Frühe Freilassung Polanskis unwahrscheinlich

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Roman Polanski wird wohl noch länger in Haft bleiben.

Zürich - Der seit vier Tagen in Zürich inhaftierte Star- Regisseur Roman Polanski hat schlechte Chancen, seiner Auslieferung an die USA zu entgehen.

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Das geht am Mittwoch aus Aussagen führender Schweizer Justizexperten sowie aus Medienberichten hervor. Auch auf Hilfe der Politik, wie sie Frankreich und Polen versuchen, muss der Oscarpreisträger wohl verzichten. “In polizeilichen und juristischen Verfahren ist, wenn sie einmal laufen, grundsätzlich kein Platz für politische Einflussnahme“, sagte Justizministerin Eveline Widmer- Schlumpf der “Neuen Zürcher Zeitung“ (Mittwochausgabe). Der 76- Jährige war am vergangenen Samstag bei seiner Einreise in die Schweiz wegen eines rund 30 Jahre zurückliegenden Sexualdelikts verhaftet worden. Er versucht jetzt unter anderem über seine Anwälte, einen Hausarrest in seinem Chalet im Prominentenort Gstaad zu erwirken.

Polizeifotos von US-Stars

Donnie Wahlberg
Donnie Wahlberg von New Kids on the Block bei seiner Festnahme im April 1992. © ap
Al Pacino
Schauspieler Al Pacino kam schon 1961 wegen einer versteckten Waffe mit der Polizei in Konflikt. Dabei entstand dieses Bild. © ap
Polizeifotos von US-Stars
Die Prostituierte Divine Brown hat sich 1995 bei unzüchtigem Verhalten erwischen lassen. Mit dabei und ebenfalls verhaftet: Schauspieler Hugh Grant. © ap
Hugh Grant
Wegen eines Blow Jobs mit Divine Brown auf Hollywoods Sunset Boulevard musste auch Hugh Grant in die Polizeikamera blicken. Ein Skandal. Gilt der britische Schauspieler doch als Schwiegermutter-Traum. © ap
Polizeifotos von US-Stars
Hatten auch schon mit der Polizei zu tun (von Links): Nick Nolte, Mel Gibson, Hugh Grant, O. J. Simpson, Paris Hilton und Nicole Richie und Lindsay Lohan. © ap
Jane Fonda
1970 hatte auch Jane Fonda ein Date auf dem Polizeirevier. Sie wurde wegen einer Körperverletzung aktenkundig. © ap
Jennifer Capriati und Tom Wineland
Tennisstar Jennifer Capriati gewann 1992 olympisches Gold. 1994 wurde sie mit Marihuana erwischt. Ihre Karriere konnte sie nach der Haft aber fortsetzen. Auch ihr Begleiter Tom Wineland, der wegen Drogenprobelmen auf Bewährung war, wurde festgenommen. © ap
Jim Courier
Und noch ein Tennisstar: Jim Courier lacht auf dem Polizeifoto trotz einer Festnahme wegen Trunkenheit am Steuer 1999. © ap
Kid Rock
Sänger Kid Rock albert herum. Er wurde 1995 festgenommen und zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er einen DJ in einem Club verprügelt hat. © ap
Lawrence Taylor
NHL-Star Lawrence Taylor versuchte Crack im Wert von 100 Dollar zu kaufen und wurde erwischt. © ap
Michael "Dynamite" Dokes
Der Boxer Michael "Dynamite" Dokes hat sich schwerer Vergehen verdächtig gemacht: sexuelle Nötigung und versuchter Mord standen 1998 auf der Liste beim Polizeipräsidium in Las Vegas. © ap
Michael Lookinland
Michael Lookinland spielt den Bobby in der Serie The Brady Bunch". Im echten Leben hat er sich betrunken beim Autofahren erwischen lassen. © ap
Nicole Richie
Nicole Richie war nicht nur einmal im Gefängnis. 2007 ist sie unter Drogeneinfluss Auto gefahren. © ap
Paul Reubens
Schauspieler Paul Reubens ist bekannt als Pee-Wee Herman und fiel in einem Theater unangenehm auf. © ap
Randy Moss
Der Football-Spieler Randy Moss wurde beschuldigt, einen Polizeibeamten absichtlich angefahren zu haben als der ihn anhalten wollte. © ap
Ricky Willaims
Und wieder ein Football-Spieler, der sich nicht an die Verkehrsregeln gehalten hat: Ricky Willaims spielt bei den New Orleans Saints. © ap
Sophia Loren
Schauspielerin Sophia Loren mit ihrer Sekretärin Inez Bruscia. Sie verlassen auf dem Bild das Polizeipräsidium. Loren wurde zu Hause ausgeraubt und ihre Sekretärin dabei verletzt.  © ap
Tony Phillips
Baseball-Spieler Tony Phillips hat versucht Drogen von einem Undercover-Polizisten zu kaufen. Dumm gelaufen. © ap
Wynonna Judd
Wynonna Judd ist angeklagt, weil sie betrunken Auto gefahren ist. © ap

Schweizer Juristen verweisen in den Medien darauf, dass die Regierung des Landes aufgrund der internationalen Rechtslage dazu verpflichtet gewesen sei, den Regisseur festzunehmen. Zum einen sei seine Ankunft in Zürich zum Film Festival genau bekanntgewesen und es habe dazu noch ein Gesuch aus den USA bereitgelegen. “Wenn (...) die Polizei des Staates, der jemanden zur Verhaftung ausgeschrieben hat, zusätzlich zum Haftbefehl konkrete Informationen übermittelt, die eine Festnahme der gesuchten Person erlauben, hat die Polizei des Ziellandes zu handeln“, sagte auch die Ministerin. Dieses Prinzip sei eine wichtige Grundlage der internationalen Polizeikooperation. Würde es nicht eingehalten, könnten sich gesuchte Personen systematisch der Justiz entziehen.

Der Professor für Strafrecht an der Universität Zürich, Wolfgang Wohlers, verwies im “Tages-Anzeiger“ (Mittwochausgabe) darauf, dass es in dem Auslieferungsverfahren nicht darum gehe, den Tatvorwurf zu prüfen, sondern allein, ob die Voraussetzungen für eine Auslieferung gegeben seien. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die amerikanische Strafjustiz nicht in der Lage sein werde, ein faires Verfahren zu gewährleisten, seien auch nicht bekannt. Dass die Maximalstrafe bis 50 Jahre sein könne, sieht Wohlers nicht als Hinderungsgrund für eine Auslieferung. So liefere die Schweiz auch Leute nach Deutschland aus, einem Land, das noch die lebenslängliche Freiheitsstrafe kenne. “Der Spielraum ist sehr eng“, sagt Wohlers.

Eine winzige Chance für Polanski, nicht in die USA zu müssen, könnte darin liegen, dass ihn auch Frankreich, dessen Staatsbürgerschaft er besitzt, unter Anklage stellt. Dies sei aber unwahrscheinlich, hieß es in Expertenkreisen.

Die Anwälte Polanskis haben zunächst beantragt, den Regisseur während der Auslieferungshaft unter Hausarrest in seinem Chalet in Gstaad zu stellen. Unter Hinweis auf sein fortgeschrittenes Alter sei dies eine Möglichkeit. Allerdings bestehe hohe Fluchtgefahr, und das Verfahren könne sich über Monate hinziehen, wird eingeworfen. Polanski hatte am Dienstag gegen seine Auslieferungshaft Beschwerde bei einem hohen Gericht in der Schweiz eingelegt.

dpa

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