70 Jahre Ringo Starr: Ruhestand nicht in Sicht

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Ringo Starr wird 70 Jahre alt.

Frankfurt/Main - Ein Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood, eine Fernseh-Doku und ein neues Album: Ringo Starr wird zwar schon 70 Jahre alt, doch von Ruhestand kann auch 2010 keine Rede sein.

Der Trubel um den Geburtstag des berühmten Beatles-Gitarristen zeigt, dass er auch ein halbes Menschenalter nach Auflösung der “Fab Four“ weder vergessen noch sein Ruhm verblasst ist. Starr hat den Aufstieg vom tristen Arbeiterviertel Dingle in Liverpool bis zur exklusiven Hotelsuite in Beverly Hills geschafft. Manchmal ist er arg ins Straucheln geraten, und er hat sich auch beinahe wie Who-Drummer-Kollege Keith Moon totgesoffen. Seit 22 Jahren aber rührt er Alkohol und Drogen nicht mehr an. Und seinen trockenen Humor hat der Beatles-Spaßvogel nie verloren. Auch wenn er am 7. Juli sein siebtes Jahrzehnt abschließt: Ringo ist noch immer dieser schräge Hippie, bei dessen jungenhaftem Charme und Humor niemand auf die Idee kommt, ihn “alt “ zu nennen.

Die Beatles - ein Mythos

George Harrison, Paul McCartney, John Lennon und im Hintergrund am Schlagzeug Ringo Starr (von links nach rechts). Am 24.6.1966 war es soweit: The Beatles traten im Münchner Circus Krone-Bau vor deutschem Publikum auf. © dpa
So berichtete die HNA am 25. Juni 1966 über den ersten Deutschland-Auftritt der Beatles. © 
Im Beatles Museum in Halle/Saale sind Miniaturen der Beatles zu sehen. © dpa
Die Beatles bei ihren Auftritt im Münchner Circus Krone Bau am 24.06.1966. © dpa
Die Beatles nach der Verleihung des Ordens MBE (Member of British Empire) durch die englische Königin im Saville Theatre in London im November 1965. © dpa
Posthume Ehre: George Harrison bekommt 2009 einen Stern - gehalten von seiner Witwe Olivia Harisson - auf dem Walk of Fame in Los Angeles. © dpa
Die Beatles begeistern live. © dpa
Und im Jahr 1964 © dpa
...und als begehrtes Fotoobjekt. © dpa
Die Beatles in New York: Als sie 1964 dort auftraten, waren sie die ersten britische Gruppe in Neu-England. Damit begann im Musikgeschäft die so genannte "britische Invasion". © dpa
Paul McCartney mit Vollbart 1969. © dpa
Ringo Starr auf dem Cover von "The Beatles Book" 1965. © dpa
Wer viel arbeitet, darf auch mal Urlaub machen: Patti Boyd und das Beatles-Mitglied George Harrison auf Barbados (undatiert). © dpa
Paul McCartney bei einem (undatierten) Auftritt in London. © dpa
Die frühen Jahre: George Harrison (von links), Paul McCartney, John Lennon and Ringo Starr. © dpa
Entspannt: Paul McCartney und John Lennon auf einem Foto von 1967.  © dpa
In Hamburg: Ringo Starr (von links), Paul McCartney, George Harrison und John Lennon. © dpa
Strawberry Fields im New Yorker Central Park: Hier ist der Gedenkstein für den in der Nähe ermordenten John Lennon eingelassen.  © dpa
Der "späte" George Harrison (1988). © dpa
Das Stern-Titelblatt aus dem Jahr 1965 zeigt "Die vier Frauen der Beatles". © dpa
Die Beatles Paul McCartney (von links), George Harrison, John Lennon und Ringo Starr mit den Orden "Member of the Order of the British Empire". © dpa
Liebespaar: Yoko Ono und John Lennon. © 
Die legendäre Abbey Road in London. Noch heute stellen Passanten das Cover des "Abbey Road Albums" nach.  © 
Der Eingang zum Jacaranda Club in Liverpool. Dort trat die weltberühmte © dpa
Am 25. Juni 1966 begeisterten die Pilzköpfe ihre Fans in der Essener © dpa
Liverpool 1965 in der Beatles-Euphorie: Jugendliche suchen ihre Chance im © dpa
Die Mitglieder der britischen Popgruppe The Beatles, (von links) Paul © dpa
Die Beatles waren bei ihren Fans sehr beliebt und mussten auch schon mal flüchten. © dpa
Immer auf Tour. Die Beatles spielten weltweit Konzerte. Hier steigen sie am 15. März 1965 in Salzburg aus dem Flieger. © dpa
Die Frauen waren verrückt nach den Pilzköpfen. © dpa
Mit diesen alten Aufnahmegeräten nahmen die Beatles in den Londoner Abbey Road Studios ihre Songs auf. © dpa
Auf jeder Party war das Quartett gern gesehen. © dpa
In diesem Liverpooler Haus verbrachte John Lennon seine Kindheit Dessen Witwe Yoko Ono kaufte es nach dem Tod ihres Mannes. © dpa
Auch heute stehen Beatles noch vereinzelt auf der Bühne. Hier ein Bild aus der Hamburger ColorLine Arena vor dem Konzert von Paul McCartney am 2. Dezember 2009. © dpa
Ein Paar, das für viele Schlagzeilen sorgte: John Lennon und Yoko Ono. © dpa
Paul McCartney singt während eines Gedenkkonzerts für seine verstorbene Frau Linda. © dpa
Auf diesem Foto rocken die Beatles bei einem Auftritt im Londoner Lyris Theatre. © dpa
Nach einer Meditationsübung folgen die Beatles ihrem Guru Maharishi Mahesh Yogi. © dpa
Am 9.10.2000 eröffnete Lennon-Witwe Yoko in Tokio ein Museum zu Ehren ihres ermordeten Mannes. © dpa
Voller Stolz zeigen die Pilzköpfe auf diesem Foto ihre Orden "Member of the Order of the British Empire" in die Kamera, die ihnen von der britischen Königin verliehen wurden. © dpa
Cooler Typ: Ringo Starr bei einer Pressekonferenz am 28.9.1976 in Hamburg. © dpa

Ringo Starkey hat perfekt in das Quartett gepasst, das mit langen Haaren und unbekümmert charmanten Popsongs die Welt eroberte. 1962 stieß Starr für den wegen seiner unzulänglichen Schlagtechnik gefeuerten Pete Best als Schlagzeuger zu den damals schon berühmten Beatles. Tausend Mal wurde schon gesagt, dass er der musikalisch am wenigsten begabte Beatle war, tausend Mal wurde auch bezweifelt, ob er überhaupt ein guter Schlagzeuger ist. Was aber alles auch nichts bringt; Ringo war das joviale Herz der “Fab Four“, der Clown, der die Beatles zu einer herzerfrischend anderen Band machte. In deren ersten beiden Spielfilmen, “A Hard Days Night“ und mehr noch bei “Hi-Hi-Hilfe!“ (“Help“) rettete Ringo mit seinem Komiker-Talent die Aneinanderreihung von Gags. Ringo ist sarkastisch, ohne zu verletzen, er kann mit einem Scherz Spannungen in Luft auflösen - was unerhört wichtig bei dem Stress gewesen sein dürfte, dem die Beatles bis zu ihrer Auflösung 1970 ausgesetzt waren.

Du bist der größte Schlagzeuger der Welt

Und überhaupt: Paul McCartney, der überlebensgroße der beiden noch lebenden Ex-Beatles, hat es ihm 1969 per Postkarte bestätigt: “Du bist der größte Schlagzeuger der Welt. Wirklich.“ Die Postkarten, die die anderen Beatles Ringo auch nach dem Ende der Band noch schickten, hat er vor einiger Zeit zufällig bei einem Umzug in einem Schuhkarton gefunden. Seit den Liverpooler Tagen hatten die anderen gewusst, dass er gerne Postkarten bekommt - je weiter weg, umso besser. Zwei Songs hat Ringo für die Beatles geschrieben, die auch tatsächlich auf Alben veröffentlicht wurden: “Octopus's Garden“ und “Don't Pass Me By“.

Lead-Sänger durfte er etwas öfter sein: “With A Little Help From My Friends“ und “Yellow Submarine“ waren Beatles-Hits; Rock'n'Roll-Nummern wie “Honey Don't“ und “Boys“, Country-Balladen wie “What Goes On“ bewiesen hinreichend, dass er nicht ganz so talentfrei war. Ringo, als Schlagzeuger mit einem perfekten Timing ausgestattet, hat zwar immer ein bisschen Hilfe benötigt: Solohit “Photograph“ schrieb er mit George Harrison, bei “It Don't Come Easy“ spielte Harrison mit und “Back Off Boogaloo“ wurde von dem Ex-Beatles-Gitarristen produziert. Diese drei Lieder waren seine größten Hits; nach den 70ern sank Starr, was die Plattenverkäufe angeht, in die Bedeutungslosigkeit ab.

Neues Album “Y Not“

Parallel zur zunächst vielversprechenden Solokarriere als Musiker versuchte sich Starr in den 70ern auch als Filmschauspieler - vom Spaghetti-Western “Blindman“ bis zu Frank Zappas “200 Motels“ und Ken Russels “Lisztomania“. 1980 nahm er eine Rolle in “Caveman“ an, die Dialoge bestanden aus Grunzen. Bei den Dreharbeiten lernte er seine zweite Frau Barbara Bach kennen, mit der er seit 1981 verheiratet ist. Aus der ersten, 1975 geschiedenen Ehe mit Maureen Cox stammen zwei Söhne und eine Tochter. Sohn Zak, der bei Moon trommeln lernte, war schon mal Schlagzeuger bei den Who und bei Oasis. Dank Zak wurde Ringo als erster der Beatles Großvater. Mit Barbara Bach führte Starr bis 1988 ein ausschweifendes Jet-Set-Leben. Dann machten beide in den USA eine Alkoholentziehungskur.

Dass sich Starr in absehbarer Zeit zur Ruhe setzt, ist nicht zu erkennen. Erst Anfang des Jahres kam wieder ein neues Album von ihm, “Y Not“, auf den Markt. Zudem zieht Starr seit Jahren immer wieder mal mit seiner All-Starr Band durch die Hallen der Welt, so auch 2010. Die Termine im Tour-Kalender sind dicht gedrängt. An seinem Geburtstag wollte er in der Radio City Music Hall in New York auftreten. An Ehrungen fehlt es nicht bei seinem Geburtstag. Die zweite Staffel einer US-Fernsehserie über berühmte Künstler (“Live From the Artists Den“ - “Live aus der Höhle des Künstlers“) beginnt in diesen Tagen mit einer Folge über Starr; im New Yorker Metropolitan Museum of Art ist seine goldene Trommel ausgestellt. Ringo, das Arbeiterkind aus Liverpool, der trockene Alkoholiker, er ist auch mit 70 noch präsent - und nach wie vor beliebt.

dapd

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