema blieb beständig: Becker hatte es auf rassige Frauen mit dunklem Teint abgesehen. © dpa
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Länger blieb er nur mit wenigen zusammen. Die Beziehung mit Patrice Farameh im Jahr 2002 hielt immerhin fast ein halbes Jahr. © dpa
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Mit ihr zeigte sich Becker gerne und oft öffentlich. © dpa
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Mit Caroline Rocher war Becker über zwei Jahre zusammen. © dpa
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Im Juli 2005 trennten sich die beiden. © dpa
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Seine letzte längere Beziehung: Mit Sharlely Kerssenberg schmückte sich Becker im Jahr 2007 mehrere Monate lang. © dpa
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Die Beziehung ging im November 2007 in die Brüche. "Verschiedene Lebensmodelle" sollen der Trennungsgrund gewesen sein. © dpa
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Mit Alessandra Meyer-Wölden schien er sich auf ein Lebensmodell einigen zu können. © dpa
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Die 24-Jährige ist die Tochter von Beckers verstorbenem Manager Axel Meyer-Wölden und war viele Jahre mit Tennis-Profi Thomas Haas liiert. © dpa
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Für Alessandra hatte er sogar sein Beuteschema geändert. © dpa
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Zwei Becker-Exen unter sich: Alessandra Meyer-Wölden (l.) und Barbara Feltus bei einem gemeinsamen Auftritt © dpa
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Auf der Wiesn 2008 zeigten sich Boris und Sandy noch mehrfach gemeinsam - und posierten Hand in Hand für die Fotografen, um ihr Glück zu zeigen. Doch knapp über einen Monat später war schon wieder alles vorbei. © dpa
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Am 4. November gab das Paar seine Trennung bekannt. © dpa
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Bereits wenige Tage zuvor war Becker auf dem Sportpresseball in Frankfurt alleine erschienen. Reporter, die nach seiner Verlobten fragten, bekamen als knappe Antwort: "Sandy ist krank und zu Hause geblieben". Danach ließ er sich von Lily Kerssenberg trösten. Man darf gespannt sein, wie sich das Liebesleben des Boris Becker weiterentwickelt. © dpa
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Ex-Tennisstar Boris Becker und seine Freundin Lilly Kerssenberg kommen bei der Fashion Week 2009 in Berlin zu einer Modenschau. Kerssenberg sieht in ihrer erneuten Liaison mit dem 41-Jährigen eine Fügung des Schicksals. "Wenn sich zwei Menschen wiederfinden, dann ist es etwas Besonderes, dann sollte es wohl so sein im Leben", sagte die 30-Jährige der "Berliner Morgenpost". © dpa
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Boris Becker und seine Freundin Lilly Kerssenberg sind am Samstag, 28. Februar 2009, in der ZDF-Fernsehsendung "Wetten, dass..?" in Düsseldorf zu Gast. © dpa
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Dort verkündet Becker auf der Wettcouch die gemeinsamen Hochzeitspläne, während Moderator Thomas Gottschalk neben ihnen sitzt. © dpa
Hochzeit war am 12. Juni in St. Moritz (siehe dazu auch die seperate Fotostrecke) © dpa

dpa

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