Medienskandal?

Dänische Königsfamilie von Reportern abgehört?

+
Das Klatschblatt "Se og Hør" wusste stets am besten über die dänische Königsfamilie (Foto) Bescheid.

Kopenhagen - Über das dänische Königshaus wusste das Klatschblatt „Se og Hør“ stets alles - die Dänen wittern einen Abhörskandal. Ein Buch eines Ex-Reporters brachte den Stein ins Rollen.

Es geht um angebliche Späh-Aktionen gegen das Königshaus: Ein Roman eines ehemaligen Boulevardreporters über Tricks einer Klatschzeitung hat in Dänemark die Polizei auf den Plan gerufen. Was Ken B. Rasmussen, früher Mitarbeiter der Wochenzeitung „Se og Hør“, in dem am Dienstag erschienenen Buch beschreibt, sei mehr als Fiktion, meint die Zeitung „Berlingske Tidende“. Danach soll das Blatt Promis und Royals jahrelang über deren Kreditkartennutzung ausspioniert haben. Die Polizei prüft nun, Ermittlungen einzuleiten.

Mit Hilfe eines IT-Experten sollen Reporter zum Beispiel erfahren haben, wo der dänische Prinz Joachim und seine Frau ihre Flitterwochen verbrachten. Auch der frühere dänische Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen sei ausgespäht worden. Der Spezialist soll die Zeitung laut „Berlingske“ zwischen 2008 und 2012 systematisch beliefert haben. Die „Se og Hør“ wehrt sich: Das belletristische Buch vermische „Fiktion mit der Auffassung des Autors von der Realität“, erklärte Chefredakteur Niels Pinborg.

Im Roman beschreibt Rasmussen die Laufbahn eines Reporters bei einem Klatschblatt namens „Set og Hørt“. Bei der Frage danach, ob sein Roman nun Autobiografie, Fakt oder Fiktion sei, hielt sich Rasmussen, den „Se og Hør“ nach seinen Angaben wegen Umstruktierungen entlassen hatte, bedeckt. Er habe aber nichts an den Berichten der „Berlingske Tidende“ auszusetzen, sagte er der Zeitung „Politiken“.

Trotzdem hat sein Thriller in Dänemark riesigen Aufruhr verursacht. Medien vergleichen die Enthüllungen mit dem britischen Skandal um abgehörte Telefone, der derzeit in einem Prozess aufgearbeitet wird. Die Kopenhagener Polizei will laut der Nachrichtenagentur Ritzau klären, ob es Anlass gibt, Ermittlungen einzuleiten. Politiker forderten das Justizministerium danach zum Handeln auf. Und der Verlag von „Se og Hør“ kündigte eine interne Untersuchung an.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.