So lässig ist das Toronto Filmfest

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Udo Kier, Alexander Skarsgard, Kirsten Dunst und Kiefer Sutherland (von links) posierten in Toronto auf dem roten Teppich.

Toronto - Cannes hat mehr Glamour, Venedig mehr Eleganz - aber Toronto besticht durch Lässigkeit. Das 36. Toronto Film Festival geht in die Halbzeit. Stars kommen in Scharen.

Da ist er wieder, oder war er gar nicht weg? Als George Clooney am dritten Tag des 36. Toronto International Film Festival (TIFF) die Weltpremiere von “The Descendants“ vorstellt, ist er fast schon ein alter Bekannter in der kanadischen Metropole: Am Vortag verteilte er sein schelmisches Lächeln bei der Vorstellung von “The Ides of March“, mit dem er bereits Venedig eröffnet hatte. Brad Pitt war zur Weltpremiere von “Moneyball“ ebenfalls bester Laune, Bono rockte und Ryan Gosling scherzte - die Charmeattacke der Herrenriege schlug auf dem elftägigen Filmfest (noch bis 18. September) gnadenlos zu.

Toronto mag Glanz und Glamour der europäischen Filmfestvorreiter fehlen: Dafür besticht das TIFF mit gekonnter Lässigkeit. “Das hier ist ein Fest für die Filmemacher. Es ist herrlich persönlich, man kommt leicht mit den Kollegen und dem Publikum ins Gespräch. Alle sind entspannt. Ich vergleiche es mit Yoga, alles fließt ganz natürlich“, erklärt die deutsche Regisseurin Maggie Peren (“Stellungswechsel“) nach der Weltpremiere von “Die Farbe des Ozeans“. Ihr sensibles Flüchtlingsdrama erntete begeisterten Beifall aus dem Publikum. Bei TIFF ist das wichtig: Die Zuschauer haben die Fäden in der Hand. Anstelle einer Jury wählen sie den besten Film.

Diese Stars kamen zum Toronto Filmfestival

Die britische Schauspielerin Keira Knightley kam zur Pressekonferenz des Films "A dangerous Method". © dpa
Der irische Schauspieler Michael Fassbender wurde in Deutschland geboren. Er spielt mit in "Shame". © dpa
Der britische Regisseur Steve McQueen kam zur Pressekonferenz seines Films "Shame". © dpa
Die amerikanische Schauspielerin Juliette Lewis kam zur Vorstellung ihres Films "Hick". © dpa
Der englische Schauspieler Eddie Redmanye spielt mit in dem Film "Hick". © dpa
Die kanadische Regisseurin Sarah Polley kam zur Premiere des Films "Take this Waltz". © dpa
Der Schauspieler Seth Rogen aus Kanada ist zu sehen in "Take this Waltz". © dpa
Die amerikanische Schauspielerin Sarah Silverman spielt in dem Film "Take this Waltz". © dpa
Die französische Schauspielerin Vanessa Paradis kam zur Vorstellung ihres Film "Cafe de Flore". © dpa
Die kanadische Schauspielerin Evelyne Brochu ist in "Cafe de Flore" zu sehen. © dpa
Der Regisseur Jean-Marc Vallee aus Kanada kam zur Vorstellung von "Cafe de Flore". © dpa
Der französische Regisseur Luc Besson kam mit seiner Frau, Produzentin Virginie Silla, nach Toronto. Dort wurde ihr Film "The Lady" vorgestellt. © dpa
David Thewlis, Schauspieler aus England, kam zur Vorstellung seines Films "The Lady". © dpa
Die Schauspielerin Michelle Yeoh aus Malaysia ist in "The Lady" zu sehen. © dpa
Der britische Regisseur und Schauspieler Ralph Fiennes besuchte die Pressekonferenz seines Films "Coriolanus". © dpa
Der schottische Schauspieler Gerard Butler ist Teil des Films "Coriolanus". © dpa
Die amerikanische Schauspielerin Maria Tomei ist in dem Film "The Ides of March" zu sehen. © dpa
Die amerikanische Schauspielerin Evan Rachel Wood ist zu sehen in "The Ides of March". © dpa
George Clooney kam zur Vorstellung seines Films "The Ides of March". © dpa
Der amerikanische Regisseur Francis Ford Coppola kam zur Pressekonferenz des Films "Twixt". © dpa
Die Sängerin und Regisseurin Madonna freute sich auf die Premiere ihes Films "W.E.". © dpa
Die australische Schauspielerin Abbie Cornish ist zu sehen in Madonnas "W.E.". © dpa
Die amerikanische Schauspielerin Allison Janney ist zu sehen in "The Oranges". © dpa
Der englische Schauspieler Hugh Laurie ist zu sehen in dem Film "The Oranges". © dpa
Der Schauspieler Oliver Platt aus Kanada spielt mit in dem Film "The Oranges". © dpa
Der englische Regisseur Julian Farino und die amerikanische Schauspielerin Leighton Meester kamen zur Premiere des Films "The Oranges". © dpa
Der amerikanische Schauspieler Brad Pitt kam zur Premiere seines Films "Moneyball". Mit dabei war Lebensgefährtin Angelina Jolie. © dpa
Die amerikanische Schauspielerin Anna Faris kam zur Premiere des Films "Moneyball". © dpa
Der kanadische Schauspieler Ryan Gosling brachte seine Mutter Donna mit nach Toronto. © dpa
Das amerikanische Model Stacy Keibler begleitete seinen Lebensgefährten George Clooney zum Toronto Filmfestival. © dpa
von links: Der deutsche Schauspieler Udo Kier, der schwedische Schauspieler Alexander Skarsgard, die amerikanische Schauspielerin Kirsten Dunst und der kanadische Schauspieler Kiefer Sutherland posieren auf dem roten Teppisch. © dpa

Und sie bewiesen in den vergangenen Jahren guten Geschmack. Das TIFF gilt als Wegweiser für den Oscar. Im Vorjahr erhielt “The King's Speech“ in Toronto den Publikumspreis und später den Oscar. Ähnlich lief es mit “Slumdog Millionär“ und “Precious - Das Leben ist kostbar“. “Das Buhlen um die Jury fällt hier weg“, sagt Peren. Das Flirten mit den Zuschauern ist wichtiger. Die haben ihre Favoriten: Werner Herzog bekam bereits Ovationen, als er bei der Vorführung von “Into The Abyss“ in den Kinosaal trat. Zur Erleichterung des deutschen Regisseurs folgte das gleiche Spektakel auch nach der Dokumentation über einen Dreifachmord in Texas.

Auch der Film "Albert Nobbs" könnte ein Anwärter auf den Oscar sein. Schauspielerin Glenn Close spielt darin eine Frau, die sich als Mann verkleidet, um erfolgreich zu sein.

Einig ist man sich trotzdem nicht immer: Roland Emmerichs Weltpremiere von “Anonymous“ wurde bei der Gala-Veranstaltung am Sonntagabend mit Publikumslob überschüttet, die Kritiker hielten sich bei dem Shakespeare-Film, der in Potsdam gedreht wurde, hingegen eher zurück. Das Filmmagazin “Variety“ bezeichnet ihn als “ansehnlich aufgeführtes“ Kostümdrama, das “als Ganzes nicht sonderlich interessant ist, sondern eher, weil Actionspezialist Emmerich komplett den Kurs geändert hat.“

Allgemeine Begeisterung herrscht in der ersten Hälfte des Festivals allerdings bei Filmen wie “Take This Waltz“ von Sarah Polley, der Komödie “Friends with Kids“ von Jennifer Westfeldt, “Killer Elite“ mit Clive Owen und Robert De Niro sowie dem Schwarz-weiß-Stummfilm “The Artist“, der schon in Cannes für Aufsehen sorgte. Oscar-Gerüchte gibt es über Michelle Yeoh für ihre Darstellung der Burmesin Aung San Suu Kyi in “The Lady“ unter der Regie von Luc Besson. Auch Woody Harrelson, der in Oren Movermans Drama “Rampart“ einen bestechlichen Polizisten in Los Angeles spielt, erhielt Oscar-Vorschusslorbeeren.

Ryan Gosling hat doppelte Chancen, Publikums-Liebling in Toronto zu werden: Neben seiner Rolle in “The Ides of March“ überzeugte er auch in Nicolas Winding Refns “Drive“. Und dann war da eben noch George Clooney. Seine “The Descendants“-Darstellung eines hilflosen Familienvaters, dessen Frau im Koma liegt, hat Kritiker wie Zuschauer überzeugt.

dpa

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