Frontfrau singt auch für die Ukraine

ESC-Überraschung Elaiza startet durch

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Das Frauen-Trio Elaiza vertritt Deutschland beim ESC 2014 in Kopenhagen.

Berlin - Sensation: Als Quereinsteiger ziehen die drei jungen Frauen der Berliner Band Elaiza das Ticket zum ESC-Vorentscheid und stechen dort die prominente Konkurrenz aus. Ein Porträt.

Sie kommt quasi aus dem Nichts und begeistert die Nation. Elaiza (sprich: Ela-i-sa) heißt sie, die deutsche Hoffnung für den Eurovision Song Contest in Kopenhagen. Die Berliner Band verbindet osteuropäischen Folk mit modernen Pop - „Neo-Folk“ nennen die drei jungen Frauen selbst ihren außergewöhnlichen Mix.

Neben der Ela Steinmetz (21), der quirligen Sängerin mit der wasserstoffblonden Kurzhaarfrisur, gehören noch Yvonne Grünwald (29), die 15 Akkordeons besitzt, und Kontrabassistin Natalie Plöger (28) zu der 2013 in Berlin gegründeten Band. In ihren Songs verarbeitet Frontfrau Ela biografische Elemente und Beobachtungen aus ihrer Umwelt. Es seien „Stücke über den frühen Tod des Vaters, Beziehungsprobleme, Herzschmerz“, heißt es auf der Homepage von Elaiza. „Freud und Leid, das echte Leben eben.“

"Das ist der Wahnsinn!"

Auch am Tag danach ist Ela noch immer völlig außer sich: „Das ist echt der Wahnsinn“, sagt sie am Freitag und ihre Stimme scheint sich fast zu überschlagen. „Wir sind jetzt auf einmal ganz viel im Fernsehen. Das ist so verrückt, wenn man sich selbst im Fernsehen sieht und ganz oft im Radio hört. Wir haben Fanpost bekommen, das gab es noch nie.“

Der Graf von Unheilig, der als Favorit galt, sei schon vor der Show auf sie zugekommen, so die 21-Jährige. "Er meinte: „Das, was ihr macht, ist richtig cool“. Der war uns so positiv entgegenkommend."

Ela singt auch für die Ukraine

Frontfrau Ela will beim Finale des Eurovision Song Contest (ESC) in Kopenhagen symbolisch auch für die Ukraine singen. Dort wurde sie als Tochter eines ukrainischen Musikers und einer polnischen Mutter geboren. Nach dem Tod des Vaters zog sie Anfang der 1990er Jahre erst nach Polen und als Teenager nach Deutschland, wo sie in Schiffweiler bei Saarbrücken lebt. „Im Endeffekt ist die Bühne meine Heimat. Aber auch die drei Länder, die das aus mir gemacht haben, was ich bin. Deshalb singe ich für alle drei Länder - Polen, die Ukraine und Deutschland.“

Die beiden osteuropäischen Länder haben allerdings auch eigene Kandidaten in Kopenhagen am Start. Für die Ukraine geht Mariya Yaremchuk mit „Tick-Tock“ ins Rennen. Das Hip-Hop-Duo Donatan und Cleo singt für Polen „My Slowianie“.

Explosion in den Download-Charts

Der Triumph der deutschen ESC-Hoffnung hat sich auch in den Charts bemerkbar gemacht. Ihr Gewinnersong „Is It Right“ wurde am Donnerstag so häufig heruntergeladen wie kein anderer Titel aus dem Vorentscheid für den Eurovision Song Contest, wie media control GfK am Freitag in Baden-Baden mitteilte. Exakte Zahlen dürfen die Marktforscher nicht mitteilen. Nur soviel: Im Vergleich zum Mittwoch habe die Steigerungsrate mehr als 20.000 Prozent betragen.

ESC-Vorentscheid: Die Bilder von der Show

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"Wir sind sprachlos!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!", kommentierten die Damen das auf ihrer Facbook-Seite und bedankten sich bei den vielen Fans für deren Anrufe, die den Sieg brachten. "Ihr seid unglaublich!!!", schrieben sie. Über 12.000 "Gefällt mir"-Daumen konnte das Profil der Band auf dem größten sozialen Netzwerk der Welt bereits sammeln.

Elaiza hatte am Donnerstagabend die Konkurrenz ausgestochen und wird Deutschland am 10. Mai beim ESC in Kopenhagen vertreten.

Elas Heimatort freut sich: "Schiffweiler ist stolz"

Auch der Ort Schiffweiler nördlich von Saarbrücken, Heimatgemeinde der Frontfrau Ela, jubelt: „Wir sind sehr stolz auf Sängerin Ela“, sagte Bürgermeister Markus Fuchs am Freitag. Der Auftritt der gebürtigen Ukrainerin (21) mit ihrer Band am Donnerstagabend in Köln sei „eine tolle Leistung“ gewesen. „Wir drücken unserem Schiffweiler Mädchen alle Daumen“, sagte Fuchs. „Vielleicht wird sie ja die zweite Nicole“, sagte Fuchs. Mit Sängerin Nicole („Ein bisschen Frieden“) hatte 1982 bereits eine Saarländerin den Grand-Prix gewonnen.

Debütalbum spätestens im Mai

Und wie wird es nach dem Triumph weitergehen? „Das Debütalbum soll spätestens im Mai erscheinen“, heißt es beim Label „Heart of Berlin“ Und auch eine Tour sei in diesem Jahr noch geplant. Ela selbst hat sich ein ganz bescheidenes Ziel gesetzt: „Wir wollen einfach so sein wie wir sind und die Leute mit dem berühren, was wir machen.“

Knapp vier Millionen sehen deutschen Vorentscheid zum ESC

Der deutsche ESC-Vorentscheid hat mehr Zuschauer angezogen als in den vergangenen drei Jahren, blieb jedoch hinter dem Debüt von Lena Meyer-Landrut im Jahr 2010 zurück. 3,95 Millionen Zuschauer schalteten am Donnerstagabend „Unser Song für Dänemark“ ein. Das entspricht einem Marktanteil von 13,3 Prozent. In den vergangenen drei Jahren hatte die Publikumsgröße zwischen 2,2 Millionen und 3,3 Millionen gelegen. Im Jahr 2010, als Lena Meyer-Landrut erstmals ESC-Kandidatin wurde, waren es 4,5 Millionen gewesen.

dpa

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