Kurz vor Freilassung auf Bewährung

Pistorius muss im Gefängnis bleiben

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Oscar Pistorius.

Johannesburg - Der Fall des beinamputierten früheren Superstars Oscar Pistorius bewegt ganz Südafrika. Der Ex-Sportler muss für die tödlichen Schüsse auf seine Freundin vermutlich doch länger im Gefängnis bleiben. Und ein Berufungsgericht könnte ihn zu noch längerer Haft verurteilen.

Der beinamputierte frühere Sprinter Oscar Pistorius wird vermutlich noch länger im Gefängnis bleiben. Zwei Tage vor seiner geplanten Haftentlassung auf Bewährung setzte das Justizministerium die Entscheidung am Mittwoch vorläufig aus. Der Beschluss des Bewährungskomitees, ihn nach nur zehn Monaten Haft in den Hausarrest zu entlassen, sei verfrüht gewesen und bedürfe einer neuen Überprüfung, erklärte Minister Michael Masutha am Mittwoch. Pistorius hatte 2013 seine Freundin Reeva Steenkamp im gemeinsamen Haus durch eine geschlossene Toilettentür erschossen. Er habe dort einen Einbrecher vermutet, sagte er zu seiner Verteidigung.

Ministeriumssprecher Mthunzi Mhaga sagte dem Nachrichtensender eNCA, es gebe noch keinen Termin für die Überprüfung der Bewährungsentscheidung durch die ranghöhere Instanz. Damit schien die geplante Entlassung des beinamputierten Ex-Sprinters in den Hausarrest am Freitag sehr unwahrscheinlich.

Südafrikanische Juristen sagten, in normalen Fällen sei es undenkbar, die Überprüfung einer solchen Entscheidung innerhalb eines Tages zu organisieren. Die höhere Instanz werde aber wahrscheinlich zur gleichen Entscheidung kommen, sagte Strafrechtler Keith Gess. „Es gibt keinen Grund, Pistorius nicht freizulassen“, sagt er. Wahrscheinlich werde Pistorius nun erst im September in den Hausarrest entlassen, sagte er.

Das Justizministerium erklärte, die Entscheidung, ihm schon im Juni die Entlassung in den Hausarrest zu gewähren, sei „voreilig“ gewesen und stehe im Widerspruch zu geltendem Recht. Demnach kann eine solche Entscheidung erst getroffen werden, wenn ein Straftäter ein Sechstel der Haftstrafe abgeleistet hat. Bei Pistorius wird dies erst am Freitag der Fall sein, wenn er zehn Monate seiner fünfjährigen Haftstrafe abgeleistet haben wird.

Der Minister ordnete die Überprüfung der Entscheidung nach einer Petition einer Gruppe von Frauenrechtlerinnen an. Viele Südafrikaner sind überzeugt, dass der wohlhabende weiße Pistorius von der Justiz eine Vorzugsbehandlung bekam - was Druck auf die Regierung ausübte.

Pistorius (28) hatte am Valentinstag 2013 seine damalige Freundin Reeva Steenkamp - die am Mittwoch ihren 32. Geburtstag gefeiert hätte - durch eine geschlossene Toilettentür erschossen. Er sagt, er habe hinter der Tür einen Einbrecher befürchtet. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung gegen das Urteil ein, um eine Verurteilung zu einer längeren Haftstrafe zu erreichen. Das oberste Berufungsgericht in Bloemfontein wird sich den Fall im November vornehmen. Experten halten es für wahrscheinlich, dass Pistorius eine längere Gefängnisstrafe bekommen wird.

Steenkamps Onkel Michael sagte, die Familie erwarte, dass die Justiz auch im Fall Pistorius ihren normalen Gang gehe. „Die normale Prozedur muss befolgt werden“, sagt er der Nachrichtenagentur News24 zufolge. Steenkamps Eltern waren zunächst nicht erreichbar. Sie hatten an das Berufungskomitee appelliert, Pistorius noch nicht in den Hausarrest zu entlassen. „Aber ein Mensch, der eines Verbrechens schuldig befunden wurde, muss für seine Tat zur Rechenschaft gezogen werden“, schrieben June und Barry Steenkamp.

Pistorius wurden als Kind wegen eines Gendefekts beide Beine unterhalb der Knie amputiert. Als Sprinter wurde er weltweit bekannt, als er mit seinen J-förmigen High-Tech-Prothesen aus elastischem Carbon bei den Paralympics Rekorde brach. Auch bei den Olympischen Spielen 2012 in London machte er Furore. Ganz Südafrika war stolz auf den zähen, wild-entschlossenen Sportler. Seine Beziehung zu Reeva brachte die beiden auch in die Klatschspalten der Zeitungen. Doch nach den Todesschüssen vom Valentinstag 2013 war es jäh vorbei mit „Oscar Superstar“. Er wurde noch am gleichen Tag verhaftet, seine Sponsoren kündigten schnell alle Verträge.

dpa

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