Diese Songs gehen immer noch unter die Haut

40 Jahre auf der Bühne: Interview mit Peter Maffay

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60 Jahre jung, 40 Jahre auf der Bühne: Peter Maffay feiert Jubiläum mit neuer CD.

Tutzing - 40 Jahre Karriere. 40 Jahre Lieder, die unter die Haut gehen. Zum Bühnenjubiläum in ­diesem Jahr hat Peter Maffay seine großen Hits noch einmal neu entdeckt.

Er präsentiert sie auf dem Album Tattoos, das am Freitag erscheint, und auf einer Tournee im Herbst in frischem Gewand. Für die CD haben Maffay und seine Band 15 Songs mit dem Wroclaw Score Orchestra aus Breslau (Polen) neu eingespielt – das Ergebnis ist ein Klassik-Rock-Mix (mit Schwerpunkt auf dem Rock), der das ewig junge Du aus dem Jahr 1970 genauso zeitgemäß und staubfrei klingen lässt wie das beinahe noch aktuelle Ewig (2008). Beim Interview in seinen Tutzinger Red-Rooster-Studios sprach ein blendend aufgelegter ­Peter Maffay, seit wenigen Monaten ein „Sechziger“, über seine Jubiläums-Projekte.

Musiker und Wohltäter: Peter Maffay seit 40 Jahren auf der Bühne

Peter Maffay im Jahr 1996... © mzv
... und bei einem Konzert im selben Jahr. © mzv
Peter Maffay 1999 bei der Pressevorstellung der Musical Produktion "Tabaluga und Lilli". © ap
Im August 2009 wurde Peter Maffay 60. Gleichzeitig feierte er sein 40-jähriges Bühnenjubiläum. © dpa
Er rockt die Bühne: Peter Maffay bei einem Konzert in Basel 2008. © dpa
Ausladende Gestik: Peter Maffay in der Philharmonie in München. © dpa
Ausladende Gestik: Peter Maffay in der Philharmonie in München. © dpa
Mit einem rund drei Stunden langen Konzert eröffnet der Rocksänger Peter Maffay im Mai 2005 im Bad Segeberger Freilichttheater seine Open-Air-Tournee. © dpa
Peter Maffay steht  beim Tourauftakt der "ewig Tour 2009" in der Philharmonie im Gasteig in München auf der Bühne. © dpa
Peter Maffay beim Hessentag in Langenselbold. © dpa
Peter Maffay beim Hessentag in Langenselbold. © dpa
Peter Maffay beim Hessentag in Langenselbold. © dpa
Yeah: Peter Maffay in Hannover. © dpa
Neben einem Plakat zum Musical "Tabaluga und Lilly" steht Peter Maffay im Juni 1997 in Oberhausen.  © dpa
Peter Maffay und das Tabaluga-Maskottchen. © dpa
Der Musiker Peter Maffay stellt 2006 in Tutzing das neue "Tabaluga Haus" vor. Die Mieteinnahmen gehen zu hundert Prozent in die Peter Maffay Stiftung. © dpa
Preisträger: Mit neuer Kurzhaarfrisur zeigt sich Rocksänger Peter Maffay 1997 bei der Entgegennahme des Bundesverdienstkreuzes aus der Hand von Bundespräsident Roman Herzog in Berlin. © dpa
Peter Maffay (li.) bekommt 2007 in der Residenz in München von Ministerpräsident Edmund Stoiber den Bayerischen Verdienstorden verliehen. © dpa
Ausgezeichnet: Bundespräsident Horst Köhler verleiht 2008 in Berlin den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an den Musiker Peter Maffay. © dpa
Peter Maffay erhält im Mai 2009 in Hamburg aus den Händen der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ursula von der Leyen (CDU), die Goldene Feder 2009 für seine musikalischen Erfolge sowie sein außerordentliches soziales Engagement. © dpa
Preisträger: Peter Maffay zeigt in Hamburg den zuvor erhaltenen "Bambi 2003". Der Musiker hat den vom Münchner Burda-Verlag verliehenen Preis in der Rubrik "Charity" erhalten. © dpa
Peter Maffay präsentiert 2009 den Platin Award, den er für sein Album "Ewig" erhalten hat, und den Gold Award für sein Tabaluga-Album in München. © dpa
Papst Benedikt XVI. reicht Peter Maffay auf dem Petersplatz in Rom die Hand (Aufnahme von November 2007). Deutschrocker Maffay hat für seine internationalen Kinderhilfsprojekte Unterstützung von Papst Benedikt XVI. erhalten. © dpa
Helfen geht durch den Magen: Peter Maffay backt 2007 im Sternstundenhaus in Peißenberg (Oberbayern) mit Kindern für einen guten Zweck Weihnachtsplätzchen. © dpa
Helfen geht durch den Magen: Peter Maffay und die Fantasiefigur Tabaluga zeigen sich 2001 in Berlin beim Grillen auf einem "Charity-Barbecue". Der Rockstar hatte die Benefiz-Aktion organisiert, bei der Prominente aus Musik, Show und Politik als Koch und Kellner für 600 zahlende Gäste arbeiten. Das Geld wird Kindern gespendet, die Opfer von Gewalt wurden. © dpa
Peter Maffay (li.) besucht 2005 deutsche Soldaten in Afghanistan. © dpa
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU, re.) trifft 2008 im Verteidigungsministerium in Berlin Peter Maffay zu einem Gespräch. Im Zentrum des Treffens standen die Erfahrungen, die Maffay bei einem Besuch bei den deutschen Soldaten in Afghanistan gemacht hat. © dpa
Rene Obermann (re.), Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, und der Musiker Peter Maffay unterhalten sich im März 2009 bei der Petersberger Convention - Zukunftskongress der Landesregierung auf dem Petersberg in Königswinter bei Bonn. © dpa
Der damalige SPD-Politiker Oskar Lafontaine (li.) und Peter Maffay unterhalten sich in Stuttgart am Rande des "Stimmen für Oskar"-Konzerts in der Schleyer-Halle (Foto vom 26.11.1990). © dpa
Peter Maffay mit Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (li.) beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung 2009. © dpa
Der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu (re.) und Peter Maffay in Bochum bei einer Pressekonferenz zum Projekt "Herausforderung Zukunft", einer internationalen Konferenz unter anderem zu den Themen Friedenssicherung, Kinderrechte und Umweltschutz. © dpa
Peter Maffay sitzt 2009 in Radeln (Rumänien) in der Kirchenburg. © dpa
Peter Maffay sitzt in Hamburg auf einem Harley-Davidson-Motorrad. © dpa
Peter Maffay hält 2002 auf der spanischen Ferieninsel Mallorca einen Salat und eine Zwiebel aus eigenem, ökologischen Anbau in der Hand. Der Musiker hat in seinem Wohnort Pollenca die "Peter Maffay Stiftung" ins Leben gerufen. © dpa
Peter Maffay steht 2004 vor der Küste Mallorcas bei Puerto Pollenca am Bug des Segelschiffes "Sir Robert Baden Powell" und gibt den Kurs vor. © dpa
Peter Maffay präsentiert kurz vor seinem 60. Geburtstag seine Biographie "Maffay - Auf dem Weg zu mir". © dpa
Sternenregen: Der Rocksänger Peter Maffay stellt 2002 in der Münchner Muffathalle sein neues Album "Tabaluga und das verschenkte Glück" vor. Der siebte Geburtstag des Drachens wurde mit all seinen Freunden und einer großen Party gefeiert. Am 30. August steht für Peter Maffay ein runder Geburtstag an: Er wird 60. © dpa

Was hat Ihnen Lust gemacht, all diese Hits noch einmal neu aufzunehmen?

Peter Maffay: Der ganz profane Anreiz war, dass wir alle der Meinung waren, dass wir dieses 40. Jubiläum irgendwie begehen sollten. Normalerweise bringst du dann eine schöne Best-of-Scheibe, ein toll aufgemachtes Boxset oder so etwas raus – aber darauf hatten wir keine Lust. Da hätte man nur Dinge, die schon passiert sind, neu aneinandergereiht, das wäre auch kein Aufhänger für eine Tournee gewesen, einfach nur ein „Best of Maffay“. Unspannend. Wir hatten dann die Idee, eine ganze Tour mit einem Orchester zu spielen – und damit nahm die Geschichte Fahrt auf. Daraus ist dann auch das CD-Projekt entstanden.

Wie kann man sich das ­vorstellen: Peter Maffay mit Orchester auf Tour? Frack und Fliege statt Jeans und ­Lederhose?

Maffay: Das war auch die erste Frage der Leute vom Wolfsburger Volkswagen-Orchester, mit dem wir unterwegs sind: „Was sollen wir anziehen?“ Ich haben ihnen gesagt: „Wir können gern über einen Look sprechen – aber einen gibt es ganz bestimmt nicht, nämlich Pinguine.“ Ich kann und will auch meine Jungs von der Band nicht dazu verdonnern, sich zu verkleiden, das wären nicht mehr wir. Jeder geht so, wie er sich am besten fühlt, so wie immer. Und auch unsere Fans müssen keine Angst vor einem Klassikabend im Frack haben. Das wird ganz entspannt und casual, ohne Bestuhlung im Parkett.

Entspannt, casual, ohne großen Klassik-Pomp – so klingt auch die CD.

Maffay: Natürlich, das gehört zusammen, mit dieser Vorstellung sind wir auch an die Gestaltung der Songs gegangen. Als wir die Orchesterspuren aus Polen bekommen haben, klangen die Stücke noch völlig anders als jetzt, üppiger und opulenter, viel zu aufgeregt. Ein, zwei solche Stücke kannst du beim Anhören verkraften, aber 15 hintereinander, das macht dich platt. Am Ende sind von den Arrangements vielleicht noch 50 Prozent übrig geblieben. Da schreit und jammert der Arrangeur dann ein bisschen, weil er Künstler ist, wie wir auch, aber am Ende einigt man sich auf eine wunder­bare Lösung, mit der wir jetzt sehr happy sind und die perfekt zu uns passt. Das Orchester bringt eine Qualität, die wir nicht erzeugen können – aber die Band dominiert das Orchester und nicht umgekehrt. Ich hätte mich in den A… getreten, wenn es diese typische „Maffay goes Classic“-Nummer geworden wäre.

Fanden Sie es auch künstlerisch spannend, noch mal „Du“ und „Über sieben Brücken“ zu singen?

Maffay: Das ist ungefähr so wie mit der Liebe und dem Essen. Beides ist nicht immer gleich gut und gleich schön – aber trotzdem gibt es immer wieder den Augenblick, in dem man es ganz besonders genießt. So ist es auch mit der Musik und diesen Liedern. Ein guter Song lässt sich in vielen Varianten erzählen – und ich glaube, wir haben spannende Ansätze gefunden, um noch einmal neu an die Stücke heranzugehen. Bei den Sieben Brücken singt ein Kinderchor mit, bei dem die Kids aus lauter Eltern hervorgegangen sind, die eine Ost-West-Beziehung hatten, das passt wunderbar zur Geschichte dieses Karat-Songs. Für Du haben wir als einziges Lied das damalige Original-Arrangement benutzt, und ich habe mir in den Kopf gesetzt, in der gleichen Tonlage zu singen wie vor vierzig Jahren. Ich habe die dreifache Zeit gebraucht wie damals, bin bei den hohen Tönen ganz schön auf den Fußspitzen gestanden und habe mich gequält. Aber beim Singen, da bist du plötzlich wieder 19.

In einigen Songs schwingt eine gehörige Portion Ironie mit.

Maffay: Na klar, sonst kannst du das gar nicht machen. Wenn ich heute, mit 60, Und es war Sommer ­singe, mit der Zeile „Ich war 16 und sie 31“, dann kannst du das nur mit einem Augenzwinkern singen, die gute Frau muss ja mittlerweile fast 90 sein. Oder der Sprechteil von Du, den ich zum ersten Mal auf Platte selber spreche – auf der damaligen Aufnahme war es ja Michael Kunze. So etwas funktioniert heute nur, wenn du es mit einer guten Portion Humor bringst.

Sind Sie mittlerweile mit „Du“ versöhnt, der, pardon, Schnulze, die Sie so lange verfolgt hat?

Maffay: Ja, durchaus. Am Anfang habe ich dieses Lied geliebt, denn es hat mir die Türen geöffnet. Dann habe ich es verdammt und gesagt, ich kann diesen Schrott nicht mehr hören. Heute kann man es wieder spielen. Und das Lustige ist: Wenn es Amerikaner oder Engländer hören, die keine Ahnung von der Diskussion um Du haben, sagen sie oft einfach nur: „What a song!“ Peter Orloff hat ein geiles Stück geschrieben!

Jörg Heinrich

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