Urteil

Gericht verteilt Millionenerbe von Ex-Kaiserin Soraya

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Die persische Ex-Kaiserin Soraya (Archivbild vom 18. Juni 1997) ist im Jahr 2001 verstorben.

Köln - Soraya, Kaiserin von Persien - manche Ältere kommen da immer noch ins Schwärmen. 13 Jahre nach dem Tod der „Märchenkaiserin“ hat jetzt ein Gericht in Köln über einen Teil ihres Erbe entschieden.

13 Jahre nach dem Tod der einstigen persischen Kaiserin Soraya hat ein Kölner Gericht über einen Teil ihres Millionenerbes entschieden. Gemäß dem am Mittwoch veröffentlichten Urteil vom Dienstag gehen rund 4,5 Millionen Euro an gemeinnützige Organisationen in Frankreich.

Soraya war in den 50er Jahren mit dem später gestürzten Schah Mohammed Reza Pahlavi verheiratet und weltweit als „Märchenkaiserin“ berühmt, ehe die Ehe wegen Kinderlosigkeit geschieden wurde. 2001 starb Soraya Esfandiary Bakhtiary in Paris. Um ihr Vermögen streiten seitdem unter anderem drei gemeinnützige Organisationen und die Erben ihres kurz nach ihr gestorbenen Bruders. Das Landgericht befand in seinem Urteil, dass 4,5 Millionen Euro aus ihrem Nachlass den drei Organisationen zustünden (Aktenzeichen 2 O 534/13).

Das Kölner Gericht ist in der Sache zuständig, weil Sorayas Bruder in Köln lebte und auch dessen Nachlassverwalter ein in Köln tätiger Anwalt ist. Soraya selbst hatte ein Jahr vor ihrem Tod die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen und liegt in München begraben. Sie hatte eine deutsche Mutter und war in Berlin aufgewachsen.

1991 hatte sie testamentarisch bestimmt, dass ihr bewegliches Vermögen in Frankreich - hauptsächlich Schmuck sowie die Einrichtung ihrer Pariser Wohnung - versteigert werden solle. Der Erlös solle dem französischen Roten Kreuz, einem französischen Tierschutzverein und einer französischen Vereinigung, die sich für die Rechte von Behinderten einsetzt, zugutekommen. Dies galt aber nur, falls ihr Bruder ohne eheliche Kinder sterben sollte.

2013 verklagten die drei gemeinnützigen Organisationen die nicht genannten Erben des Bruders auf Auszahlung des Versteigerungserlöses von 4,5 Millionen Euro. Die Erben wehrten sich jedoch. Der Nachlasspfleger argumentierte, auch außereheliche Kinder des Bruders könnten nach islamischen Vorstellungen als ehelich betrachtet werden, was Soraya auch so gesehen habe. Er verwies auf ihre Memoiren, in denen es heiße, ein Mann könne „nach religiösen Gesetzen hundert Ehefrauen“ haben, und alle Kinder, die er in solchen Ehen zeuge, egal ob die Ehen eine Stunde oder 30 Jahre Bestand hätten, seien als ehelich anzusehen und hätten dieselben Rechte. Auch im heutigen Iran können Paare eine sogenannte Zeitehe schließen - für nicht mehr als eine halbe Stunde.

Das Kölner Landgericht vertrat allerdings die Ansicht, dass es auf das islamische Rechtsverständnis in diesem Fall nicht ankomme. Es verwies darauf, Soraya habe in ihrem Testament festgelegt, dass die Ehelichkeit der Kinder nach deutschem Recht beurteilt werden solle. Damit habe sie klargestellt, dass religiöse Vorstellungen hier nicht maßgeblich seien. Da ihr Bruder nie verheiratet gewesen sei, könne er nach deutschem Recht keine ehelichen Kinder gehabt haben. Also gehe das Geld an die gemeinnützigen Organisationen.

Gegen das Urteil kann Berufung beim Oberlandesgericht Köln eingelegt werden. In einem anderen in Köln anhängigen Verfahren geht es um die Frage, wer sich überhaupt als Erbe des Bruders betrachten kann.

dpa

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