So mies ist RTL

Dschungelcamp: Das Tier im Kandidaten

Wie mies RTL ist, das erlebten Montag ausnahmsweise nicht nur die Dschungelcamp-Insassen, sondern auch die Zuschauer. Eine Stunde lang tat das Moderatorenduo Sonja Zietlow und Daniel Hartwich so, als könne man durch Anrufe, so wie in der zweiten Show-Woche jeden Tag, einen Kandidaten rauswerfen.

Auch die ums Lagerfeuer gescharten Z-Promis wurden bei der rituellen „Verkündung“ in diesem Glauben gelassen. Allein, es müssen oder dürfen alle bleiben. RTL hat trotzdem kräftig mit den Anrufen abkassiert. Angeblich werden die Stimmen schon für heute gezählt. Dann aber bietet sich womöglich im Camp ein gänzlich anderes Bild. Dieses Abstimmungsgebaren ähnelt schon dem aufgepimptem Publikums-Votum des ADAC, über den sich die Moderatoren immerzu lustig machen. Die Zuschauer jedenfalls durften sich verhohnepiepelt fühlen. So wie Tanja Schumann, der man das Leiden, die Gage in der kameraüberwachten, mit Mikros abgehörten grünen Hölle absitzen zu müssen, immer deutlicher ansieht.

Der wahre Gelbe Engel im Dschungel bleibt Larissa, auch wenn es heftige Rückfälle in die anfängliche Nervensäge-Phase gab, in der die 21-jährige Österreicherin so sensationell verpeilt und vertrottelt gewirkt hatte. Diesmal quengelte sie so kleinkindlich vor der Risottopfanne und kippte sie heißes Wasser so unbedacht aus, dass Ex-Moderator Jochen Bendel und Schauspieler Winfried Glatzeder („die hat ’ne Meise“, „der Fall ist hoffnungslos“) sich wahlweise als strenge Erziehungsberechtigte aufspielten oder gleich total ausrasteten. Kann man ja verstehen. War trotzdem unschön.

„Wenn Larissa meine Tochter wäre“, fasste Jochen seine Eindrücke zusammen, dann - laaaange Pause - „würd ich sie verkaufen“. Sie habe „keine Kinderstube“, überschätze sich, nöle bloß rum, sei auf dem Stand einer Fünfjährigen. Später fuhr er sie an: „Du bist so’n Tollpatsch, du verwüstet alles. Du bist total unreif.“ Sein Tipp: Sie solle sich einfach hinhocken und nichts tun. Aber wenn Larissa eines wohl nicht kann, dann das.

„Das Tier kommt aus den Menschen raus“, so empfindet das das angegriffene „Topmodel“, das ihre Mitcamper als „Spione“ sieht, die nur auf Fehler warten: „Ich bin kein Trottel“, beteuert sie - die für den Zuschauer effektvoll zusammengeschnittenen Stolper- und hysterischen Suchszenen erzählen etwas Anderes.

Als Jochen Bendel mit der kompletten Sternesammlung aus dem Kakerlakengrab auferstanden war („die meisten Kakerlaken ever, ever, ever“, nämlich 40.000), war aber alles wieder Friede Freude Eierkuchen. Und Larissa dürfte weiter Sympathien gewinnen - weil sie am authentischsten wirkt, sich am wenigsten taktisch zu präsentieren scheint.

Anders als Mola Adebisi. Der Ex-Viva-Anchorman, der bald auf RTL Nitro moderieren soll, will angeblich eine Eigentumswohnung in Australien verdient haben. Ihm rutschte raus: „Es geht ja nur um meine Meinung“, was vermutlich ehrlicher und zutreffender war als sein Eindruck „Ich gehe hier erhobenen Hauptes raus“.

Zum Schluss noch ein Tipp an RTL, wie sich anständiger als mit gefakten Abstimmungen Geld verdienen lässt: Wann gibt es endlich die „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus“-CD? Allabendlich macht die geschickte Musikauswahl sehr viel Spaß. Da sind, wie bei den Gagschreibern der Moderatoren, den Cuttern und Trailer-Entwerfern, Könner am Werk. Und wenigstens dieses liebevoll gemixte Best of an Indierock- und Pop-Melodien verrät viel Geschmack. Da kann man 40.000 Kakerlaken und krakeelende Kandidaten schon mal in Kauf nehmen.

Von Mark-Christian von Busse

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