Von Kollegen leblos aufgefunden

Dirk Bach (†51) ist tot

Berlin - Dschungelcamp-Moderator Dirk Bach ist tot. Der 51-Jährige war am Montag in seiner Berliner Wohnung tot gefunden worden. Fans und Kollegen sind entsetzt.

Domian kämpft in seiner Sendung mit den Tränen

Die Nachricht ist ein Schock: Der Schauspieler und Moderator Dirk Bach ist tot. Der 51-Jährige wurde am Montag gegen 17 Uhr in einem Apartmenthaus in Berlin leblos von Theaterkollegen gefunden. Ein herbeigeeilter Notarzt konnte nicht mehr helfen. Die Ermittlungen zur Todesursache dauern an. Fremdverschulden sei aber nicht zu erkennen, sagte ein Polizeisprecher. Dirk Bach befand sich in den Endproben zu „Der kleine König Dezember“ in Dieter Hallervordens Berliner Schlosspark-Theater. Bach hatte die Titelrolle übernommen. Am Donnerstag und Freitag waren eigentlich Voraufführungen der Bühnenfassung dieses modernen Märchens geplant. Premiere sollte am Samstag sein.

Dirk Bach - Fotos aus dem Leben des Paradiesvogels

Dirk Bach verstarb völlig überraschend am 1. Oktober 2012 in Berlin. © dpa
Wir zeigen Ihnen einige Bilder aus dem Leben des Paradiesvogels. © dapd
Dirk Bach wurde am 23. April 1961 in Köln geboren. © dpa
Der Höhepunkt seiner Karriere: Zusammen mit Sonja Zietlow moderierte er von 2004 bis 2011 insgesamt sechs Staffeln des Dschungelcamps "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus". © RTL/Ruprecht Stempell/dpa
Er war als Moderator, Schauspieler und Synchronsprecher erfolgreich. © dapd
Seinen Durchbruch im Fernsehen schaffte er 1992 mit der Dirk Bach Show auf RTL. © dpa
Auch in der Sat.1-Show "Schillerstraße" stellte er sein komödiantisches Talent regelmäßig zur Schau und brachte seine Fans zum Lachen. © dapd
Die TV-Sendung Lukas brachte ihm 1996 den Telestar, 1999 den Deutschen Comedypreis und 2001 die Goldene Kamera. © dapd
Privat engagierte sich der bekennende Schwule für die Gleichberechtigung von Homosexuellen. © dapd
1999 gab er seinem langjährigen Lebensgefährten das Eheversprechen. Heiraten wollte er, sobald die homosexuelle Ehe der heterosexuellen gleichgestellt  ist. © dpa
Außerdem war er als bekennender Tierschützer bekannt und unterstützte die Organisation PETA. © dapd
2008 wurde er mit dem Reminders Day Award für sein Engagement im Kampf gegen HIV und AIDS ausgezeichnet. © dpa

In „Der kleine König Dezember“ erzählt Axel Hacke, dass die Kindheit am Ende des Lebens liegt. Insofern war Dirk Bach die Idealbesetzung: Nonsens, Quatsch und Blödsinn, wie man sie eigentlich nur von Kindern kennt (und oft nur bei Kindern toleriert), machten sein Berufsleben aus. Bach war der Fernsehkomiker, der sich vielleicht am wildesten austoben durfte in diesem Medium. In seinen letzten acht Jahren, als er zusammen mit Sonja Zietlow das RTL-„Dschungelcamp“ moderierte, schien es oft, als lebe er seine Flegeljahre auf der Mattscheibe aus: Pubertär, derb und böse waren da seine Scherze über die D-, E- und F-Promis, die vor den Augen TV-Deutschlands in den australischen Busch zogen. Die Zuschauer liebten ihn dafür – und die Kandidaten konnten ihm nicht böse sein. Denn Dirk Bach bot sich auch selbst als Zielscheibe des Spotts an: Schwergewichtig und kugelrund moderierte er das „Dschungelcamp“ in Kostümierungen, die mit „schrill“ nur unzutreffend beschrieben sind. Er war der Hofnarr des deutschen Fernsehens – und jeder sollte es sehen. Die Tatsache, dass er beinahe so breit wie hoch war, wurde dabei nicht nur von Sonja Zietlow zum Thema gemacht.

Dass er mehr beherrschte als Selbstironie und Dampfhammerhumor, hatte Bach bereits bewiesen, bevor er die Moderation des „Dschungelcamps“ übernahm: etwa in „Lukas“. In den Jahren von 1996 bis 2001 drehte das ZDF diese feinsinnige, wortwitzige und skurrile Serie, in der Bach einen früh verwitweten Vater spielt, der mit Tochter und dem eigenen Papa in einem Drei-Generationen-Haushalt lebt. Es war eine jener Produktionen, die nie so viele Zuschauer fand, wie sie verdient gehabt hätte. „Lukas“ wurde vor Publikum aufgezeichnet – und Bach, der 1961 in Köln geboren wurde, kam über das Theater zum Fernsehen.

Dirk Bach - zwischen Dschungel und Sesamstraße

Dirk Bach hat als schriller Comedian ebenso Erfolge gefeiert wie als ernster Schauspieler. Stationen seiner Karriere: © dpa
1984: Als Showmaster Willi Wunder spielt er neben Barbara Valentin und Billie Zöckler in der Kino-Komödie „Im Himmel ist die Hölle los“. © dpa
1984-1986: Den Durchbruch als Schauspieler bringt seine Rolle in Wilhelmine von Hillerns „Geierwally“ im Kölner „Theater in der Filmdose“. Mit Gastspielen in ganz Deutschland gibt es mehr als 300 Vorstellungen. © dpa
1988: Als Puck in Benjamin Brittens „Sommernachtstraum“ steht Bach auf der Bühne der Kölner Oper. © dpa
1989-1992: Bach tritt mit seinem Soloprogramm „Edgar“ auf zahlreichen Kleinkunstbühnen der Bundesrepublik auf. © dpa
1992: Er wird festes Ensemble-Mitglied im Kölner Schauspielhaus; er spielt unter anderem in „Die Räuber“ von Friedrich von Schiller, „Bauerntheater“ von Franz-Xaver Kroetz oder „Was ihr wollt“ von William Shakespeare. © dapd
1992-1994: RTL erreicht mit 26 Folgen der „Dirk-Bach-Show“ ein Millionenpublikum. © dapd
1995-2001: Die Comedy-Serie „Lucas“ mit Bach in der Titelrolle eines kauzigen Schauspielers läuft erfolgreich im ZDF. © dpa
2000-2007: Dirk Bach hat zahlreiche Auftritte in der „Sesamstraße“. © dpa
2001-2003: In der Fernsehserie „Der kleine Mönch“ löst er als pfiffiger Klosterbruder für das ZDF zahlreiche Kriminalfälle. © ZDF/Max Kohr
2003: Der Kurzfilm „Karlchens Parade“ mit Bach als Titelheld wird unter anderem auf der Berlinale gezeigt. © dpa
2004: Dirk Bach und Sonja Zietlow moderieren die erste von sechs Staffeln der RTL-Dschungel-Show „Ich bin ein Star - holt mich hier raus“. © dapd
2005: Sat.1 sendet Max Kruses „Urmel aus dem Eis“ als Fernsehfilm mit Dirk Bach (Urmel) an der Seite von Ralf Schmitz, Mirja Boes, Barbara Schöneberger und Heinz Hoenig. © dpa
2006: Bach liest „Die Mumins - eine drollige Gesellschaft“ von Tove Jansson und „Die dreizehneinhalb Leben des Käpt'n Blaubär“ von Walter Moers als Hörbücher. © dpa
2010: Die Hörbücher von Max Kruses „Eine Schultüte von Geschichten“ erscheinen mit Dirk Bach als Sprecher. © dpa
2011: Die Premiere des Musicals „Kein Pardon“ von Hape Kerkeling mit Dirk Bach als Showmaster Heinz Wäscher wird in Düsseldorf gefeiert. © dpa

Wobei er nie eine Schauspielschule besucht hatte: Bühnenerfahrung sammelte er bei Studentengruppen und in der Off-Szene. So lernte Bach die Welt kennen – und verstand, wie Humor funktioniert, worüber Menschen lachen. Am Kölner Schauspielhaus, wo er Ende der Siebzigerjahre sein erstes Engagement erhielt, gehörte er von 1992 an zum Ensemble. Damals wurde er auch durch die „Dirk-Bach-Show“ (RTL) dem TV-Publikum bekannt. Doch der Erfolg im Fernsehen ließ Bach nie seine Liebe zum Theater vergessen. Er stand immer wieder auf Bühnen in ganz Deutschland.

Seine Popularität nutzte Bach, der kein Geheimnis um seine Homosexualität machte, auch, um sich gesellschaftlich zu engagieren – für Menschenrechte, Tierschutz, die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben oder gegen Aids. Die quietschbunte Quatschkugel der Fernsehunterhaltung bezog Stellung: ernsthaft und entschieden.

„Dirk Bach ist gleich zurück...“ stand noch Montagnacht auf seiner Internetseite. Wenn es doch nur so wäre.

Michael Schleicher 

Die Todesursache steht offenbar fest

Freunde und Kollegen reagieren mit Bestürzung auf den Tod des Entertainers und Schauspielers: Lesen Sie hier weiter!

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