Gunter Sachs: Familie veröffentlicht Abschiedsbrief

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Gunter Sachs zeigt sich anlässlich seines 65. Geburtstages umringt von "Playboy-Bunnies" (Foto vom 17.07.1997).

Gstaad - Der Fotograf, Kunstsammler und Playboy Gunter Sachs ist tot. Der 78-Jährige hat sich in seinem Haus in Gstaad in der Schweiz erschossen. In einer Erklärung teilte seine Familie Gründe für den Freitod mit und veröffentlichte den Abschiedsbrief.

Der Abschiedsbrief von Gunter Sachs im Wortlaut

Gunter Sachs hat sich wegen einer “ausweglosen Krankheit“ das Leben genommen. Seine Familie bestätigte den Tod des 78-Jährigen am Sonntagabend in einer Erklärung. Sie veröffentlichte auch den Abschiedsbrief des Fotografen, Kunstsammlers und Playboys, wie es “sein persönlicher Wunsch“ gewesen sei. “Er war eine einmalige Persönlichkeit, die stets gradlinig und mit Herz für seine Familie und Freunde da gewesen ist“, heißt es in der Mitteilung, die im schweizerischen Gstaad verbreitet wurde, wo Sachs unter anderem ein Haus besaß.

"Ausweglose Krankheit"

Er habe erkannt, dass er “an der ausweglosen Krankheit A.“ erkrankt sei, schrieb Sachs in dem Abschiedsbrief, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. “Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben wäre ein würdeloser Zustand, dem ich mich entschlossen habe, entschieden entgegenzutreten“, heißt es in dem Brief, der von Gunter Sachs unterschrieben worden ist.  

Er stelle “heute noch in keiner Weise“ ein Fehlen oder einen Rückgang seines logischen Denkens fest, schrieb Sachs in seinem Abschiedsbrief. Eine wachsende Vergesslichkeit, die rapide Verschlechterung seines Gedächtnisses und seiner Bildung des Sprachschatzes würden aber schon jetzt zu “gelegentlichen Verzögerungen in Konversationen“ führen. “Jene Bedrohung galt mir schon immer als einziges Kriterium, meinem Leben ein Ende zu setzen.“ Am Ende des Briefes schrieb er: “Ich danke meiner lieben Ehefrau und meiner engsten Familie sowie meinen in tiefer Freundschaft verbundenen Weggefährten, mein Leben wundervoll bereichert zu haben.“

Urenkel von Adam Opel

Sachs, dessen erster Vorname Fritz war, wurde auf Schloss Mainberg bei Schweinfurt geboren. Noch vor Gunter Sachs' drittem Geburtstag trennten sich seine Eltern, und er wuchs, nach einiger Zeit im Waisenhaus, mit seinem älteren Bruder bei seiner Mutter, Elinor von Opel, in der Schweiz auf.

Sachs war von klein auf für Sensationen gut - mit 14 gewann er im Simultanschach gegen neun Lehrer seines Internats. Er studierte Mathematik und Wirtschaft, absolvierte eine Feinmechaniker- sowie eine Banklehre und erwarb schließlich noch ein französisches Dolmetscherdiplom. Bis in die sechziger Jahre vertrat er die Auslandsaktivitäten der Schweinfurter Sachs-Gruppe, die sein Bruder Ernst Wilhelm nach dem Tod des Vaters leitete.

Deutschlands einziger Playboy

Der Ururenkel des Opel-Gründers Adam Opel hatte sich als “Deutschlands einziger Playboy“ einen Namen gemacht. Seit im Sommer 1962 seine Liaison mit der persischen Exkaiserin Soraya Schlagzeilen machte, verfolgten die Fotografen ihn auf Schritt und Tritt. In den 60er und 70er Jahren gehörte er zum europäischen Jetset erster Güte. Sein Name fiel im Zusammenhang mit Promis wie Twiggy, Jean-Paul Belmondo, Alain Delon, Helmut Berger, Aristoteles Onassis oder Romy Schneider.

Er galt als Mitentdecker von St. Tropez, propagierte die freie Liebe und trumpfte mit seinen Liaisons und Affären auf, bis er 1966 die umschwärmte Filmdiva Brigitte Bardot in Las Vegas ehelichte. Seinem Ruf entsprechend hatte er die damalige Sexgöttin des französischen Films umworben, indem er unzählige rote Rosen auf ihr Grundstück regnen ließ. Drei Jahre später trennte sich das Glamour-Paar aus Gründen, die beide bis heute für sich behalten haben.

Im November 1969, einen Monat nach der Scheidung, heiratete Sachs das schwedische Fotomodell Mirja Larsson in dritter Ehe. Aus dieser Ehe stammen seine beiden Söhne Christian Gunnar und Claus Alexander.

“Ich muss immer schmunzeln, wenn ich das Wort "Playboy" im Zusammenhang mit meiner Person lese“, sagte er erst vergangenes Jahr der Nachrichtenagentur dpa. Aber: Es sei doch schön, dass er mit weit über 70 noch immer als “boy“ bezeichnet werde. “Mir würde etwas fehlen, wenn diese Bezeichnung plötzlich nicht mehr fallen würde". Ein “Playboy“ sei für ihn ein Mann, der mit seiner Ausstrahlung Frauen begeistere, ohne den Respekt vor ihnen zu verlieren. “Ich befürchte allerdings, dass es immer weniger echte Playboys gibt.“

Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben

Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben
Der Fotograf: Gunter Sachs in seinem Fotostudio in München im Jahr 2007. © dpa
Ein Archivbild aus dem August 1966 zeigt die franzoesische Filmschauspielerin Brigitte Bardot mit ihrem damaligen Ehemann, dem deutschen Industriellensohn und international bekannten Playboy Gunter Sachs © ap
Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben
Archivfoto vom 31.07.1966: Sachs mit der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot während des Fluges in ihre Flitterwochen von Mexiko nach New York. © dpa
Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben
Das Paar hatte glamourös geheiratet, ... © dpa
Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben
... war aber drei Jahre später schon wieder geschieden. © dpa
Brigitte Bardot und ihr damaliger Ehemann Gunter Sachs aufgenommen am 02.01.1967 während ihres Winterurlaubs in Gstaad in der Schweiz © dpa
Brigitte Bardot mit dem deutschen Industriellen Gunter Sachs, Ehemann Nummer drei, am 13. Juli 1966 in Las Vegas © dpa
Gunter Sachs anlässlich der Feier zu seinem 37. Geburtstag im Jahr 1969 in München. Seine Verlobte Mirja Larsson überreicht ihm einen Blumenstrauß im Biedermeier-Stil © dpa
Gunter Sachs und seine Frau Mirja bei ihrer Hochzeit am 27.11.1969 © dpa
Gunter Sachs in einem Drakula-Kostuem und Model Mirja Larsson in einem weißen Kleid betreten vor ihrer Trauung am 27.11.1969 zusammen mit Gunter Sachs' Sohn Ralf Sachs das Standesamt in St. Moritz © ap
Gunter Sachs in einem Drakula-Kostüm und Model Mirja Larsson in einem weißen Kleid sitzen nach ihrer Trauung am 27.11.1969 vor dem Standesamt in St. Moritz in einer Kutsche © ap
Gunter Sachs und seine Frau Mirja sitzen am Tag ihrer Hochzeit im Jahr 1969 in einem Rennbob und werden von Freunden durch die Straßen von St. Moritz geschoben © dpa
Fotograf Gunter Sachs trägt während der Hochzeitsreise in Rio de Janeiro im Jahr 1969 seine Frau, das Model Mirja Larsson, auf Händen © ap
Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben
Model und Ex-Ehefrau Mirja Larsson (l.) © ap
Gunter Sachs bei einer Unterhaltung mit einem Freund im Winter 1972 © dpa
Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Männermagazins "Playboy" 1997: Bunnys nehmen Gunter Sachs in ihre Mitte. Der ewige Playboy sagte damals selbst, dass es Lebemänner seines Kalibers nicht mehr gibt. Dennoch hat er nichts dagegen, dass man ihm mit dem Titel weiterhin belegt. © dpa
Der Fotograf Gunter Sachs lichtet die Schauspielerin Lilli Palmer im November 1983 in seinem Fotostudio in München für ihr Buch "Um eine Nasenlänge" ab © dpa
Gunter Sachs und seine Ehefrau Mirja bei einer Spritztour auf dem Motorrad auf ihrem Anwesen im französischen St. Tropez im Jahr 1992 © dpa
Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben
1997 stellte der studierte Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Sachs auf der Frankfurter Buchmesse sein Buch "Die Akte Astrologie" vor. Darin stellte er mit Hilfe der Statistik Zusammenhänge zwischen Sternzeichen und menschlichem Verhalten her. © dpa
Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben
Thomas Gottschalk mit seiner Thea (l) und Gunter Sachs mit Mirja (r) im Juli 1998 beim Besuch des Rolling Stones Konzertes im Münchner Olympiastadion. © dpa
Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben
Einer des letzten Auftritte von Gunter Sachs in der Öffentlichkeit: mit seiner Frau Mirja im Juli 2010 bei der Präsentation des neuen Bildbandes "ManniFeste"... © dpa
Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben
...bei Marianne zu Sayn-Wittgenstein-Sayn in den Garten des Landhauses der Fürstin bei Fuschel am Fuschelsee in Österreich. © dpa
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Auch dabei: Helga Rabl-Stadler (2.v.r.), Chefin der Salzburger Festspiele, Moderator Thomas Gottschalk und der Schauspieler Ben Becker (r) © dpa
Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben
Der Künstler: Vor einem seiner Bilder stehen Sachs und seine Ehefrau Mirja im Museum Frieder Burda. © dpa
Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben
Anlässlich der Eröffnung der Gunter Sachs-Retrospektive "Die Kunst ist weiblich" im Leipziger Museum der bildenden Künste 2008: Gunter Sachs (l) und Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt vor einer Fotografie von Sachs, auf der das Model Claudia Schiffer zu sehen ist. © dpa
Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben
Die letzte Enkelin des Rüsselsheimer Firmengründers Adam Opel, Elinor Kirchner von Opel, wurde am 31.März 1908 als Tochter des zweitältesten Opel-Sohnes Wilhelm geboren. © dpa
Gunter Sachs im Rahmen der Burda Live-Veranstaltungsreihe in den Medien Park Verlagen in Offenburg im Jahr 2008 © dpa
Gunter Sachs und seine Frau Mirja Larsson posieren 2008 in Offenburg bei ihrer Ankunft zur Bambi-Verleihung © dpa
Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben
Beim Interview im Jahr 2008: "Mit Sportwagen und teuren Anzügen kann man zwar auf sich aufmerksam machen, nachhaltig beeindrucken kann man Frauen damit aber nicht", sagte Sachs. © dpa
Gunter Sachs: Bilder aus seinem Leben
2001: mit seiner Frau Mirja (M) und seinem Sohn Claus Alexander bei der Trauerfeier für seine verstorbene Mutter auf dem alten Friedhof in Rüsselsheim. © dpa

Sachs' Leben wurde von Schicksalsschlägen begleitet. Sein Vater Willy, Inhaber der Kugellager- und Motorenwerke Fichtel & Sachs, hatte sich 1958 ebenfalls mit einem Schuss das Leben genommen. Seine erste Frau, Anne-Marie Faure war 1958 an den Folgen eines Narkosefehlers gestorben. Aus dieser Ehe stammt sein Sohn Rolf. Sein Bruder Ernst Wilhelm kam 1977 bei einem Lawinenunglück ums Leben.

Erfolg als Fotograf, Filmer und Kunstsammler 

Sachs machte sich später als Fotograf einen Namen: Seine Hauptmotive waren weibliche Akte und surreale Szenen. Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt und entpuppten sich oft als Zuschauermagneten. Sachs war 1974 Fotograf des offiziellen Plakats der Messe “Photokina“. Sämtliche Erlöse aus den Verkäufen der fotografischen Werke von Sachs kamen der Stiftung seiner Frau Mirja für Not leidende Kinder in aller Welt zugute.

Der Industriellensohn drehte auch Dokumentarfilme. Sein Wintersport-Film “Happening in White“ erhielt vor rund 40 Jahren den ersten Preis des Internationalen Olympischen Komitees.

1995 gründete er ein “Institut zur empirischen und mathematischen Untersuchung des möglichen Wahrheitsgehaltes der Astrologie in bezug auf den menschlichen Charakter“. Er selbst sah seine typischste Eigenschaft als Skorpion “mein Eulenspiegel-Zwinkern“. Sein Buch “Die Akte Astrologie“ brachte ihm nicht nur wohlwollende Kritiken ein.

Seine Schau “Die Kunst ist weiblich“ im Leipziger Museum der bildenden Künste sahen 2008 rund 53.800 Besucher. Die Rekordmarke für das Haus wurde erst zwei Jahre später von Neo Rauch übertroffen. Auch der Kunstsammler Sachs hatte im internationalen Vergleich eine Sonderrolle inne. Weil er zu Salvador Dalí, Yves Klein und Roy Lichtenstein enge persönliche Kontakte pflegte, zählte seine Sammlung zeitgenössischer Kunst zu den bedeutendsten in Europa.

Sachs stand zu seiner Vorliebe für die schönen Dinge des Lebens. “Ob Pfau oder Frau, Fauna oder Flora. Jeder präsentiert sich lieber attraktiv als unscheinbar“, sagte er 2009 anlässlich einer Ausstellung im Museum Frieder Burda.

Brigitte Bardot "am Boden zerstört"

Brigitte Bardot sei unterrichtet worden und “am Boden zerstört“. Sie habe in den letzten 20 Jahren ein sehr enges Verhältnis zu ihrem Ex-Mann behalten.

dapd/dpa

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