Friede Springer: Ihr Mann, ihr Unternehmen, ihre Ziele

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In ihrem Herzen lebt Axel Springer weiter: Verleger-Witwe und Unternehmens-Chefin Friede Springer

Berlin - Am 2. Mai wäre der Publizist und Unternehmensgründer Axel Springer 100 Jahre alt geworden. Seine Witwe Friede Springer (69) fühlt sich ihrem Ehemann noch immer eng verbunden.

"Axel Springer lebt in meinem Herzen weiter“, meinte sie im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Auf die Frage, was sie am meisten an ihrem Mann vermisst, antwortet Friede Springer: „Manchmal fehlt es mir, ihn nach seiner Meinung fragen zu können.“ Sie fährt fort: „Mich hat immer seine Meinungsfestigkeit - auch gegen große Widerstände - beeindruckt. Und seine ausgeprägte Bereitschaft zuzuhören und Fehler einzugestehen.“ Als Beispiel nennt sie seine "Unbeirrbarkeit, mit der er an die Wiedervereinigung glaubte und für sie kämpfte, auch noch zu einer Zeit, als dieses Thema politisch längst nicht mehr opportun zu sein schien." Auch an das Zusammentreffen Springers mit Willy Brandt 1985 in Jerusalem erinnert sich die Verleger-Witwe in diesem Zusammenhang. Es habe "nach Jahren großer Meinungsverschiedenheiten endlich wieder zu einer persönlichen Annäherung geführt hat.“

Obwohl sich die Zeiten geändert hätten, würde Axel Springer auch heute noch für seine freiheitlichen Ideale eintreten, ist Friede Springer überzeugt. Sie seien "aktueller denn je.“ Zum Jahrestag will sie einen Strauß rosa Röschen an sein Grab bringen. "Dann hole ich seine Enkelin Carina vom Flughafen ab und abends wird gefeiert“, erzählt die 69-Jährige.

100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben

100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
Vor hundert Jahren, am 2. Mai 1912, wurde Axel Springer in Hamburg-Altona als Sohn eines Druckers und Kleinverlegers geboren. © dpa
100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
Nach dem Besuch des Realgymnasiums machte Springer (hier ein Bild aus den 40er-Jahren) eine Setzer- und Druckerlehre im väterlichen Verlag. Danach volontierte er in der Nachrichtenagentur „Wolffsches Telegraphen Bureau“. Bis 1941 arbeitete er als Redakteur bei den „Altonaer Nachrichten“, einer Zeitung seines Vaters. 1946-48 gründete er den Verlag Axel Springer. 1946 erschien dort unter anderem die Zeitschrift „Hörzu“, nach der Währungsreform auch das „Hamburger Abendblatt“, die erste von Springer konzipierte Zeitung. © dpa
100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
1950: Grundsteinlegung des Hamburger Verlagshauses.1952 startet die „Bild-Zeitung“, ein Jahr später kauft Springer Die Welt GmbH, unter anderem mit den Zeitungen „Die Welt“ und „Welt am Sonntag“. 1956 startet die Zeitung „Bild am Sonntag“. (Foto aus dem Jahr 1958) © ap
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1959: Grundsteinlegung für das Berliner Verlagshaus an der Sektorengrenze in Berlin-Kreuzberg und Übernahme der Aktienmehrheit der Ullstein AG mit den Zeitungen „Berliner Morgenpost“, „B.Z.“ sowie dem Ullstein-Buchverlag. © ap
100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
Springer (li.) und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt (SPD, M) , am 06.10.1966 bei der Einweihung des Axel-Springer-Verlagshauses an der Kochstrasse in Berlin- Kreuzberg, (re. Egon Bahr). In den 60er-Jahren beherrschte Springer 70 Prozent des West-Berliner Zeitungsmarkts und war damit auf dem Höhepunkt seiner verlegerischen Macht. Binnen weniger Jahre hatte er nach dem Krieg das größte Verlagshaus Westdeutschlands aufgebaut. © dpa
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Zwischen 1968 und 1975 kam es zu Protesten und Gewalt gegen die „Springer-Presse“. Die Marktmacht des Springer-Konzerns wurde zunehmend kritisiert. Nicht nur Studenten und Linke forderten, Springer zu enteignen, auch die Kollegen Verleger intervenierten bei der Bundesregierung: Eine Kommission sollte die Konzentration im deutschen Pressewesen untersuchen.Der Verleger verkauft einige Zeitschriftenanteile.12.04.68: Rund 5.000 Menschen werden von Berliner Polizisten vor dem Springer-Hochhaus in der Kochstrasse in Berlin umzingelt. 1970: Umwandlung des Verlages in eine Aktiengesellschaft. Alleinaktionär ist Axel Springer © ap
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Springer (r) mit seinem Sohn Axel Springer jr. (Pseudonym Sven Simon) (Bild vom 24. Februar 1973). Am 03. Januar 1980 beging der Verlegerssohn Suizid. © dpa
100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
Springer junior wurde auf dem Hamburger Friedhof Grossflottbek zu Grabe getragen. Rechts: Springer senior.  © ap
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Friede Springer kam als Kinderpflegerin ins Haus des Großverlegers. Dort lernte sie Axel Cäsar Springer kennen und lieben. Hier ein Bild des Paares vom 2. Mai 1982 (Axel Springers 70. Geburtstag). © dpa
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1985: Kurz nach dem Börsengang des Verlages, bei dem 49 Prozent der Aktien des Unternehmens platziert werden, stirbt Axel Springer am 22. September 1985 in Berlin.27. September 1985: Trauerfeier in der Berliner Gedächtniskirche. Friede Springer und Sohn Raimund Alexander Nikolaus stehen vor dem Sarg des Verstorbenen. © dpa
100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
Auch er kam zu Springers Beerdigung: Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU, l.) bezeugt Friede Springer sein Beileid. Neben der Witwe: Sohn Nicolaus (Foto vom 27.09.85). © ap
100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
Nach seinem Tod übernahm Friede Springer  das Unternehmen. © ap
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Die Kochstraße in Berlin Kreuzberg wurde am 30.04.2008 in Rudi-Dutschke-Straße umbenannt, dabei protestierten Demonstranten gegen Springer. An der Straße liegt auch das Verlagshaus Axel-Springer. © dpa
100. Geburtstag von Axel Springer: Szenen aus seinem Leben
Mit einer Sonderbriefmarke soll laut dem Bundesfinanzministerium die Lebensleistung dieser bedeutenden Persönlichkeit der deutschen Nachkriegsgeschichte sowie der "unternehmerische Mut" und die "innovativen Ideen" des Medienunternehmers gewürdigt werden. Sie erscheint mit einer Auflage von 5,8 Millionen und ist seit dem 12.04.12 in den Verkaufsstellen der Deutschen Post erhältlich. © ap

Friede Springer ist seit dem Tod Ihres Mannes 1985 stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Axel Springer AG sowie Mehrheitsgesellschafterin des Unternehmens. „Ich fühlte mich einfach herausgefordert, das Haus zusammen zu halten und vor Übernahmen zu schützen“, erklärt sie, und gesteht, dass sie gelegentlich Zweifel hatte, ob sie der Aufgabe gewachsen sein würde. "Aber ich habe nie aufgegeben, sondern einfach weitergemacht. Es waren und sind die Herausforderungen, die mich reizen.“ Aus dem Verlag ein Familienunternehmen zu machen, kam für die 69-Jährige nie infrage: „Das Unternehmen ist noch zu Lebzeiten Axel Springers eine börsennotierte Aktiengesellschaft geworden. Ich habe keine Veranlassung, das zu ändern.“

Mehrere Stiftungen tragen den Namen Friede Springer, darunter eine zur Förderung wissenschaftlicher und kultureller Projekte sowie die Friede Springer Herz Stiftung, die zu einer besseren Prävention bei Herz- und Kreislauferkrankungen beitragen will. Ihr Traum wäre es, "dass die erfolgreich arbeiten und viel Gutes tun“, verrät sie.

Nach ihren Zielen gefragt, sagt Friede Springer: „Ich habe - frei nach Luther - mein Apfelbäumchen gepflanzt und bin insofern recht zufrieden. Dennoch gibt es natürlich auch weiterhin erstrebenswerte Ziele. Über die möchte ich allerdings erst sprechen, wenn ich sie erreicht habe.“

dpa

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