Fall Kachelmann: Wer sagt die Wahrheit?

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Wurde vorschnell Klage eingereicht und damit Jörg Kachelmann in der Öffentlichkeit vorzeitig und fahrlässig zum Täter stigmatisiert?

Mannheim - Sind die Vergewaltigungs-Vorwürfe gegen Jörg Kachelmann erfunden? Eine Gutachterin meint: So, wie das Opfer die Tat darstellte, kann sie nicht passiert sein. Und es gibt noch mehr Ungereimtheiten.

Der Fall Jörg Kachelmann steht möglicherweise vor einer dramatischen Wende. Die Glaubwürdigkeit der Aussagen seiner Ex-Freundin Sandra S. (Name geändert) wird durch ein Gutachten, das die Mannheimer Staatsanwaltschaft in Auftrag gab, heftig erschüttert.

Die Bremer Psychologin Luise Greuel kommt in ihrem 126 Seiten dicken Papier zu dem Schluss, dass die Schilderungen der 37-jährigen Radiomoderatorin über die Vergewaltigung „nicht die Mindestanforderungen an die logische Konsistenz, Detaillierung und Konstanz“ erfülle, wie Spiegel Online berichtet. Sie habe „Sachverhalte dargestellt, die handlungstechnisch unwahrscheinlich bis unmöglich“ seien. Im Klartext: So, wie das Opfer die Tat darstellte, kann sie nicht passiert sein.

Kachelmann - die ersten Fotos aus der Haft

Kachelmann - die ersten Fotos aus der Haft

Sandra S. konnte die Vergewaltigung selbst bei eingehender Befragung „nur vage und oberflächlich wiedergeben“, schreibt Luise Greuel. Doch die Psychologin betont auch, dass eine Falschaussage des Opfers damit noch nicht erwiesen ist. Allerdings ist die für das Gericht relevante Zuverlässigkeit der Aussage nicht mehr gegeben. Dass Kachelmanns Ex außerdem in zwei Punkten gelogen hat, dies aber erst in der vierten Vernehmung eingestand (tz berichtete), war für die Expertin Greuel ein zusätzlicher Grund, an den Aussagen von Sandra S. zu zweifeln.

Doch nicht nur die Psychologin, auch verschiedene Gerichtsmediziner haben inzwischen ihre Zweifel in mehreren Gutachten vorgelegt. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg hält fest: Die Blutspuren am Messer, das Kachelmann seiner Freundin beim Sex an den Hals gedrückt haben soll, sind nicht eindeutig der Frau zuzuordnen. Es könnte sich auch um Tierblut handeln. Doch die Blutspur ist zu klein, um sie eindeutig zuzuweisen.

Auch bei der DNA-Spur auf dem Messergriff ist die Beweislage nicht eindeutig. Es ist zwar nicht auszuschließen, dass der Wetterfrosch es in der Hand hatte – aber auch nicht eindeutig nachweisbar. Ein weiteres für die Anklage niederschmetterndes Gutachten stammt vom Leiter der Rechtsmedizin in Heidelberg, Rainer Mattern: Demnach können die Verletzungen, die Sandra S. in der Nacht zum 9. Februar davontrug, weder eindeutig einer Fremd- noch einer Selbstverletzung zugeordnet werden. Der von der Verteidigung beauftragte Rechtsmediziner aus Münster, Bernd Brinkmann, formuliert es klarer: Für ihn ist die geschilderte Tat mit den Verletzungen nicht in Einklang zu bringen.

Bleiben die drängenden Fragen: Warum wartete die Staatsanwaltschaft Mannheim die selbst in Auftrag gegebenen Gutachten nicht ab? Wurde vorschnell Klage eingereicht und damit Jörg Kachelmann in der Öffentlichkeit vorzeitig und fahrlässig zum Täter stigmatisiert?

tz

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