“Jeder hat eine persönliche Tragödie erlebt“

Eva Padberg bei Flüchtlingskindern nahe Mossul

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dpa-exklusiv: Eva Padberg besucht Unicef-Projekte im Irak

Berlin - Eva Padberg ist nicht nur Top-Model, sondern auch Unicef-Botschafterin. Sie besuchte Kinder in Flüchtlingslagern im Nordirak, als gerade die Offensive auf Mossul begann.

Top-Model und Unicef-Botschafterin Eva Padberg (36) hat nach einem Besuch in Flüchtlingslagern nahe der umkämpften irakischen Stadt Mossul zu Spenden aufgerufen. „Das ist eine humanitäre Katastrophe, und es gibt so viele Kinder, die davon betroffen sind“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. „Es wird im Nordirak nachts jetzt schon sehr kalt. Es fehlt an Zelten, Decken und Winterkleidung. Das ist besonders für die Kinder überlebenswichtig.“

Padberg, seit zehn Jahren Unicef-Botschafterin, war am 17. Oktober in den Nordirak gereist, um auf das Leid der Kinder aufmerksam zu machen. In dieser Zeit begann die Offensive auf die nahe IS-Hochburg Mossul. „Im ersten Moment war mir ein wenig mulmig. Aber im Großen und Ganzen geht in der Stadt Erbil bisher das normale Leben weiter, auch wenn 50 Kilometer entfernt die Frontlinie verläuft“, erzählt sie.

„Jeder hat eine persönliche Tragödie erlebt“

Padberg hat bei ihrem dreitägigen Besuch mit Erwachsenen und Kindern im Flüchtlingslager Debaga nahe Erbil gesprochen. Dort leben zur Zeit 28 000 Menschen, rund 40 Prozent von ihnen sind Kinder. „Mütter sind hier nach einem zwölfstündigen Fußmarsch mit kleinen Kindern angekommen, das Jüngste war vier Monate alt“, berichtet sie. „Und jeder hat eine persönliche Tragödie erlebt.“

So hätten Kinder ihr erzählt, dass sie die Verstecke ihrer Eltern verraten und auch bei Hinrichtungen zuschauen mussten. „Sie sind schwer traumatisiert. Und es ist schockierend, dass es so viele sind. Ihr furchtbares Schicksal ist etwas, das ich jetzt sehr schwer aus dem Kopf bekomme“, ergänzt sie.

Auf eine andere Weise nahe gegangen ist Padberg die Begegnung mit einem kleinen Mädchen im Flüchtlingslager. „Das Kind hat an meinem Hosenbein gezupft, weil es mir eine selbstgebastelte Halskette schenken wollte. Da hatte ich einen Kloß im Hals. Denn man kann nur ahnen, was dieses Mädchen durchgemacht und verloren hat - und trotzdem wollte es mir seine Kette schenken“, sagt Padberg.

Einen Moment habe sie überlegt, ob sie das Geschenk überhaupt annehmen solle. „Es ist eine wirklich hübsche Kette aus türkisfarbenen Plastikperlen. Die Mutter des Kindes ist Schneiderin und hat ihm das Basteln beigebracht.“ Padberg hat dem Mädchen, das seine kleine Schwester an der Hand hatte, dann einen Ball geschenkt - und sich für die Kette bedankt. „Ich trage sie jetzt die ganze Zeit. Sie ist mein Glücksbringer, denn es war wirklich ein besonderer Moment. Es macht Mut zu sehen, dass sich viele Mädchen im Lager trotz all der durchlittenen Schrecken schön machen und eine Art Normalität leben wollen.“

Unicef rechne damit, dass in den nächsten Wochen weitere 200 000 Menschen, die vor den Kämpfen in Mossul fliehen, in Flüchtlingslagern Schutz suchen, sagte Mitarbeiterin Claudia Berger. Längerfristig geht die Hilfsorganisation von 780 000 Kriegsflüchtlingen aus Mossul in dieser Region aus. Unicef stellt unter anderem Zelte, Trinkwasser, Toiletten und Duschen zur Verfügung. Noch fehlten rund 15 Millionen Euro für die Ausstattung neuer Camps, sagte Berger.

dpa

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