"Goodbye und Gottes Segen"

Joe Cocker ist tot! Trauer um Rock- und Soul-Legende

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Mit Joe Cocker hat die Rockwelt einen ihrer ganz Großen verloren.

London - Wer seine Stimme gehört hat, vergisst sie nicht: Joe Cocker gehörte über Jahrzehnte zu den markantesten Figuren der Rock-und Soulszene. Am Montag verlor der gebürtige Brite den Kampf gegen den Lungenkrebs.

Er schuf Hymnen des Rhythm n'Blues, er hatte eine Stimme wie ein Reibeisen. Und er machte mit seinen Live-Auftritten Millionen zu seinen Fans. Joe Cocker, der Rocker mit der vielleicht markantesten Stimme seiner Generation und der unzweifelhaft eigenwilligsten Körpersprache auf der Bühne, ist tot. Weltweit trauern Fans um einen der größten Musiker der vergangenen Jahrzehnte. Cocker starb im Alter von 70 Jahren in seinem Haus in Colorado, wie sein Management am Montag bekanntgab.

Seine Plattenfirma Sony Music bestätigte Medienberichte, wonach Joe Cocker den Kampf gegen den Lungenkrebs verlor. „Sein Erfolg begann 1964 und hält bis heute an“, heißt es in dem Statement. „Joe hat fast 40 Alben geschaffen und ist massiv um die Welt getourt.“

Durchbruch beim Woodstock-Festival 1969

Joe Cockers Hits haben einen festen Platz im Kulturgut der Rockmusik. Beim Woodstock-Festival 1969 wurde der gelernte Klempner aus dem nordenglischen Arbeiterstädtchen Sheffield berühmt, als er den Beatles-Hit „With A Little Help From My Friends“ neu interpretierte, mit dem er schon ein Jahr zuvor die britischen Charts gestürmt hatte. Seine Armbewegungen machten ihn auch optisch zum Unikum. „Die habe ich von Ray Charles kopiert“, gab er später zu.

Zuvor hatte er sich nach der Arbeit auf den Bühnen der Clubs seiner Heimatstadt durchgeschlagen. Danach folgten Welthits wie „Unchain My Heart“ oder die unvergessene Ballade „Up Where We Belong“ im Duett mit Jennifer Warnes. Der Song aus dem Film „Ein Offizier und ein Gentlemen“ wurde 1983 mit einem Grammy und mit dem Oscar ausgezeichnet.

Letztes Album 20212 veröffentlicht

Trotz seiner Krankheit hatte sich Cocker, der seine amerikanische Ehefrau Pam, eine Stieftochter und zwei Enkel hinterlässt, bis in die letzten Wochen seines Lebens der Musik hingegeben. „Wir wollen Ende des Jahres unsere neue CD aufnehmen, die 2015 herauskommen soll“, hatte der Wahlamerikaner noch im Mai in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur erklärt. Sein letztes Album zu Lebzeiten hatte er 2012 unter dem Titel „Fire It Up“ herausgebracht.

Joe Cockers Karriere und die Gesundheit des Musikers hatte wie bei vielen seiner Kollegen auch unter Alkohol- und Drogeneskapaden in den 1970er Jahren gelitten. Einmal musste er sogar ins Gefängnis. Konzerte fielen aus, die Karriere brach ein. Doch Cocker gab nie auf. „Meine Frau Pam hat mir das Leben gerettet“, sagte er einmal.

Joe Cocker: Das waren seine größten Hits

With A Little Help From My Friends © dpa
Delta Lady © dpa
Cry Me A River © dpa
You Are So Beautiful © dpa
„I'm So Glad, I'm Standing Here Today“ (mit The Crusaders) © dpa
When The Night Comes © dpa
N'Oubliez jamais © dpa
Unchain My Heart © dpa
Up Where We Belong“ (mit Jennifer Warnes) © dpa
You Can Leave Your Hat On © dpa

Sein Umfeld schätzte Cocker als geradlinigen Typen ohne Star-Allüren. „Er ist immer derselbe Mensch geblieben“, sagte sein Agent Barry Marshall nach dem Tod. „Es wird unmöglich sein, seinen Platz in unseren Herzen zu füllen.“

Weggefährten trauern um Joe Cocker

Ex-Beatle Paul McCartney zollte Cocker unmittelbar nach seinem Tod Tribut. „Ich liebe seine Lieder. Als er „A Little Help From My Friends“ coverte, war ich hin und weg - er hat den Song zu einer Soul-Hymne gemacht. Ich bin für immer dankbar.“ Sein Kollege Bryan Adams sagte es noch deutlicher: „Du warst einer der besten Rocksänger aller Zeiten“.

Auch Ex-Beatle Ringo Starr trauert um Joe Cocker. „Goodbye und Gottes Segen für Joe Cocker von einem seiner Freunde. Friede und Liebe“, schrieb Ringo Starr am Montag auf Twitter.

Der kanadische Musiker Bryan Adams postete: „Ruhe in Frieden, mein guter Freund“, so der 55-Jährige am Montag auf Twitter. „Du warst einer der besten Rocksänger aller Zeiten.“

Das Leben von Joe Cocker in Stichworten

- geboren am 20. Mai 1944 als John Robert Cocker in Sheffield, England

- Ausbildung zum Gasinstallateur

- als Jugendlicher erste Auftritte mit der Band Vance Arnold and the Avengers

- 1963 eröffnet die Band als Vorgruppe ein Konzert der Rolling Stones

- 1968 internationaler Durchbruch mit „With A Little Help From My Friends“, einer Coverversion der Beatles

- 1969 umjubelter Auftritt beim Woodstock-Festival

- 1983 Grammy Award und Oscar für Duett „Up Where We Belong“ mit Jennifer Warnes

- weltweite Erfolge mit Songs wie „Unchain My Heart“, „N'Oubliez jamais“, „You Are So Beautiful“

- 1987 Hochzeit mit Pam Baker; eine Stieftochter, zwei Enkelkinder

- gestorben am 22. Dezember 2014 im US-Bundesstaat Colorado

Trauer um Jürgens und Cocker: Die Toten des Jahres 2014

Udo Jürgens, Robin Williams oder Joachim Fuchsberger: Große Künstler, Sportler und Politiker haben uns im Jahr 2014 verlassen. In unserem Jahresrückblick gedenken wir der verstorbenen Persönlichkeiten dieses Jahres.  © dpa
Toten des Jahres 2014
05. Januar: Eusébio da Silva Ferreira (71): Der Portugiese, kurz Eusébio genannt, spielte 15 Jahre für Benfica Lissabon. 1965 wurde der „Schwarze Panther“ zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. © dpa
Toten des Jahres 2014
11. Januar: Ariel Scharon (85): Der israelische Ministerpräsident der Jahre 2001 bis 2006 galt den einen als Kriegstreiber, den anderen als Nationalheld. Er ließ sein Land einzäunen und befahl den Rückzug aus dem Gaza-Streifen, ehe er 2006 ins Koma fiel. © dpa
Toten des Jahres 2014
20. Januar: Claudio Abbado (80): Als Dirigent an der Mailänder Skala, der Wiener Staatsoper und bis 2002 der Berliner Philharmoniker wurde er zur Legende. Zuletzt überzeugte der Italiener mit Aufführungen seines Luzern Festival Orchestra. © dpa
Toten des Jahres 2014
22. Januar: Fred Bertelmann (88): Mit mehr als 40 Millionen verkauften Platten war er einer der erfolgreichsten deutschen Schlagersänger. „Der lachende Vagabund“ war einer seiner größten Hits. © dpa
Toten des Jahres 2014
1. Februar: Maximilian Schell (83): Für seine Rolle in „Das Urteil von Nürnberg“ bekam der gebürtige Wiener 1962 den Oscar. Insgesamt wirkte der Schauspieler in rund hundert Filmen mit. Im Fernsehen moderierte er Geschichtssendungen. © dpa
Toten des Jahres 2014
2. Februar: Philip Seymour Hoffman (46): Der Durchbruch gelang dem US-Schauspieler mit der Rolle des Schriftstellers Truman Capote, für die er 2006 den Oscar bekam. Seine Heroinsucht wurde ihm zum Verhängnis. © dpa
Toten des Jahres 2014
10. Februar: Shirley Temple (85): Als Kinderstar war die US-Schauspielerin ein Kassenmagnet der 1930er Jahre. Als die Kinokarriere endete, ging sie in die Politik. Sie brachte es zur UN-Delegierten und Botschafterin der USA. © dpa
Toten des Jahres 2014
17. März: Mareike Carrière (59): Die Schauspielerin war den Fernsehzuschauern vor allem durch ihre Rollen im "Großstadtrevier " und "Praxis Bülobogen" bekannt. Die Schwester des ebenfalls bekannten Schauspielers Mathieu Carrière war aber auch in zahlreichen Filmen zu sehen. © dpa
Toten des Jahres 2014
17. März: L'Wren Scott (49): Die Lebensgefährtin von Mick Jagger (Rolling Stones) machte sich in Hollywood als Model, Modedesignerin und Stylistin einen Namen. © dpa
Toten des Jahres 2014
7. April: Peaches Geldof (25): Das britische Fotomodel machte regelmäßig Schlagzeilen wegen ihres Drogenkonsums. Vor ihrem Tod hatte erneut einen Heroin-Rückfall. © dpa
Toten des Jahres 2014
29. April: Bob Hoskins (71): Vor allem in Nebenrollen sah man den britischen Schauspieler in unzähligen Filmen, unter anderem "Meerjungfrauen küssen besser", "Manhattan Love Story" oder "Snow White and the Huntsman". © dpa
Toten des Jahres 2014
1. Mai: Heinz Schenk (89): Der Entertainer präsentierte 21 Jahre lang bis 1987 die ARD-Fernsehshow „Zum Blauen Bock“. Der Humorist verfasste Hunderte Lieder, Witze und Gedichte. © dpa
Toten des Jahres 2014
29. Mai: Karlheinz Böhm (86): Als Kaiser Franz Joseph in den „Sissi“-Filmen wurde der Deutsch-Österreicher in den 1950er Jahren berühmt. 1981 gründete er seine Stiftung „Menschen für Menschen“ zum Kampf gegen die Armut in Äthiopien. © dpa
Toten des Jahres 2014
12. Juni: Frank Schirrmacher (54): Der Publizist und Mitherausgeber der FAZ stieß politische Debatten in Deutschland an. Sein erster Bestseller war „Das Methusalem-Komplott“ zur Überalterung der Gesellschaft. © dpa
Toten des Jahres 2014
07. Juli: Eduard Schewardnadse (86): Der letzte sowjetische Außenminister gilt als Wegbereiter der deutschen Wiedervereinigung. Als Präsident Georgiens scheiterte er und wurde 2003 gestürzt. © dpa
Toten des Jahres 2014
16. Juli: Karl Albrecht (94): Als Mitbegründer der Discount-Kette Aldi schrieb er Wirtschaftsgeschichte. Wie sein 2010 verstorbener Bruder Theo zählte der Milliardär zu den reichsten Deutschen. © dpa
Toten des Jahres 2014
18. Juli: Dietmar Schönherr (88): Bekannt als Schauspieler wurde der Österreicher als Commander des Raumschiffs Orion. Im Fernsehen moderierte er die Shows „Wünsch Dir was“ und „Je später der Abend“. © dpa
Toten des Jahres 2014
11. August: Robin Williams (63): Mit Filmen wie „Good Morning, Vietnam“ oder „Der Club der toten Dichter“ gelang dem US-Mimen der Durchbruch an die Spitze. Für „Good Will Hunting“ erhielt er einen Oscar als bester Nebendarsteller. © dpa
Toten des Jahres 2014
12. August: Lauren Bacall (89): Die Hollywood-Schönheit wurde als Partnerin von Humphrey Bogart bekannt, den die Amerikanerin auch heiratete. Zu ihren wichtigsten Filmen zählen „Haben und Nichthaben“ und „Wie angelt man sich einen Millionär?“. © dpa
Toten des Jahres 2014
16. August: Peter Scholl-Latour (90): Der deutsche Journalist bereiste Kriegs- und Krisengebiete in aller Welt. Das erfolgreichste seiner über 30 Bücher war „Der Tod im Reisfeld“ über den Indochina-Krieg. © dpa
Toten des Jahres 2014
24. August: Richard Attenborough (90): Der britische Schauspieler feierte Welterfolge, etwa in „Gesprengte Ketten“ oder „Jurassic Park“. Seine Regiearbeit „Gandhi“ gewann acht Oscars. © dpa
Toten des Jahres 2014
3. Oktober: Peer Augustinski (74): Mitte der 70er Jahre wurde der Schauspieler durch seine Auftritte in der Sketcheserie "Klimbim" bekannt. Anschließend folgten zahlreiche TV-Rollen, z. B. in "Ein Fall für zwei", "Dereck", "Der Alte" oder "Das Traumschiff". Als Synchronsprecher gab er unter anderem Robin Williams, Jean Reno und Tim Allen seine Stimme. © dpa
Toten des Jahres 2014
11. September: Joachim Fuchsberger (87): Die unter dem Spitznamen bekannte Fernsehlegende "Blacky" wurde spätestens als Inspektor in Edgar-Wallace-Krimis berühmt. Ebenso erfolgreich war Fuchsberger als Moderator und Tplauderte sich durch Shows wie „Auf los geht's los“ oder „Heut' abend“. Der Schauspieler „Blacky“ wurde spätestens als Inspektor in Edgar-Wallace-Krimis berühmt. © dpa
Toten des Jahres 2014
07. Oktober: Siegfried Lenz (88): Der gebürtige Ostpreuße schrieb Dutzende Romane, Erzählungen und Essays. Sein erster großer Erfolg war „So zärtlich war Suleyken“. Sein wichtigstes Werk, der Roman „Deutschstunde“, setzt sich mit der Nazizeit auseinander. © dpa
Toten des Jahres 2014
20. Oktober: Óscar de la Renta (82): Geboren in der Dominikanischen Republik nahm der weltberühmte Designer später auch die us-amerikanische Staatsbürgerschaft an. Er zählte zu den einflussreichsten Modeschöpfern des 20. Jahrhunderts, kleidete First Ladies wie Jackie Kennedy und Laura Bush ein und war unter anderem für seine Brautmode berühmt. © dpa
Toten des Jahres 2014
26. Oktober: Senzo Meyiwa (35): Der Fußball-Torhüter der südafrikanischen Nationalmannschaft wurde von Einbrechern angeschossen und erlag später seinen schweren Verletzungen. Berichten zufolge, wurde er getroffen, als er sich schützend vor seine Freundin stellte. © dpa
Toten des Jahres 2014
19. November: Mike Nichols (83): Der oskarprämierte US-Regisseur war eine Ikone seines Fachs. Berühmt machten ihn Filme wie „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ mit Elizabeth Taylor und Richard Burton oder „Die Reifeprüfung“ mit Dustin Hoffman. © dpa
Toten des Jahres 2014
5. Dezember: Königin Fabiola (86): Doña Fabiola-Fernanda-Maria de las Victorias Antonia-Adelaïda Mora y Aragónist - wie die gebürtige Spanierin mit vollem Namen hieß - starb im Alter von 86 Jahren. Durch ihre Hochzeit mit dem damaligen belgischen König Baudouin im Jahr 1960 wurde sie zu Belgiens Königin. Nach dessen Tod führte sie den Titel auch als Witwe weiter. © dpa
Toten des Jahres 2014
10. Dezember: Ralph Giordano (91): Der Schriftsteller und streitbare Publizist, der als Sohn einer Jüdin nur knapp dem Holocaust entgangen war, galt als einer der profiliertesten Kämpfer gegen jede Form von Antisemitismus und Rechtsextremismus. © dpa
21. Dezember: Udo Jürgens (80): Völlig überraschend stirbt die Schlager-Legende an Herzversagen. Bei einem Spaziergang bricht er plötzlich zusammen, eine Wiederbelebung verläuft erfolglos. Seine Hits wie "Merci Chérie" bleiben unsterblich. © dpa
Toten des Jahres 2014
22. Dezember: Boxtrainer Fritz Sdunek (67): Als Trainer der Klitschko-Brüder und Felix Sturm brachte er seine Schützlinge zu einigen WM-Titeln. © dpa
22. Dezember: Der britische Rocksänger Joe Cocker ist tot. Der Musiker starb im Alter von 70 Jahren. © dpa

dpa

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