"Dirk hatte sogar ein bisschen abgespeckt"

Domian und Kollegen in tiefer Trauer

+
Domian kämpfte in seiner Sendung mit den Tränen.

Berlin - Deutschlands Fernseh-Welt ist noch immer schockiert vom überraschenden Tod des Komikers Dirk Bach. In der Nacht auf Dienstag verabschiedete sich "Domian" in seiner Sendung live mit bewegenden Worten.

Der plötzliche Tod von Entertainer Dirk Bach versetzt Prominente und Fans in Schock. „Wir sind alle völlig ratlos, weil wir uns darauf keinen Reim machen können“, sagte Radiomoderator Jürgen Domian in der Nacht zu Dienstag in seiner Sendung im WDR-Sender Einslive. „Dirk ging es gut, Dirk hatte einen Urlaub hinter sich, er hatte sogar ein bisschen abgespeckt“, sagte der langjährige Weggefährte.

Der 51 Jahre alte Bach war am Montagnachmittag leblos in Berlin aufgefunden worden. Der RTL-Dschungelcamp-Moderator lag nach Angaben der Polizei tot in einem Appartementhaus in Lichterfelde. Weil Bach nicht zu einem vereinbarten Termin auftauchte, hatte sich der Regisseur des Schlosspark-Theaters auf die Suche gemacht. Dort sollte Bach ab Samstag (6. Oktober) in der Hauptrolle als „Kleiner König Dezember“ auf der Bühne stehen. Bereits am Donnerstag sollte er bei einer Voraufführung zu sehen sein. Die Nachricht vom Tode Bachs habe alle „total überrascht“, sagte Schlosspark-Theater-Sprecher Harald Lachnit der Nachrichtenagentur dapd.

Dirk Bach - zwischen Dschungel und Sesamstraße

Dirk Bach hat als schriller Comedian ebenso Erfolge gefeiert wie als ernster Schauspieler. Stationen seiner Karriere: © dpa
1984: Als Showmaster Willi Wunder spielt er neben Barbara Valentin und Billie Zöckler in der Kino-Komödie „Im Himmel ist die Hölle los“. © dpa
1984-1986: Den Durchbruch als Schauspieler bringt seine Rolle in Wilhelmine von Hillerns „Geierwally“ im Kölner „Theater in der Filmdose“. Mit Gastspielen in ganz Deutschland gibt es mehr als 300 Vorstellungen. © dpa
1988: Als Puck in Benjamin Brittens „Sommernachtstraum“ steht Bach auf der Bühne der Kölner Oper. © dpa
1989-1992: Bach tritt mit seinem Soloprogramm „Edgar“ auf zahlreichen Kleinkunstbühnen der Bundesrepublik auf. © dpa
1992: Er wird festes Ensemble-Mitglied im Kölner Schauspielhaus; er spielt unter anderem in „Die Räuber“ von Friedrich von Schiller, „Bauerntheater“ von Franz-Xaver Kroetz oder „Was ihr wollt“ von William Shakespeare. © dapd
1992-1994: RTL erreicht mit 26 Folgen der „Dirk-Bach-Show“ ein Millionenpublikum. © dapd
1995-2001: Die Comedy-Serie „Lucas“ mit Bach in der Titelrolle eines kauzigen Schauspielers läuft erfolgreich im ZDF. © dpa
2000-2007: Dirk Bach hat zahlreiche Auftritte in der „Sesamstraße“. © dpa
2001-2003: In der Fernsehserie „Der kleine Mönch“ löst er als pfiffiger Klosterbruder für das ZDF zahlreiche Kriminalfälle. © ZDF/Max Kohr
2003: Der Kurzfilm „Karlchens Parade“ mit Bach als Titelheld wird unter anderem auf der Berlinale gezeigt. © dpa
2004: Dirk Bach und Sonja Zietlow moderieren die erste von sechs Staffeln der RTL-Dschungel-Show „Ich bin ein Star - holt mich hier raus“. © dapd
2005: Sat.1 sendet Max Kruses „Urmel aus dem Eis“ als Fernsehfilm mit Dirk Bach (Urmel) an der Seite von Ralf Schmitz, Mirja Boes, Barbara Schöneberger und Heinz Hoenig. © dpa
2006: Bach liest „Die Mumins - eine drollige Gesellschaft“ von Tove Jansson und „Die dreizehneinhalb Leben des Käpt'n Blaubär“ von Walter Moers als Hörbücher. © dpa
2010: Die Hörbücher von Max Kruses „Eine Schultüte von Geschichten“ erscheinen mit Dirk Bach als Sprecher. © dpa
2011: Die Premiere des Musicals „Kein Pardon“ von Hape Kerkeling mit Dirk Bach als Showmaster Heinz Wäscher wird in Düsseldorf gefeiert. © dpa

Die Todesursache ist noch unklar. Wie die „Bild“-Zeitung berichtete, war ein Notarzt am Nachmittag zu dem Haus geeilt. Alle Versuche, Bach zu reanimieren, seien jedoch gescheitert. Ein Fremdverschulden sei für die Beamten vor Ort aber nicht zu erkennen gewesen, sagte ein Polizeisprecher.

Die Zeitung berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, dass keine Hinweise auf Alkohol- oder Drogenmissbrauch vorlägen. Ohne Angaben von Quellen verwies sie auf Herz- und Bluthochdruckprobleme, unter denen der Schauspieler seit Längerem leiden soll. Auch Bachs Kollege Ross Antony berichtete in einem Interview davon. „Er hatte mit mir immer mal wieder über seine Herzbeschwerden gesprochen“, sagte der frühere Dschungelcamp-Gewinner der Online-Ausgabe des „Kölner Express“. „Deswegen war er wohl auch öfter im Krankenhaus.“

Kollegen zeigen sich tief betroffen

Domian hingegen rätselte über die Ursache des unerwarteten Todes. „Er hatte sich gut erholt und ist ärztlich noch einmal durchgecheckt worden. Wir wissen nicht, was passiert ist und wir können uns das nicht erklären.“

In einer Mitteilung des Schlosspark-Theaters, dessen Intendant der Komiker Dieter Hallervorden ist, hieß es: „Wir haben Dirk Bach als lebenslustigen und sehr liebenswerten Kollegen kennengelernt, umso mehr schmerzt der Verlust“.

Auch weitere Kollegen äußerten sich bestürzt über den Tod des Entertainers. „Wir sind schockiert, bestürzt und fassungslos. Wir trauern und sind in Gedanken bei denen, die er hinterlässt“, sagte der RTL-Bereichsleiter Comedy, Markus Küttner, der mit Bach jahrelang beim „Dschungelcamp“ zusammengearbeitet hat, der dapd.

Dirk Bach - Fotos aus dem Leben des Paradiesvogels

Dirk Bach verstarb völlig überraschend am 1. Oktober 2012 in Berlin. © dpa
Wir zeigen Ihnen einige Bilder aus dem Leben des Paradiesvogels. © dapd
Dirk Bach wurde am 23. April 1961 in Köln geboren. © dpa
Der Höhepunkt seiner Karriere: Zusammen mit Sonja Zietlow moderierte er von 2004 bis 2011 insgesamt sechs Staffeln des Dschungelcamps "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus". © RTL/Ruprecht Stempell/dpa
Er war als Moderator, Schauspieler und Synchronsprecher erfolgreich. © dapd
Seinen Durchbruch im Fernsehen schaffte er 1992 mit der Dirk Bach Show auf RTL. © dpa
Auch in der Sat.1-Show "Schillerstraße" stellte er sein komödiantisches Talent regelmäßig zur Schau und brachte seine Fans zum Lachen. © dapd
Die TV-Sendung Lukas brachte ihm 1996 den Telestar, 1999 den Deutschen Comedypreis und 2001 die Goldene Kamera. © dapd
Privat engagierte sich der bekennende Schwule für die Gleichberechtigung von Homosexuellen. © dapd
1999 gab er seinem langjährigen Lebensgefährten das Eheversprechen. Heiraten wollte er, sobald die homosexuelle Ehe der heterosexuellen gleichgestellt  ist. © dpa
Außerdem war er als bekennender Tierschützer bekannt und unterstützte die Organisation PETA. © dapd
2008 wurde er mit dem Reminders Day Award für sein Engagement im Kampf gegen HIV und AIDS ausgezeichnet. © dpa

Auch beim Kurznachrichtendienst Twitter machte die Nachricht vom Tod des 51-Jährigen schnell die Runde. Comedian Oliver Pocher schrieb: „Dirk Bach ist tot! Mein herzliches Beileid...“ und fügte hinzu: „Dirk, Du warst das Dschungelcamp! Selbst als Parodie hast Du Spass gemacht.“ Auch Moderator Frank Elstner kondolierte: „So nah liegen Spaß und Tragik beieinander. Gerade noch über Fallschirmsprung gefreut - jetzt Nachricht über Tod von Dirk Bach. Furchtbar!“

Am Dienstagabend sollte Bach Medienberichten zufolge bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises in Köln gedacht werden. In welcher Form, blieb zunächst unklar. „Es wird ein Thema werden“, sagte eine Sprecherin des Fernsehpreises der dapd.

Im sozialen Internet-Netzwerk Facebook bildeten sich mehrere Gruppen, um sich des Komödianten zu erinnern. In einer von ihnen fanden sich bis zum Dienstagmorgen knapp 2.000 Menschen zusammen.

Theaterschauspieler und TV-Ikone

Das 1961 in Köln geborene Multitalent mit dem markanten Doppelkinn und der rundlichen Figur hatte seine Karriere am Theater begonnen. In der schrägen Volkstheater-Travestie „Geierwally“ stand er seit 1984 mehr als 300 Mal auf der Bühne. Sein Improvisationstalent entwickelte Bach in den folgenden Jahren beim Tingeln durch die Freie- und Off-Theaterszene. Nach etlichen kleineren Fernsehrollen wurde Bach 1992 mit der „Dirk Bach Show“ auf RTL bundesweit bekannt.

Der endgültige Aufstieg zur TV-Ikone gelang ihm mit der RTL-Show „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“. Seit 2004 lästerte er sich an der Seite von Moderatorin Sonja Zietlow durch das „Dschungelcamp“.

dapd

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.