Johannes Heesters: Christian Wulff kränkt ihn fast tödlich

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Johannes Heesters (107) hatte so auf eine Aussöhnung mit den Niederlanden gehofft

Berlin - Jopi Heesters ist so gekränkt, dass sein Agent sich Sorgen um sein Leben macht. Der Grund: Heesters wurde von einem Staatsbankett mit der niederländischen Königin Beatrix wieder ausgeladen.

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Jopi Heesters wird 107

Schock für Johannes Heesters: Der greise Schauspieler steht nun doch nicht auf der Gästeliste eines Staatsbanketts, das Bundespräsident Christian Wulff am 12. April zu Ehren der niederländischen Königin Beatrix gibt. “Die Ausladung ist für ihn eine persönliche Katastrophe, nahezu lebensbedrohend in seinem Zustand und Alter“, sagte sein Berliner Theateragent Jürgen Ross dazu am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa.

Das hätte nicht passieren dürfen, meint Ross. “Dann hätte man ihn erst gar nicht einladen sollen.“ Ausdrücklich hatte der Agent beim Protokoll zurückgefragt, als die Einladung kam. “Wir wissen, wen wir einladen“, habe es dort geheißen. Erst danach ist Heesters über die Einladung ins Schloss Bellevue informiert worden.

“Wir haben das auch so verstanden als große menschliche Geste diesem Mann gegenüber“, sagt Theateragent Ross. Johannes Heesters hatte sich so darauf gefreut, endlich auch “seiner“ Königin Beatrix gegenüberzustehen, wenn sie Berlin besucht. “Nach langen Jahren der offiziellen Ablehnung meiner Person durch Amtsvertreter meines Heimatlandes ist für mich ein großer Lebenswunsch in Erfüllung gegangen“, schrieb der mittlerweile 107 Jahre alte Heesters überglücklich auf seiner Internet-Homepage.

Jopie Heesters - seine große Karriere

Johannes Heesters war ein Dandy. In den 30er und 40er Jahren lagen ihm die Frauen zu Füßen. Klicken Sie sich durch seine Lebensgeschichte. © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Gegen den Kuss einer hübschen Frau hat der gebürtige Niederländer nichts einzuwenden. © dpa
In mühevoller Kleinarbeit werden die alten UFA-Filme von der Friedrich Murnau Stiftung restauriert. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Filme als Kulturgut zu erhalten. © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Die Frauen schmolzen bei diesem Blick dahin. Johannes Heesters war der Frauenschwarm schlechthin. © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
Am 05. Dezember 1903 erblickte der Entertainer in dem niederländischen Amersfoort das Licht der Welt. © ap 
Johannes Heesters mit Ehefrau Simone Rethel. © ap
Auf seine Zigaretten verzichtet Jopie bis heute nicht. Zwei bis drei am Tag dürfen es schon sein. © ap
Bis heute trifft der Sänger und Schauspieler jeden Ton. © ap
Kleine Abstriche an das Alter musste Johannes Heester trotz allem machen. Er ist fast erblindet und hört schlecht. © dpa
Auf der Bühne fühlt sich der Entertainer zu Hause. © dpa
Im Zirkus Krone gemeinsam mit dem legendären Clown Oleg Popow. © dpa
Damals waren Gentleman noch gefragt. Ein Dandy war dafür bekannt, die Herzen der Frauen mit Leichtigkeit zu erobern. © ap
Als Kaiser Franz Joseph von Österreich. © dpa
Ausstellung mit alten UFA-Filmplakaten. © dpa
Als „Gott“ in „Jedermann“. Eine schwierige Rolle. © dpa
Verzaubert als Franz Joseph nicht nur die „Sisi“. © dpa
Ehren-Bambi: Bis zu seinem Lebensende erhält Jopie Heesters in jedem Jahr einen Ehrenbambi. Die Hubert Burda Media hat ein offizielles Versprechen gegeben. © dpa
Alte UFA-Filme erstrahlen dank digitaler Technik in neuem Glanz. © dpa
Ein Küsschen in Ehren...Johannes Heesters ist nicht abgeneigt. © dpa
Heute kann sich kaum noch ein Zuschauer vorstellen, wie es zur Zeit der schwarz/weiß Filme war. © dpa
Johannes Heesters gemeinsam mit Ehefrau Simone und zwei seiner Ur-Enkel. © dpa
Mit Margarethe Schmitz (l) und Romana Rombach als „Graf von Luxemburg“. © dpa
Die alten UFA-Filme müssen in mühevoller Kleinarbeit restauriert werden. Digital coloriert behalten sie einen wunderschön nostalgischen Charme. “Im weissen Rössl“ lief zuletzt beim SWR. © dpa
Zu Gast bei „Wetten dasss...?!“ © dpa
Mit Inge Meisel: Mit der verstorbenen Schauspielerin verband den Entertainer eine innige Freundschaft. © dpa
Da können sich die „Jungen“ eine Scheibe abschneiden! Johannes Heesters im Fitnessstudio. © dpa
100 Jahre, gerade hatte der Schauspieler ein Comeback mit dem Lied: „Die Kraft meines Lebens!“ © dpa
In Lehárs Operette “Die lustige Witwe„ verzaubert er wieder einmal die Damen-Welt. © dpa
„Die lustige Witwe“ heute sind Operetten größtenteils von Musicals abgelöst worden. © dpa
Die „DPA“ gratuliert Johannes Heesters zum 106. Geburtstag mit einem wunderschönen Strauss Tulpen. © dpa
Bis in die 80er Jahren galt es nicht als anstößig, wenn die Männer in den Filmen Whiskey tranken und die Frauen rauchten. Heute ist das Fernsehn klinischer geworden. © dpa
Liebevoll restauriert: Filmplakate aus der UFA-Zeit. © dpa
Zwei UFA-Legenden unter sich: Johannes Heesters mit Kollege Heinz Rühmann. © dpa
Johannes Heesters hat viele Ehrungen erhalten. © dpa
Johannes Heesters erinnert sich gerne an die Zeit als junger Frauenschwarm zurück. © dpa
Noch immer schmelzen Frauen bei Jopie dahin. © ap
UFA-Stars unter sich. Die glanzvollen Zeiten der alten Filmindustrie sind schon lange dahin. © ap
Ein Gemälde zu Ehren seines Jubiläums. © ap
Auch der ehemalige Ministerpräsident Franz Joseph Strauß gehörte zu Jopies Freunden. © ap
Heesters und seine Frau Simone Rethel-Heesters stehen im Oktober 2011 während der Gala zum 50-jährigen Bestehen der Kleinen Komödie im Bayerischen Hof in München auf der Bühne. © dpa
Heesters feiert am 5. Dezember 2010 in Alboth's Restaurant im Kaisersaal in Erfurt seinen 107. Geburtstag. © dpa
Heesters feiert am 5. Dezember 2010 in Alboth's Restaurant im Kaisersaal in Erfurt seinen 107. Geburtstag, seine Frau Simone Rethel posiert mit ihm für Fotografen. © dpa
Heesters und seine Frau Simone Rethel-Heesters stehen am 31. Oktober 2011 während der Gala zum 50-jährigen Bestehen der Kleinen Komödie im Bayerischen Hof in München auf der Bühne. © dpa
Heesters und Eva Probst während einer Theaterprobe "Ein gesegnetes Alter" von Curth Flatow am 22. Mai 1996 in Berlin. © dpa
Der österreichische Sänger und Schauspieler Peter Alexander (M.) steht am 21. Oktober 1970 zwischen seinen Gästen Anneliese Rothenberger und Johannes Heesters. © dpa
Jopie Heesters zeigt im Dezember 2010 auf der Bühne im Kaisersaal in Erfurt mit einer Geste, dass seine Stimme noch fit ist. © dpa
Jopie Heesters hält im Dezember 2010 neben seiner Frau Simone Rethel im Kaisersaal in Erfurt den gerade erhaltenen Ehren-Bambi. © dpa
Heesters steht im Dezember 2010 mit seiner Frau Simone Rethel im Kaisersaal in Erfurt. Mit einer großen Gala "Jopi - die 107. Revue" wird hier Heesters 107. Geburtstag gefeiert. © dpa
Heesters zeigt im Dezember 2010 auf der Bühne im Kaisersaal in Erfurt mit einer Geste seine Kämpfernatur. Mit einer großen Gala "Jopi - die 107. Revue" wird hier Heesters 107. Geburtstag gefeiert. © dpa
Heesters singt im Dezember 2010 auf der Bühne im Kaisersaal in Erfurt. Mit einer großen Gala "Jopi - die 107. Revue" wird hier Heesters 107. Geburtstag gefeiert. © dpa

Wegen seiner Karriere in Nazi-Deutschland - er war auch Hitlers “Lieblings-Danilo“ in der “Lustigen Witwe“ - galt der Sänger und Schauspieler, eine der größten Operetten-Legenden des 20. Jahrhunderts, in seiner Heimat lange als “unerwünschte Person“.

Zu einer ersten Annäherung kam es durch ein Theatergastspiel in seiner Heimatstadt Amersfoort im Februar 2008, bei dem es allerdings auch Proteste eines “Aktionskomitees Heesters raus“ gegeben hatte. Der Auftritt wurde getrübt von einem verunglückten Interview mit einem holländischen TV-Sender, in dem sich der mittlerweile erblindete und fast taube Heesters unglücklich und missverständlich über Hitler äußerte.

Nun sollte der “offizielle Friedensschluss“ mit dem holländischen Königshaus kommen, für Heesters auch ein persönlicher Frieden mit seiner Seele gegen Ende eines so langen Lebens. Umso größer der Schock über die Absage, die am Montag per Post in einem lapidaren Schreiben kam, das man Heesters zunächst vorenthielt. Man habe nicht mit so vielen Zusagen gerechnet und bedauere sehr, Heesters und andere “wegen der sehr begrenzten Anzahl der Plätze“ nicht berücksichtigen zu können, hieß es laut Ross in der Begründung des Protokolls sinngemäß. “Das weiß man doch vorher“, ereifert sich der Theateragent, “und da ruft man doch wenigstens mal an, um die peinliche Situation zu erläutern“.

Offenbar hat auch der unselige Besuch des Ensembles des Münchner Gärtnerplatztheaters, zu dem Heesters gehörte, 1941 im KZ Dachau wieder seinen langen Schatten geworfen. Heesters hat den Besuch, der auch in einem Fotoalbum dokumentiert ist, nie bestritten, aber stets beteuert, dort nie aufgetreten zu sein, was andere behaupteten. “Ich schwöre es bei meiner Familie - es ist nicht wahr!“, aber: “Ich schäme mich, dass es den Nazis gelungen war, uns dorthin zu locken.“

Heesters' Frau Simone Rethel war bei Recherchen 2006 auf das Fotoalbum gestoßen, das sie auch vollständig in dem Heesters-Buch “Ein Mensch und ein Jahrhundert“ veröffentlichte. Ein Auftritt war nirgends dokumentiert, Heesters ist in Hut und Mantel zu sehen. “Mein Mann ist im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen immer auf Distanz zu den braunen Machthabern geblieben“, betonte Simone Rethel.

dpa

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