Jasmin Wagner im Interview: "Mehrzad tut keinem was"

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Jasmin Wagner hat es als Blümchen plötzlich wieder in die Charts geschafft - als Aushängeschild der Anti-DSDS-Bewegung

Hamburg - Mit einem 14 Jahre alten Blümchen-Song ist Jasmin Wagner zurück in die Charts gestürmt. Im Interview spricht die heute 30-Jährige über den unerwarteten Erfolg, über DSDS-Sieger Mehrzad und über Castingshows.

Die Anti-DSDS-Bewegung konnte nur einen Teilerfolg feiern: Internet-User wollten den Nummer-1-Erfolg des DSDS-Siegers Mehrzad verhindern. Doch der Castingshow-Gewinner stürmte mit "Don't Believe" trotzdem Platz 1. "Boomerang" von Blümchen landete auf Rang 7, "Stairway To Heaven" von Led Zeppelin sogar nur auf Rang 15.

Jasmin Wagner freut sich dennoch über den unerwarteten Erfolg ihres früheren Ichs. Im Interview mit unserem Portal spricht sie über DSDS und die Anti-Aktion.

Sie arbeiten inzwischen vor allem als Theater-Schauspielerin. Erfolgreich, aber fernab des ganz großen Rampenlichts. Hat Sie der neue Wirbel um Ihre Person überrollt?

Jasmin Wagner: Es überrascht einen natürlich, mit einem 14 Jahre alten Lied noch einmal in die Charts zu kommen. Das ist etwas, womit man überhaupt nicht rechnet und auch nicht rechnen kann. Die Überraschung war gelungen. Ich finde es toll, wenn Leute sich zusammentun und sagen: Wir haben die Kraft, uns zur Wehr zu setzen und ein Zeichen zu setzen.

Können Sie damit leben, wenn jemand "Boomerang" als Download gekauft hat, obwohl er ihn gar nicht gut findet - sondern nur um ein Zeichen zu setzen?

Wagner: Ich kann damit sehr gut leben. Es ist ja nicht so, dass ich bei Thomas Gottschalk auf der Couch saß und gesagt habe: Hey, Leute, macht alle mit! Es ist etwas, das ganz unabhängig von mir stattfindet.

Es geht also hier gar nicht um Sie?

Wagner: Ich sehe es zumindest nicht als Aufruf an mich, wieder Blümchen-Platten aufzunehmen. Wenn jemand einfach nur dagegen ist, dann kann er auch schon wieder dafür sein. Es ja auch egal. Politiker interessiert es im Endeffekt wahrscheinlich auch nicht, wieso sie gewählt werden. Sondern nur, dass sie gewählt werden.

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Was denken Sie heute, wenn Sie "Boomerang" hören oder gar das Video sehen?

Wagner: Es ist wie ein Fotoalbum durchzuschauen. Ich schaue das an und lächle mir so entgegen, meinem Ich vor 14 Jahren. Musik kann die Zeit ein bisschen einkapseln. Wenn jemand "Boomerang" hört, kann es sein, dass er sich an etwas erinnert aus der Zeit. Und für mich ist es genauso. Ein Flashback in die Vergangenheit. Diese Art Musik wollte von Anfang an nur unterhalten. Sie hat unheimlich viel Positives und Starkes und Lebensbejahendes und Kraftvolles. Das ist geblieben. Klar kann man darüber reden, ob die Klamotten jetzt sooooo toll waren.

Haben Sie denn die aktuelle Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" verfolgt?

Wagner: Kaum. Mir geht es da wie anderen Leuten auch. Von der ersten, zweiten, dritten Staffel war ich fasziniert. Ich erinnere mich, dass ich mal zu spät zum Finale unterwegs war und in allen Wohnzimmern das blau Eingefärbte gesehen habe. Das war wie bei Fußball-Endspielen. Mich hat es dann sehr schnell ermüdet.

Hatten Sie trotzdem einen Favoriten bei der aktuellen Staffel?

Wagner: Ich habe den Thomas Karaoglan ein paar Mal gesehen, der war wenigstens ein bisschen originell. Mehrzad ist ein guter Sänger, da kann man echt nicht meckern, oder? Meiner Ansicht nach soll die Aktion ja auch nicht Mehrzad persönlich treffen, sondern die ganze Maschinerie, das System, das dahintersteckt. Mehrzad hat einfach nur versucht, seine Chance zu nutzen. Ich habe das Gefühl, dass die Leute ihm schon Sympathien entgegenbringen. Ich bin auch schon gefragt worden, ob ich das nicht gemein finde.

Und? Finden Sie es gemein?

Wagner: Die Leute, die ihn unterstützen wollen, tun das auch. Es ist ja so eine David-gegen-Goliath-Aktion. Mehrzads Platten werden seit Monaten vorbereitet und werden von einem riesigen Sender unterstützt. Diese Boomerang-Bewegung hat erst vor zwei Wochen richtig Aufwind bekommen. Nach Mehrzads Nummer 1 wird es wohl so laufen wie in den anderen Fällen auch. Aber ich drücke ihm die Daumen. Mehrzad und ich werden uns keinen Dreck nachwerfen, weil wir beide nichts damit zu tun haben. Das passiert einfach mit uns. Mehrzad schwingen auch viele Sympathien entgegen. Der tut ja niemandem was.

Es gab eine zweite Anti-DSDS-Aktion mit "Stairway To Heaven". Nun ist Mehrzad auf Platz 1, Blümchen auf Platz 7 und Led Zeppelin auf Rang 15 ...

Wagner: Schlauer wäre es gewesen, wenn man kapiert hätte, dass es um den gemeinsamen Nenner geht. Ich finde es ein wenig schade, dass die Aktionen nicht koordiniert waren und man doch nicht so lässig ist wie man gerne wäre.

Was hätte denn die Privatperson Jasmin Wagner gekauft? Die Mehrzad-Single? "Boomerang"? Oder doch "Stairway To Heaven"?

Wagner: Ich kaufe mir keine CDs und auch keine Downloads. Ich habe die entspannteste Position in dem Spiel. Ich schaue mir einfach an, was passiert. Ich mache jetzt als Schauspielerin etwas ganz anderes. Es ist eine andere Bühnenarbeit, aber etwas, was mich unheimlich ausfüllt und fordert. Ich finde es für mich heute gut so. Ich hatte viele Jahre die Position, in der ich die Leute direkt entertainen konnte. Mit "Wo sind die Hände?" und den Sprüchen, die jeder auf der Bühne ans Publikum richtet. Ich finde es herrlich, dass ich jetzt nicht mehr direkt ins Publikum schaue. Und mich nicht mehr fragen muss, wie ich es schfaffe, besonders unterhaltsam zu sein.

Hätten Sie sich vielleicht eher gewünscht, dass man einen Song aus "Die Versuchung" genommen hätte? Ihrem ersten Album unter eigenem Namen von 2006?

Wagner: Nein, um Gottes Willen. Ich mag dieses Album, wie es ist. Es ging darum, ein Erstlingswerk als Jasmin Wagner zu machen. Ich bin davon überzeugt, dass durch diese Aktion viele erst davon erfahren, dass es diese Platte gegeben hat.

Finanziell dürfte Ihnen der neuerliche Erfolg von "Boomerang" nicht gerade schaden.

Wagner: Sobald Geld für Musik ausgegeben wird, wird das natürlich unter den Leuten aufgeteilt, die daran gearbeitet haben. Das ist auch 14 Jahre später so. Ich kenn mich nicht so gut aus mit Verträgen, aber neben mir gibt es noch viele andere Leute, die an dem Projekt arbeiten.

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