Übertrieben, hysterisch, tollpatschig 

Dschungelcamp: Ist Larissas unfassbare Show nur ein Fake?

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Fühlt sich unverstanden: Larissa Marolt.

Was ist echt, was ist gespielt, kurz: Was ist Wahrheit? Das ist so etwas wie das philosophische Grundproblem im Dschungelcamp, interessanter als all die hundertmal gesehenen Mehlwürmer-, Ratten- und Kängurupenisprüfungen. Sonntagabend gab’s wieder reichlich Anschauungsmaterial.

Die Frage aller Fragen in der aktuellen, der achten Staffel von „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“: Ist Larissas unfassbare Show ein Fake?

Man kann das alles überhaupt nicht glauben: Wie die 21-jährige Larissa Marolt, „Germany’s Next Topmodel“-Teilnehmerin aus Klagenfurt (und österreichisches „Topmodel“), hysterisch mit einem Feuerschürhaken und Parfüm versuchte, Spinnen zu töten (vor allem: mit dem Parfüm von Michael Wendler!), wie sie übertreibt („niemand hätte mehr Sterne geholt als ich“, „ich hätte mir fast das Genick gebrochen“), wie sie sich immer wieder zurückzieht, aggressiv um sich schlägt, um sich dann wieder über mangelnden Zuspruch zu beklagen: kindisch, selbstsüchtig, aufbrausend.

Als sie den 68-jährigen Winfried Glatzeder nach ihrer mit vier Sternen absolvierten Prüfung auslachte („ich stell mir Dich bei dieser Übung vor“), war das so hässlich, dass es einen grausen konnte. „Ich bin so ein netter Mensch. Lasst doch mal die anderen in die Scheiße fallen.“ Das ist Larissa-Logik. Kann man das schauspielern? Möchte man das? Wer sollte sich denn freiwillig in so ein schlechtes Licht stellen?

Die ungleich geerdetere Melanie, ihres Zeichens „Bachelor“-Kandidatin, aber offenbar mit gesundem Menschenverstand ausgestattet, vermutete, Larissa sei „bei ’ner zu krassen Fete hängengeblieben“. So kann man sich das vorstellen.

Natürlich soll Larissa, die „hysterischste Dschungel-Blondine seit Klaus Kinski“, wie die Moderatoren über die „Fitzcarralda“ lästerten, heute wieder in die Prüfung - schließlich appelliert das Konzept an die Häme und Gehässigkeit des Publikums.

Noch nie war das Camp vermutlich so nah an körperlicher Gewalt. „Es nimmt Dimensionen an, wo es nicht mehr lustig ist“, finden die Bewohner. Für die Zuschauer schon. 7,27 Millionen Zuschauer (Marktanteil 26,7 Prozent) schalteten Sonntagabend ein, bei den 14- bis 59-Jährigen sah jeder Dritte RTL.

Nach Larissa kommt lange, lange, sehr lange nichts, und dann kommt die Frage: Wie ist „der Wendler“ wirklich? „Wenn ich nicht der Wendler wär, würd ich mir selbst hinterherfahren“, so war er auf „Spiegel TV“ zu vernehmen, quasi als Fan seiner selbst. Nun schrumpft er auf Normalmaß. Es sei das Albernste, zu versuchen, im Camp zu zeigen, „wie man wirklich ist“, sagte Ex-„Ruck Zuck“-Moderator Jochen Bendel, es sei besser, sein Image durchzuziehen, „besser als kleine Brötchen backen und nach hinten rudern“. Aber der Versuch muss schief gehen, und natürlich ist es Melanie, die das spürt: „Der kocht ooch bloß mit Wasser und scheißt ins selbe Loch.“

Dann gab es wieder die üblichen Bekenntnisse, diesmal: Corinna Drews redet über ihre Trennung von Jürgen, dem König von Mallorca, deshalb habe der gemeinsame Sohn „total den Knick weg“. Das weiß nun ganz Deutschland, der Junior wird sich bedanken.

Viel spannender ist das Camp als Spiegelbild gesellschaftlicher Zustände. Es ist schon bezeichnend, wie Melanie, die mit 25 Jahren genauso alt ist wie der Mauerfall, die Ehre der Ostdeutschen verteidigen zu müssen meinte und sich als „typisches Ossikind“ bezeichnete, mit einem Sandmännchen-Tattoo und dem Gruß „Schöne Grüße aus dem Osten“ auf dem Po. Auch ein reiches Reservoir an Schimpfworten offenbart die Leipzigerin, die ihr Geld zurzeit mit dem Online-Versand von „Trucker-Muschis“ verdient: „Pissvogel“, „Pissbirne“ zählten diesmal zu den Höhepunkten.

So wie die Kommentare von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich. Dass zur Prüfung mit dem Titel „Fahr zur Hölle“ wieder Larissa antreten müsse, sei so schon korrekt ausgezählt: „Wir sind ja schließlich nicht beim ADAC.“

Von Mark-Christian von Busse

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