Zwölfte Staffel „Deutschland sucht den Superstar"

Zwölfte Staffel DSDS: Je bizarrer, desto besser

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Dieter Bohlens Favorit: Der Spanier Jesus Garcia Gallera als Meerjungfrau.

„Deutschland sucht den Superstar" ist in die zwölfte Staffel gestartet. Neu in der Jury: DJ Antoine, Mandy Capristo und Heino. Mark-Christian von Busse über den DSDS-Start.

Ums Singen geht es hier zuletzt. Aber das ist in der zwölften Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ nun wirklich keine Überraschung mehr. Auch dass es bei RTL immer „noch krasser“ sein muss, erstaunt nicht.

Die Neuerungen also: Jetzt wird das Vorsingen, das allzu oft eher Gejaule und Gejammere ist, in den „brandneuen DSDS-Warteraum“ übertragen, der aussieht wie eine x-beliebige Show-Sofalandschaft, wohingegen der Raum für Jury und Delinquenten ambitioniert aussieht wie von Stararchitektin Zaha Hadid gestaltet - die Reaktionen draußen schüren Emotionen, geben schöne Bilder vom Bangen der Mütter und der gehässigen Häme der Mitkandidaten („aufgeführt wie’n Hauptschulklässler“).

Die Altersgrenze wurde von 30 auf 40 erhöht. So konnte etwa die von ihren Fünftklässlern angemeldete Lehrerin Verena in einem - zugegeben - unmöglichen Kleid vorgeführt werden, Dieter Bohlen ging so richtig aus sich raus: „Volle Kanne blamiert, richtig scheiße, klingt wie eine Ziege. Das hatte etwas Irres, Spukschloss im Spessart“.

Statt der Motto-Liveshows gibt es künftig Auftritte „on tour“, zuerst in Ischgl, und in der Jury sitzt neben den blassen DJ Antoine und Mandy Capristo (Ex-Monrose) nun Wiedergänger Heino - lauter Versuche, den Quoten-Absturz der letzten Staffeln zu stoppen. Wobei Heino meist seine Emotionen hinter seiner Sonnenbrille verbarg, die unwillkürlich zuckenden Mundwinkel waren nicht zu deuten. Nur eine echt komische Szene gab es, als ein junger Student der Medizintechnik erzählte, er lerne Prothesen zu fertigen, „so wie Heino sie seiner Mutter geschenkt hat“. Gemeint war Gattin Hannelore, die sich mit ihrem Heino per Schnalzen so ähnlich wie Spechte verständigt, wie man lernte. Das wirklich Unglaubliche - und Beängstigende - ist, dass immer noch Tausende Kandidaten der durchsichtigen Dramaturgie der Casting-Show auf den Leim gehen: Es gibt immer nur Extreme, eben entweder potentieller Superstar (das klingt dann „ultrahypersuperpremiumgeil“) oder Totalversager. Das Kandidaten-Kuriositätenkabinett, je bizarrer, desto besser, wird in seiner unrealistischen Selbsteinschätzung gezeigt, um es dann vor Publikum aufs Übelste niederzumachen. So ging es dem Hongkong-Chinesen David (25), dessen Glückskeks-Narretei ebenso ausgiebig präsentiert wurde wie sein übersteigertes Selbstbewusstsein, nur um von Sprücheklopper Bohlen den Rat zu erhalten, besser „Unterwäschemodel im Radio“ zu werden.

So ging es Joana, die eigentlich Sebastian heißt, 18 ist und laut RTL mal aus Essen, mal aus Gelsenkirchen kommt. Er bzw. sie will Superstar werden, „weil ich das Gesamtpaket mitbringe“. Die Jury ließ sofort die Luft raus aus dem Gesamtpaket, Bohlen riet, lieber eine CD zu kaufen und abzuspielen: „Das ist kein Auftritt, das ist ein Arschtritt.“

So ging es der angehenden Konditorin Steffi, die sich erst als „attraktiv und erfolgreich“ einstufen durfte, um dann erläutert zu bekommen, mit Helene Fischer teile sie „zwei Ohren und zwei Augen, nur den Gesang nicht“. Den Kuchen mit Heinos Konterfei, den die Baden-Württembergerin dem Schwarze-Barbara-Barden rührend gebacken hatte (Bohlen: „Du siehst aus wie ein Monster“), bezeichnete dieser kurz darauf als „die ganze Scheiße“. Ein rarer Moment, in dem die Maske des Volkslied-Zombies fiel. „Nicht jeder Bäcker wird ein Sänger“ war allerdings ein großes, wahres Wort.

Warum aber diese Gier, ins Fernsehen zu kommen, „für jeden Preis“, wie es Mustafa, 22, Verkäufer in der Textilbranche, so schön formulierte? Er spielte den Super-Checker-Entertainer und bezirzte Bohlen: „Ich liebe Dich, ich schwör’s.“

Wenn sich junge Leute der Abkanzel-Routine nicht beugen wie das aus dem Kosovo stammende Blondinen-Duo Xhenet und Teresa aus Nordhausen, die sich nach eher unsouveränen Tanzversuchen zum „Boom-raka-tak“ weiteren Demütigungen verweigerten („ich will nicht vor Kameras diskutieren“), dann konstruiert RTL, freundlich assistiert von der „Bild“-Zeitung, gleich eine Riesenmegazickenaffäre, die bei Lichte besehen zu ein paar mit Piep-Tönen versehenen unfreundlichen und bösen Worten schrumpft. Hauptsache irgendwelche Schlagzeilen.

Bloß Bohlen darf alles sagen, „kacke“ und „absolute Scheiße“ und „du kannst gar nicht singen“ und „du bist absolut unmusikalisch“. „Gnade!“ ruft er und „Ruhe jetzt“! Vor allem diese selbstverliebte Rotzigkeit ist unerträglich.

Die Gewinnspielfrage lautete übrigens, ob viele Sänger eher Lampenfieber oder Höhenangst haben. Man könnte fast Letzteres denken, weil Dieter Bohlen doch die höhen Töne mag. „So oft könnte ich dir gar nicht in die Eier treten, dass du da hoch kommst“, wandte er sich einmal an Heino. Experten unter sich. Auch die spanische Meerjungfrau namens Jesus, die Bohlen in einem Club auf Ibiza entdeckt hatte und die als Gipfel des - sagen wir: ungewöhnlichen - Geschmacks ganz zum Schluss auftrat, oder besser: rutschte, wimmerte stimmlich auf eher im Wortsinne hohem Niveau. Danach verebbte die Sendung quasi ohne Abspann. Samstags werden dann die nächsten Möchtegern-Superstars der Lächerlichkeit preisgegeben, man sah sie schon warten in der tollen neuen Lounge.

„DSDS“ bleibt eine unwürdige Veranstaltung.

Alle Infos zu „Deutschland sucht den Superstar“ im Special bei RTL.de

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