Keine Angst vor dem Tod

Grass: Würde gerne wiedergeboren werden als ...

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Günter Grass.

München - Günter Grass reizt der Gedanke, nach seinem Tod wiedergeboren zu werden. Als was? Da hat der Literatur-Nobelpreisträger eine ganz genaue Vorstellung.

Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass reizt die Idee, als Kuckuck wiedergeboren zu werden. "Ich mag den Vogel, der das Frühjahr verkündet und den Leuten jedes Jahr wieder Versprechungen macht mit seinen Rufen, den Kuckuck", sagte der 86-Jährige in einem am Wochenende veröffentlichten Interview mit dem Magazin Focus. Auch seine "Unart", seine Eier in die Nester anderer Vögel zu legen, sei eine "verführerische Vorstellung".

Er finde im Alter keinen Trost in der Religion, sagte Grass und fügte hinzu: "Allenfalls in Märchenform: Im Buddhismus ist ja davon die Rede, nach dem Tod in anderer Gestalt wiedergeboren zu werden." Ihn reize der Gedanke: "Was wäre wünschenswert?"

Er spüre zwar keine Angst vor dem Tod, aber er fürchte sich vor Schmerzen, erklärte der Schriftsteller. Wenn ihm diese erspart blieben, wäre er dankbar. Auch die Vorstellung, er könnte dement werden und für seine Familie nur noch eine Belastung sein, sei für ihn schrecklich.

Die deutschen Literatur-Nobelpreisträger

Theodor Mommsen (1817-1903) erhielt 1902 den Preis für seine "Römische Geschichte“. © dpa
Rudolf Eucken (1846-1926) erhielt 1908 den Nobelpreis für eine in zahlreichen seiner Werke vertretene ideale Weltanschauung. © dpa
Paul von Heyse (1830-1914) erhielt 1910 den Nobelpreis für das "von Auffassung geprägte Künstlertum". © dpa
Gerhart Hauptmann (1862-1946) erhielt 1912 den Nobelpreis für seine "reiche, vielseitige, hervorragende Wirkung auf dem Gebiet der dramatischen Dichtung". © dpa
Thomas Mann (1875-1955) erhielt 1929 den Nobelpreis für Literatur für seinen ersten Roman „Buddenbrooks“. © dpa
Hermann Hesse (1877-1962) erhielt 1946 den Literaturnobelpreis für sein Gesamtwerk. © dpa
Nelly Sachs (1891-1970) erhielt den Nobelpreis für Literatur „für ihre hervorragenden lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke interpretieren.“ © dpa
Heinrich Böll (1917-1985) erhielt 1972 den Preis “für eine Dichtung, die durch ihre Verbindung von zeitgeschichtlichem Weitblick und liebevoller Gestaltungskraft erneuernd in der deutschen Literatur gewirkt hat“. © dpa
Günter Grass (1927) erhielt 1999 den Preis, „weil er in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat“. © dpa
Die in Rumänien geborene Herta Müller (1953) ist die neue Nobelpreisträgerin. Die Königlich-Schwedische Akademie in Stockholm begründete ihre Auswahl unter anderem mit der Reinheit der Dichtung, die Müllers Werken innewohne. Müller zeichne "mittels der Verdichtung der Poesie und der Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit". © dpa

"Noch entsetzlicher wäre die Vorstellung, in dementem Zustand auch noch der Öffentlichkeit quasi vorgeführt zu werden - so wie es Walter Jens geschehen ist. Einer der peinlichsten Vorgänge, die ich je erlebt habe", sagte Grass. Der Tübinger Schriftsteller und Rhetorik-Professor Jens hatte lange Zeit an Demenz gelitten und war im Juni 2013 im Alter von 90 Jahren gestorben.

AFP

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