Echo Klassik: Musikindustrie ehrt Stars

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Tenor Vittorio Grigolo (r.) und der Bariton Thomas Hampson singen am Sonntag in Berlin bei der Preisverleihung "ECHO Klassik 2011".

Berlin - Einst dirigierte Wagner hier seinen “Fliegenden Holländer“. Am Sonntag wurde das von Schinkel erbaute Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt große Bühne für den Echo Klassik.

Ein einmaliges Spektakel: Die beiden Ausnahmedirigenten Zubin Mehta (75) und Daniel Barenboim (68) stehen zusammen am Pult und dirigieren gemeinsam eine Polonaise von Tschaikowsky. Nur für einige Takte, aber immerhin. Das ist einer der Höhepunkte bei der Vergabe des Echo Klassik, der erneut ein jüngeres Publikum für die klassische Musik gewinnen soll.

Wie im vergangenen Jahr hat der Entertainer und bekennende Klassik-Fan Thomas Gottschalk die Moderation übernommen. Allerdings müsse er dafür seine Texte von einem versteckten Monitor ablesen, gesteht der 61-Jährige am Sonntag gleich zu Beginn der vom ZDF zeitversetzt übertragenen Show. “Wenn es um eine gewisse Präzision geht, bin ich nicht der Richtige.“

Zubin Mehta wird bei der Gala im Konzerthaus am Gendarmenmarkt für sein Lebenswerk geehrt. Der aus Indien stammende Musiker engagiert sich vor allem in seinem Heimatland und in Israel besonders für die Nachwuchsförderung. Laudator Barenboim überreicht ihm die vom Verband der Musikindustrie verliehene Trophäe mit einer herzlichen Umarmung.

Spannende Töne - vor allem von jungen Musikern

“Ich stehe hier mitten in meiner Karriere. Es gibt noch so viel, was ich noch nicht interpretiert und aufgenommen habe“, sagt der 75-jährige Preisträger - und entschwindet in der Pause: Er steht abends bei den Berliner Philharmonikern unter anderem mit Mahlers 1. Symphonie am Pult. “55 Jahre sind wir befreundet, 55 Jahre musizieren wir zusammen, 55 Jahr hatten wir keinen Streit“, sagt Barenboim.

Einen fetzigen Auftritt hat die Leipzig geborene Sopranistin Simone Kermes, die zur “Sängerin der Jahres“ gekürt wird. Die ehemalige Fachkraft für Schreibtechnik, vermutlich Jahrgang 1970, gehört heute als “Crazy Queen des Barock“ zu den gefragtesten deutschen Opernsängerinnen. Sie trägt die von ihr ausgegrabenen 300 Jahre alten Lieder mit so viel Swing und Groove vor, dass Gottschalk sie gern als “Gesamtkunstwerk“ vorstellt.

Spannende Töne kommen vor allem von jungen Musikern: Mit insgesamt neun Nachwuchspreisen sind sie diesmal besonders stark vertreten. Die erst 25 Jahre alte norwegische Geigerin Vilde Frang wird von Laudator Wolfgang Joop sogar in einem Atemzug mit Anne-Sophie Mutter genannt. Dennoch warnt er in Anspielung auf seine eigene Modefirma: “Mit dem Label Wunderkind sollte man sehr vorsichtig umgehen, nicht nur, wenn man Wolfgang Joop heißt.“

So wirkt Musik auf unseren Körper

Musikwirkung auf den Körper
Elektropop (z.B. Lady Gaga, Alejandro):  Bei einem Tempo über 72 bmp haben Musikstücke insbesondere auf Frauen aufputschende Wirkung. Frequenz: 80 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Rock/Pop (z. B. U2 – Beautiful Day): Gut für Männer, da sie häufig zu höheren Blutdruck als Frauen neigen. Ihre Leistung wird durch hohe motorische Erregung beeinträchtigt. Aus diesem Grund führen bei Männern tendenziell ruhigere, fließende Klänge zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit. Frequenz: unter 72 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Akustik/Folk/Blues (z. B. Jack Johnson – Wasting Time): Ruft stärkste Reaktion des Körpers hervor, da das Tempo einem verlangsamten Herzrhythmus ähnlich dem Schlafzustand entspricht. Dabei kommt es beim Zuhörer zur größten Entspannung, zur Beruhigung der Atmung und zur Entkrampfung der Muskulatur. Frequenz: 60 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Klassik (z. B. Wolfgang Amadeus Mozart – „Lacrimosa“ aus dem Requiem):  Die klassischen Klänge im langsamen Tempo helfen bei Schlafstörungen und lösen körperliche Verspannungen. Daher wird heute häufig in Zahnarztpraxen oder OP-Sälen klassische Musik zur präoperativen Angstreduktion der Patienten abgespielt. Frequenz: 65 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Oper (z. B. Guiseppe Verdi – „Triumphmarsch“ aus der Aida): Kann die Konzentrationsfähigkeit fördern und sich positiv auf den Blutdruck auswirken. So führte Verdis emotional mitreißende Opernmusik aus Aida in wissenschaftlichen Untersuchungen zu einer Blutdrucksenkung um durchschnittlich 5 mmHg bei den Zuhörern. Frequenz: 100 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Heavy Metal (z. B. Metallica – Enter Sandman): Das Lied beschleunigt die Herz-Kreislauf-Aktivität, da das Tempo dem Herzschlag während höherer Belastungen entspricht. Daher kommt es zu einer aufputschenden Wirkung. Frequenz: über 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Hard Rock (z. B. AC/DC – Highway To Hell): Hard Rock-Musik im schnellen Tempo wie dieser Klassiker kann zum Abbau von Aggressionen beitragen und helfen, Ängste und Frustrationen zu überwinden. Frequenz: im Mittel bei ca. 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Latino-Pop (z. B. Shakira – Waka Waka): Der beschwingte, lateinamerikanische Rhythmus im schnellen Tempo bringt das Herz-Kreislauf-System in Schwung und kann helfen, melancholische Augenblicke zu überbrücken. Frequenz: ca. 125 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Chanson (z. B. Beispiel: Udo Jürgens – Aber bitte mit Sahne): Hat einen anregenden Effekt, hilft gegen Müdigkeit. Hat eine Stimmung-aufhellende Wirkung und verbessert die Leistungsfähigkeit. Frequenz: 120 Hz. © dpa
Musikwirkung auf den Körper
Schlager (z. B. Jürgen Drews – Ein Bett im Kornfeld): Das mittlere Tempo erzeugt Ausgeglichenheit und hilft gegen Stress-Symptome. Kann darüber auch motivationssteigernd wirken. Frequenz: 110 Hz. © dpa

Die 24-jährige Chinesin Yuja Wang aus den USA fasziniert mit einem furiosen Klaviersolo. “Sehnen aus Stahl“, bescheinigt Gottschalk der grazilen Pianistin. Das junge, innovative Quintett Spark liefert mit seinen ungewöhnlichen Flötenkonstruktionen eine mitreißende Vivaldi-Interpretation - brausender Applaus.

Weitere Preisträger waren etwa Startenor Rolando Villazón, der US-Bariton Thomas Hampson und der Countertenor Bejun Mehta, ein Cousin von Zubin Mehta. Als beste Instrumentalisten gekürt wurden unter anderem Lisa Batiashvili (Violine), Frank Bungarten (Gitarre) und Murray Perahia (Klavier). Die Namen der Preisträger hatte die Jury schon im Juli bekanntgegeben.

Gottschalk lobt das für die Show bunt aufgepeppte ehrwürdige Konzerthaus als angemessene Bühne. Im vergangenen Jahr hatte die ZDF-Übertragung aus Essen mit gerade 2,33 Millionen Zuschauern nicht gerade einen überwältigenden Erfolg. “Endlich hat der “Echo der Stars“ ein Zuhause gefunden, das seiner würdig ist“, sagte der TV-Liebling. Und Preisträger Rolando Villazón mag von Grenzen zwischen klassischer Musik und Unterhaltung gleich gar nichts wissen: “Alles was von Herzen kommt, hat Qualität.“

dpa

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