"Ich bin heute Nacht vergewaltigt worden"

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Der Prozess im Fall Kachelmann geht weiter.

Mannheim - Jörg Kachelmann hat bei seiner Festnahme nach Aussage von Polizeibeamten keine emotionale Reaktion gezeigt - auch nicht als er den Haftbefehl mit dem Vorwurf der Vergewaltigung sah. 

Der Fall Kachelmann

Video: Kachelmann schweigt vor Gericht

Kachelmanns Verteidiger schalten auf Angriff

Kachelmann-Prozess: Anklage verlesen

Das sagten am Mittwoch zwei Polizeibeamte vor dem Landgericht Mannheim aus, wo sich Kachelmann verantworten muss. Dem 52-jährigen TV-Moderator wird vorgeworfen, am 9. Februar 2010 seine langjährige Freundin in ihrer Wohnung vergewaltigt zu haben, nachdem sie sich wegen seiner Beziehungen zu anderen Frauen von ihm trennen wollte. Kachelmann bestreitet das und spricht von einer Falschanschuldigung.

Am dritten Prozesstag wurde nun erstmals der Notruf übertragen, der am 9. Februar um 8.11 Uhr bei der Polizei einging. Dort meldete sich zunächst der Vater des mutmaßlichen Tatopfers und sagte: “Ich gebe Ihnen meine Tochter.“ Sie nannte ihren Namen und sagte mit leicht zitternder Stimme: “Ich bin heute Nacht vergewaltigt worden und weiß nicht, was ich jetzt machen soll.“

Auf die Nachfrage des Polizeibeamten von wem, antwortete sie: “Von“ und fügte nach längerer Pause hinzu: “Von meinem Freund.“ Der Name Kachelmanns fiel erst später bei ihrer Vernehmung. Auf die Frage des Polizisten nach ihrem Befinden, antwortete sie: “Ich bin okay“ Kachelmann war an diesem 9. Februar auf dem Weg zu den olympischen Spielen in Vancouver, um dort Wettervorhersagen zu machen. Die Staatsanwaltschaft sah an diesem Tag davon ab, seinen Abflug zu verhindern und ihn festzunehmen, weil das mutmaßliche Tatopfer erst einmal vernommen worden war. Der Rückflugtermin Kachelmanns war längere Zeit ungewiss. In Heidelberg folgten dann medizinische Untersuchungen und danach weitere Vernehmungen der Frau.

Auch ihr Handy und der Computer wurden später sichergestellt und durchsucht. Dabei kam heraus, dass das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer Kachelmann noch zweimal im März anrief. Sie erklärte das der Polizei damit, dass sie sicher sein wollte, dass er noch im Ausland ist. Als Kachelmann dann von Vancouver aus nach Frankfurt flog, kamen acht Polizeibeamte aus Hessen und Baden-Württemberg auf den Frankfurter Flughafen, beobachteten ihn bei der Gepäckausgabe und der herzlichen Begrüßung einer Freundin am Flughafen. Als er im Parkdeck zusammen mit ihr in seinen Wagen einsteigen wollte, wurde er festgenommen. Die Freundin reagierte nach der Aussage eines Polizeibeamten “mit Entsetzen.“ Der damalige Beschuldigte Kachelmann habe keine Empörung gezeigt. Die Festnahme ist nach Angaben der zwei Polizeibeamten ruhig verlaufen. Am Mittwochnachmittag soll die bei der Festnahme anwesende Freundin vernommen werden.

Im Kachelmann-Prozess gab es am Mittwoch einen Schlagabtausch zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft will zwei der von der Verteidigung benannten Privatgutachter als befangen ablehnen. Man einigte sich jedoch darauf, zunächst drei Polizeibeamte zu vernehmen und erst danach die Befangenheitsanträge zu stellen.

Weiter lehnte es der Vorsitzende Richter Michael Seidling und seine Strafkammer ab, auf die Vernehmung der anderen Freundinnen Kachelmanns zu verzichten. Den entsprechenden Antrag der Verteidigung lehnte das Gericht ab. Es bleibt auch bei der vorgesehenen Reihenfolge, dass die Hauptbelastungszeugin erst Ende Oktober vernommen wird.

Die Strafkammer begründete das mit den Zeitproblemen eines Gutachters, der die Hauptbelastungszeugin bei ihrer Aussage beobachten soll. Da der Gutachter erst Ende Oktober erscheinen könne, habe die Vernehmung der früheren Freundin so spät terminiert werden müssen. Die von Kachelmann benannten und im Gericht anwesenden Privatgutachter ließ das Gericht zu. Die Strafprozessordnung sehe das im Sinne eines fairen Verfahrens vor.

dapd

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