Mehrzad und Menowin: So stehen ihre Chancen

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Mehrzad (l.) und Menwoin stehen im DSDS-Finale.

Köln - Am Samstag findet das große Finale bei DSDS statt. Musikproduzent Thomas M. Stein erklärt die Stärken und Schwächen der beiden Finalisten Menowin und Mehrzad.

Auf der einen Seite: Mehrzad Marashi (29), ein Hamburger mit persischen Wurzeln, Klavier- und Gesangsschüler, Hobbykoch und seit Kurzem Vater eines ­Buben. Auf der anderen Seite: Menowin Fröhlich (22) – ein ehemaliger Knasti aus Ingolstadt, der drei Kinder mit seiner Cousine hat, gerne Partys feiert und auch mal schlägert. Seit Freitag gibt es erneuten Wirbel um ihn: Auch noch mit Kokain soll Menowin gehandelt haben, weshalb jetzt laut Express die Polizei ermittelt! Unterschiedlicher könnten die Kandidaten wohl nicht sein, die beiden Finalisten von Deutschland sucht den Superstar.

RTL will sich von den neuen Entwicklungen nicht beirren lassen: „Solange wir nichts Genaues wissen, gilt für uns erst einmal die Unschuldsvermutung“, sagte eine Sprecherin. Das Finale am Samstag soll wie vorgesehen stattfinden und die Zuschauer darüber entscheiden, wer der siebte RTL-Superstar wird. Hier erklärt der Musikproduzent und ehemalige DSDS-Juror, Thomas M. Stein, welche Karrierechancen er den beiden Finalisten für den Fall ihres Sieges einräumt.

Alle DSDS-Sieger: Das ist aus ihnen geworden

Alexander Klaws (26) war der Sieger der ersten Staffel 2003. Heute steht er der Casting-Show kritisch gegenüber: "Damals hatte ich wirklich das Gefühl, dass es um Musik geht, jetzt wird immer stärker auf Entertainment gesetzt. Ich finde es bedenklich, wie die Leute durch den Kakao gezogen werden". Klaws war seit 2008 in der SAT.1-Telenovela "Anna und die Liebe" zu sehen. Ende März 2010 kehrte er dem TV den Rücken - und steht ab Juni in Hamburg auf der Bühne: In Phil Collins Musical "Tarzan" schwingt er sich als Tarzan im Lendenschurz von Liane zu Liane. © dpa
Daniel Küblböck wurde bei der ersten Staffel nur Dritter. Er lebt in Wiesbaden, wo er seine eigene Firma "Positive Energie GmbH" leitet. Die produziert Jazzmusik und die Show "Küblböcks Talk Night", die vier Mal jährlich stattfindet. 2003 erschien seine Autobiographie "Ich lebe meine Töne". 2004 landete der 24-jährige Bayer vor dem Richter: Damals hatte er noch keinen Führerschein, fuhr trotzdem - und prallte prompt mit einem Gurkenlaster zusammen. Er wurde schwer verletzt und zu 25.000 Euro Geldstrafe plus Sozialstunden verurteilt. © dpa
Rockröhre Elli Erl war bei der zweiten Staffel im Jahr 2004 dabei, in der Hoffnung, Kontakte in die Musikbranche zu knüpfen. Sie siegte - und bekam den Platten- und Managementvertrag. Allerdings redete Dieter Bohlen der lesbischen 30-Jährigen in ihre Musik hinein, weshalb sie 2008 ihr eigenes Musiklabel "1773 Records" gründete.  Hier erschien vergangenes Jahr ihr Album "Human", das sie in den USA aufgenommen hatte. Die gebürtige Straubingerin gibt heuer vier Konzerte in Deutschland, unter anderem beim Rostocker Christopher Street Day im Juli. © dpa
Der studierte Kommunikationswissenschaftler Tobias Regner gewann 2006 die dritte Staffel - und landete mit seiner Debütsingle "I still burn" prompt auf Platz 1 der deutschen, österreichischen und schweizerischen Charts. 2007 war der 27-Jährige für den Echo nominiert: Als bester nationaler Künstler und als bester Newcomer. Jetzt geht auch er eigene Wege: Heuer soll das erste Album seiner eigenen Band "RegneR" erscheinen. © dpa
Mark Medlock, Gewinner der vierten Staffel im Jahr 2007, lebt mit seinen drei Katzen in Berlin. Der bei Sony BMG unter Vertrag stehende Künstler verkaufte bis März 2010 rund 2, 5 Millionen CDs, erhielt elf Gold- und vier Platin-Auszeichnungen. Im Mai erscheint sein Album "Rainbows End". © dpa
Vor seiner Teilnahme an der fünften Staffel 2008 war der gebürtige Pole Thomas Godoj arbeitslos - jetzt ist er bei Sony BMG unter Vertrag. Unmittelbar nach seinem Sieg bei DSDS erhielt der 31-Jährige die Goldene Schallplatte für 150.000 verkaufte Singles in Deutschland. Er gibt Konzerte in Deutschland, Österreich und der Schweiz - zuletzt Ende Januar in seiner Heimatstadt Recklinghausen, wo er zugunsten der Erdbebenopfer in Haiti spielte. 2009 gebar ihm seine Lebensgefährtin Jennifer (auf dem Bild noch schwanger) eine Tochter. © dpa
Bis September 2009 stand Daniel Schuhmacher, Gewinner der sechsten Staffel, unter den Fittichen Dieter Bohlens. Dann trennte sich Bohlen von dem 22-Jährigen: "Jetzt muss er sich alleine durchsetzen. Von so einem Start, wie ich ihm ermöglicht habe, träumen andere Musiker doch", sagte Bohlen, der meint, Schuhmacher fehle der "Killerinstinkt", der für die Musikbranche nötig ist. Man wird sehen. Immerhin ist der gebürtige Baden-Württemberger noch neu im Geschäft. © dpa
Am Samstag wird sich herausstellen, wer gewinnt: Mehrzad Marashi und Menowin Fröhlich stehen im Finale der aktuellen Staffel. © dpa

Wer die Show gewinnt – da traut sich Stein keine Prognose zu: „Das hängt zu viel von der Tagesform ab.“ Und von der Liedauswahl. Mehrzad singt Endless Love von Lionel Richie und Fresh von Kool & The Gang. Menowin versucht’s mit That’s what friends are for von Dionne Warwick sowie Billie Jean von Michael Jackson. Außerdem tragen beide den Siegertitel vor.

Stein über Mehrzad …

Eines vorneweg: Ich kann Mehrzad und Menowin nur aus der Ferne beurteilen. Dass Mehrzad singen kann, haben wir festgestellt. Auch wirkt er mir im Gegensatz zu Menowin innerlich aufgeräumt. Was Mehrzad sagt, hört sich sehr vernünftig an. Das Problem ist nur: Vernünftig kann auch schnell sehr langweilig werden. Aufpassen muss man auch, wie man Mehrzad als Sänger positioniert. Von seiner Art gibt es schon sehr, sehr viele weltweit erfolgreiche Künstler, die weit mehr Erfahrung haben als er. Er sollte meiner Meinung nach Deutsch singen, da ist die Konkurrenz nicht ganz so groß. Allerdings würde ich ihm ein bisschen mehr Feuer im Hintern wünschen. Ein bisschen mehr von Jan Delay, das würde ihm guttun. Während mir Menowin zu unkalkulierbar ist, wirkt mir Mehrzad zu stark berechnend. Trotzdem hat er seinen Weg noch nicht gefunden. Sein künftiges Management wird sich intensiv mit ihm unterhalten müssen, wo die musikalische Reise hingehen soll: Was kann er besonders gut? Wo liegt seine persönliche Vorliebe? Denn man kann einem Sänger nichts aufzwingen, er muss mit ganzem Herzen dahinterstehen.

Stein über Menowin …

Menowin halte ich für sehr talentiert, das hat er bei mehreren Auftritten bewiesen. Er wird sich jedoch aus seinem bisherigen Umfeld entfernen müssen, um auch die Solidität zu bekommen, die man braucht, um im Showgeschäft zu bestehen. Sonst gerät er immer wieder in problematische Situationen wie in den letzten Wochen. Also, Verlässlichkeit ist ein wichtiger Aspekt, auch in der Konstanz seiner Leistung. Außerdem, wenn einer so oft wie Menowin nicht die Wahrheit sagt – das geht einfach nicht. Er hat eben früh sehr einschneidende Lebenserfahrungen gemacht und saß im Knast; da lernt man nicht die Art von Umgang, die man im Musikgeschäft braucht. Dort sind die vermeintlich bösen Jungs nämlich in Wahrheit sehr gut erzogen. Ein Eminem oder ein 50 Cent weiß ganz genau, wann er auf der Bühne den Gangster markieren und wann er diese Rolle wieder ablegen muss. Cool zu sein allein genügt im Musikgeschäft nicht. Wenn Menowin das kapiert, kann aus ihm zwar kein deutscher Eminem werden, mit etwas Glück aber ein Künstler, den man respektiert.

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