Marihuana, Raserei, Ohnmacht

Justin Bieber leidet am Erwachsenwerden

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Justin Bieber ist gar nicht mehr so brav, wie am Anfang seiner Karriere.

New York - Lange Zeit war Justin Bieber ein braver Teenie-Star - inzwischen liefert der 19-Jährige Negativschlagzeilen. Beobachter glauben, der Popstar durchläuft einen normalen Prozess: Er wird erwachsen.

Vor vier Jahren noch musste Justin Bieber lediglich harmlose Fragen über seine Frisur beantworten. Inzwischen sieht sich der Popstar genötigt, Berichte zurückzuweisen, wonach er eine Entziehungskur braucht. Bei einem Auftritt in London hatte der 19-Jährige Atemprobleme, fiel hinter der Bühne in Ohnmacht und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Dann wurde er bei einer Auseinandersetzung mit einem Paparazzo gefilmt. Tage zuvor war er von seinen Fans ausgebuht worden, weil er zu spät zu einem Konzert erschien. Und im Internet tauchten Fotos auf, die ihn beim Rauchen von Marihuana zu zeigen scheinen.

Einige Kommentatoren fragen bereits, ob Bieber eine Krise ähnlich der durchmacht, die vor einigen Jahren die Popsängerin Britney Spears erlebte. Andere sind der Ansicht, dass seine Verfassung nicht ungewöhnlich ist: Er ist eben einfach ein Teenager. Donnie Wahlberg, der als 14-Jähriger Ende der 80er Jahre mit der Band New Kids on the Block berühmt wurde, sagt, der Druck sei für ihn als Jugendlichen damals groß gewesen. „Justin Bieber macht Fehler, die jeder macht, und er probiert vermutlich Dinge aus und erkundet Dinge, die die meisten Leute in seinem Alter erkunden, aber das Problem ist, dass ihm 50 Paparazzi hinterherjagen, wenn er es tut“, sagt der 43-jährige Wahlberg. „Wenn wir 19 oder 20 sind, glauben wir, wir könnten es mit der Welt aufnehmen, und wir vergessen, dass noch eine Menge Leben vor uns liegt.“

Weder Bieber, sein Manager noch seine Mutter reagierten auf Interviewanfragen. Aber nach seinem Zusammenbruch hinter der Bühne der O2-Arena war der Druck, der auf ihm lastet, offensichtlich. Auf Instagram schrieb der Grammy-nominierte Sänger, dass er die „unzähligen Lügen in der Presse“ leid sei und er sich nicht in eine Entziehungskur begebe. „Ich habe mehr erreicht, als ich mir je hätte erträumen können, ich bin 19, und es muss manchen Leuten Angst machen zu glauben, dass dies erst der Anfang ist“, schrieb er. „Ich bin ein guter Mensch mit einem großen Herzen. . All das ist nicht leicht. Ich werde manchmal wütend. Ich bin menschlich. Ich werde Fehler machen.“

Fehler scheinen für Bieber neu zu sein: Seit er mit 15 seinen Durchbruch hatte, erreichten fünf seiner Alben Platz eins der US- Billboard Charts, fast 20 Songs kamen unter die Top 40. Er ging mehrmals auf Welttournee, er machte einen höchst erfolgreichen 3-D-Film über sein Leben und vermarktet seine eigenen Puppen, Nagellack und Düfte. Auf Facebook hat er mehr als 50 Millionen „Gefällt mir“-Klicks, auf Twitter folgen ihm über 36 Millionen Nutzer. Hat er da noch Zeit, ein Jugendlicher zu sein?

Nick Carter, der als wildester der Backstreet Boys galt, war zu Beginn von deren Karriere in den 90er Jahren zugleich ihr jüngstes Mitglied. Er erinnert sich daran, völlig überarbeitet gewesen zu sein und sich nach einem normalen Leben gesehnt zu haben. „Ich war müde und ausgebrannt“, sagt er. „Aber du hast Manager, und die Plattenfirma . und dann, bevor du dich versiehst, regt sich der Künstler auf und revoltiert gegen sie, und dann landest du in einer Situation wie dieser“, erklärt Carter mit Blick auf Bieber. Freunde und Kindheit kämen zu kurz. „Du siehst, wie deine Schulfreunde älter werden, und bei dir heißt es: 'Oh, ich muss zurück auf Tour.'“

Seine negative Haltung sei schließlich auch aufs Geschäft durchgeschlagen. Junge Sänger müssten daher zweimal über ihr Verhalten nachdenken, auch, wenn sie nervlich am Ende seien. „Ich habe mir wahrscheinlich die Chance für einen bestimmten Film verbaut, für den ich vorgesprochen habe, denn ich kam zu spät und die Leute schauten mich an, als hätte ich keinerlei Respekt vor ihnen. Dabei stand ich einfach neben mir“, sagt Carter. Inzwischen halte er sich von Alkohol fern und versuche, ein guter Mensch zu sein. Er arbeite seit Jahren hart daran, die Fehler von damals wieder gutzumachen, und das sei schwierig.

Bei Bieber wurden erste Probleme im vergangenen Jahr öffentlich bekannt: Während eines Konzert in Arizona übergab er sich zwei Mal auf offener Bühne, wegen zu schnellen Fahrens wurde er in Los Angeles vor Gericht geladen. Und Ermittler in Los Angeles vernahmen ihn, weil es zwischen ihm und Paparazzi zu einer Rangelei gekommen sein soll. Die Paparazzi hatten versucht, ihn und seine damalige Freundin Selena Gomez beim Verlassen eines Kinos zu fotografieren.

So schnuckelig ist Justin Bieber

Justin Bieber, geboren am 1. März 1994, wuchs ohne Vater bei seiner alleinerziehenden Mutter in Ontario, Kanada auf. Seinen deutschen Nachnamen verdankt er seinem Ur-Großvater väterlicherseits. Der lebte in Berlin, bevor er auswanderte.  © dpa/ap
Seine Gesangskünste stellte der damals 13-Jährige erstmals 2007 unter Beweis. Damals lud er mehrere selbst gedrehte Videos bei YouTube hoch. Darin gab er Coverversionen von Usher, Ne-Yo und Stevie Wonder zum Besten. Innerhalb kürzester Zeit erlangte das Einzelkind weltweite Berühmtheit. © dpa/ap
Als 12-Jähriger hatte er bereits "just for fun" an einem lokalen Talentwettbewerb teilgenommen und den zweiten Platz belegt. Das gab ihm genug Selbstvertrauen, um seine Videos der breiten Öffentlichkeit im Internet zugänglich zu machen. © dpa/ap
Entdeckt wurde er schließlich von seinem späteren Manager Scooter Braun. Zusammen mit Justin Bieber flog er nach Atlanta, um ihn seinen Kollegen aus der Musikbranche vorzustellen. © dpa/ap
Der 13-Jährige war ein Glücksgriff. Denn Bieber konnte nicht nur gut singen, sondern hatte sich selbst auch noch eine Reihe von Instrumenten beigebracht. Er kann unter anderem Schlagzeug, Gitarre, Trompete und Klavier spielen. © dpa/ap
Deshalb war es auch nicht schwer, einen Förderer für den Kanadier zu finden. Sowohl Justin Timberlake als auch Usher wollten mit dem Wunderknaben zusammenarbeiten. Bieber entschied sich für Usher - und unterschrieb im Oktober 2008 seinen ersten Plattenvertrag bei Island Records. © dpa/ap
Mit seiner ersten Single "One Time" schaffte er es im Juli 2009 auf den zwölften Platz der kanadischen Billboard-Charts und belegte in den US-Charts den 17. Platz. Sein Debütalbum "My World" erreicht in seiner Heimat Kanada Platz 1 der Albumcharts. Kurze Zeit später erlangt die CD Platin-Status. © dpa/ap
Inzwischen belegt Justin Bieber, der 2011 seinen 17. Geburtstag feierte, den dritten Platz der "einflussreichsten Promis auf der ganzen Welt". Nur Oprah Winfrey und Lady Gaga kann er in diesem Ranking noch nicht das Wasser reichen. © dpa/ap
In den vergangenen zwölf Monaten hat der Teenie-Schwarm 53 Millionen Dollar verdient. Und auf Twitter folgen über 10 Millionen Menschen dem Superstar und lesen seine Postings. © dpa/ap
Kein Wunder, denn der Junge versteht es, sich zu vermarkten: Er hat neben den üblichen Fan-Artikeln wie T-Shirts und Bettwäsche auch eine eigene Nagellack-Linie, ein Parfüm und eine Justin-Bieber-Puppe auf den Markt gebracht. © dpa/ap
Doch wie jede Medaille hat auch der Ruhm zwei Seiten: Zwar hat der Sänger viele Vorzüge - wie hier auf dem Bild, wo er beim NBA All-Star Spiel in der ersten Reihe sitzen darf - eine normale Jugend bleibt ihm allerdings verwährt. Auf Schritt und Tritt begleiten ihn Kameras oder belagern ihn Fans. © dpa/ap
Die Mädchen liegen Justin Bieber zu Füßen. Bei öffentlichen Auftritten und Konzerten fallen seine weiblichen Fans oft reihenweise in Ohnmacht. Doch obwohl das Gekreische manchmal sicher anstrengend ist, kümmert sich der 17-Jährige rührend um die Teenies - wie hier bei einem Fan-Interview in Rotterdam. © dpa/ap
Seit er sich jedoch öffentlich mit Selena Gomez zeigt und mehrere Paparazzi-Bilder die beiden wild knutschend am Strand von Hawaii zeigen, ist die Liebe mancher Fans in Hass umgeschlagen. Über Twitter schickten ihm fanatische Fans Morddrohungen. Die skurrilen und aggressiven Attacken richten sich dabei sowohl gegen den 17-Jährigen als auch gegen seine hübsche Freundin. © dpa/ap
Das hält Justin Bieber aber nicht davon ab, sich für andere Menschen einzusetzen. Dieses Bild zeigt ihn mit japanischen Kindern, die nach dem schweren Erdbeben und dem darauffolgenden Tsunami ihre Heimat verlassen mussten. © dpa/ap
2011 ist der Teenie-Star erwachsen geworden - zumindest Frisurtechnisch: Er tauschte seine Kult-Frisur (Wuschel-Haarschnitt) gegen eine seriösere Kurzhaarfrisur. © dpa/ap
Seine abgeschnittene Lockenpracht ließ er von Talk-Masterin Ellen DeGeneres bei eBay versteigern. Der stolze Erlös: 40.000 Dollar - natürlich für einen guten Zweck. © dpa/ap
Auch sein Look ist erwachsener geworden. Ob in elegantem Schwarz... © dpa/ap
...oder ganz in Weiß mit schwarzer Schleife. © dpa/ap
Aber er kann natürlich auch den Rocker raushängen lassen © dpa/ap
Und gibt vor allem auf der Bühne richtig Gas © dpa/ap
Nach getaner Arbeit relaxt der Sänger in T-Shirt und mit Mütze auf dem Kopf bei guter Musik aus den stylischen Kopfhörern - wie hier am Flughafen auf den Philippinen. © dpa/ap
Auf der Bühne gibt er sich gerne cool,... © dpa/ap
..flirtet mit seinen Fans... © dpa/ap
...und ist stets darauf bedacht, dass sein Styling nicht ruiniert wird © dpa/ap

Was Bieber durchmache, gehöre zum Erwachsenwerden dazu, sagt Bill Werde, Chefredakteur des Magazins „Billboard“. Dies unter den Augen der Öffentlichkeit zu tun, sei hart. „Er wird entscheiden müssen, ob er das will oder nicht.“

Carter und Wahlberg halten sich mit Ratschlägen an Bieber zurück. „Er wird tun, was er will“, sagt Carter. „Mir passierte in seinem Alter dasselbe - es ist Macht. Deine Eltern sagen dir 'Bitte tu dieses nicht, bitte tu jenes nicht', und du schaust sie an und sagst 'Wer seid ihr? Ich bin ich.'“

AP

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