Was Lena macht, wenn sie verliert

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Lena Meyer-Landrut singt für Deutschland beim Grand Prix

Oslo - Für Lena Meyer-Landrut wächst der Druck: Am Samstag ist ihr großer Auftritt beim Grand Prix, die Erwartungen sind groß. Was Lena macht, wenn sie auf einen der hinteren Plätze landen würde:

Lena will auch eine Niederlage feiern, die Buchmacher sehen sie jedoch weiter vorn. Als 22. von 25 Teilnehmern tritt die 19-Jährige am Samstagabend beim Osloer Eurovisions-Finale auf. Doch schon jetzt hat Lena für sich selbst gewonnen: “Das war eine wunderschöne Zeit.“

Die Lena-Zeitrechnung ist bei den alles entscheidenden drei Lena-Minuten angekommen. “Nicht so viel denken, atmen, noch was trinken, und das war's“, lautet das Rezept der 19- jährigen Hannoveranerin gegen die gigantische Aufregung vor ihrem Auftritt Samstagabend beim Eurovision Song Contest.

Die Buchmacher sehen die deutsche Vertreterin weiter als Mit-Favoritin in Oslo hinter der noch zwei Jahre jüngeren Safura aus Aserbaidschan. Die deutschen Fanclubs glauben felsenfest an einen Sieg. Die Hauptperson selbst sieht der Stimmenauszählung relativ gelassen entgegen: “Wenn wir ganz schlecht abschneiden, werden wir feiern, dass wir eine wunderschöne Zeit zusammen hatten. Und dass das ein Erlebnis ist, das ich nie vergessen werde. Wenn wir gewinnen, feiern wir den natürlich auch.“

Gegen diese Kandidaten singt Lena beim Grand Prix

Startplatz 1 im Finale: Lenas schärfste Konkurrentin Safura (17) für Aserbaidschan. Bereits als Sechsjährige stand Safura in selbst entworfenen Outfits auf der Bühne – ihre Mutter ist Mode-Designerin. Später lernte sie Geige und Saxophon. Ihr Titel „Drip Drop“ ist ein moderner Pop-Song. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 2: Daniel Diges für Spanien. In Oslo möchte der charmante 29-Jährige mit einem Walzer mit dem Titel „Algo pequeñito“ groß rauskommen. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 3: Norwegen mit Didrik Solli-Tangen. Er singt das Lied „My heart is yours“. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 4: Für Moldawien die Band Sunstroke Project.  © Eurovision Song Contest 2010
Platz 5: Zypern mit Jon Lilygreen und der Band "The Islanders". Der Singer-Songwriter wird beim Eurovision Song Contest den Titel „Live looks better in spring“ zum Besten geben. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 6 im Finale: Bosnien-Herzegowina mit dem 26-jährigen Vukašin Brajić, der dieRock-Pop-Ballade „Lightning and Thunder“ singt. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 7 im Finale: Belgien mit Tom Dice. „Me and My Guitar“ heißt so auch der Titel, mit dem Tom Dice beim Grand Prix d'Eurovision antritt: ein angenehm plätschernder Pop-Song a là James Blunt. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 8: Serbien mit  Milan Stankovic. Der Medizinisch-Technische Assistent wollte eigentlich gar nicht Sänger werden, doch dann meldeten ihn Schwester und Onkel zu einer Casting-Show an. © Eurovision Song Contest 2010
Im Finale dabei: Sofia Nizharadze aus Georgien. © Eurovision Song Contest 2010
Schon im Alter von elf Jahren wurde sie mit Erstplatzierungen bei Festivals überschüttet. Später besuchte Sofia Nizharadze die Geschwister-Gnessin-Musikakademie. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 14: Die Gruppe Manga für die Türkei © 
Platz 9: Die Formation 3 + 2 für Weißrussland.  Die fünf Musiker wurden extra für ihre Teilnahme am Grand Prix zu einer Band zusammengewürfelt. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 10 im Finale: Irland mit Niamj Kavanag. Sie singt die Ballade „It's for you“ inklusive eines Flötensolos und will damit an ihrem Riesenerfolg von 1993 anknüpfen – damals gewann die rothaarige Irin den Eurovision Song Contest. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 11: Griechenland mit Giorgos Alkaios – in seinem Heimatland ein alter Hase im Musikgeschäft. Alkaios Song ist eine Mischung aus griechischen, modernen und orientalischen Elementen und heißt „Opa“. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 12: Josh Dubovie für Großbritannien mit „That Sounds Good to Me“. © Eurovision Song Contest 2010
Die hübsche Albanierin hat sich wegen ihrem Musikstil schon den Spitznamen "Christina Aguilera Albaniens" eingefangen. © Eurovision Song Contest 2010
Im Finale dabei: Juliana Pasha für Albanien mit dem leichten Popsong "It's all about you" singen. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 16 im Finale: Island mit Hera Björk, die schon zwei Mal für Island beim Eurovision Song Contest auf der Bühne stand. In Oslo singt sie den Eurodance-Song „Je ne sais quoi“. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 17: Die Ukraine mit Aljosha. Die 24-Jährige hat an der Nationalen Universität für Kunst und Kultur in Kiew Gesang studiert. Die Ukrainerin singt die Ballade "Sweet People". © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 18: Für Frankreich der 27-jährige Kongolese Jessy Matador. Sein Grand-Prix-Titel „Allez“ Ola! Olé!“ ist eine schwungvolle Mischung aus kongolesischen und karibischen Klängen, Dancehall Reggae und Hip Hop. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 19: Rumänien mit dem heißen Duo Paula & Ovi mit dem Popsong „Playing with Fire“ an. Hier Sängerin Paula. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 20: Für Russland die Peter Nalitch Band mit der Nummer „Guitar“ © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 21 im Finale: Armenien mit der schwarzhaarigen Eva Rivas. Die 22-jährige nahm bereits im zarten Alter von 13 an Schönheitswettbewerben teil. Überzeugen will Eva Rivas die Zuschauer mit „Apricot Stone“, einem Popsong mit folkloristischen Elementen. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 22: Lena Meyer-Landrut für Deutschland. © Eurovision.tv
Startplatz 23: Für Portugal Filipa Azevedo.  Die 18-Jährige studierte Querflöte am Konservatorium in Porto, brach ihr Studium aber ab, als sie eine Gesangs-Castingshow gewann.  © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 24: Harel Skaar für Israel. © Eurovision Song Contest 2010
Startplatz 25: Dänemark mit dem Duo Chanée & N'evergreen mit “A Moment like this“. © Eurovision Song Contest 2010
Im Vorentscheid rausgekickt: Kristina Pelakowa für die Slowakei. © Eurovision Song Contest 2010
Im Vorentscheid rausgekickt: Kuunkuiskaajat, zu Deutsch: "Die Mondflüsterinnen“. © Eurovision Song Contest 2010
Im Vorentscheid rausgekickt: Aisha für Lettland. © Eurovision Song Contest 2010
Im Vorentscheid rausgegickt: Die Girl-Band Feminem für Kroatien. © Eurovision Song Contest 2010
Im Vorentscheid rausgekickt: Miroslav Kostadinov für Bulgarien. © Eurovision Song Contest 2010
Im Vorentscheid rausgekickt: Das Duo Malcolm Lincoln für Estland. © Eurovision Song Contest 2010
Im Vorentscheid rausgekickt: Sieneke für Holland. © Eurovision Song Contest 2010
Im Vorentscheid rausgekickt: Thea Gernett für Malta. © Eurovision Song Contest 2010
Im Vorentscheid rausgekickt: Die Band InCulto für Litauen. © Eurovision Song Contest 2010
Im Vorentscheid rausgekickt: Gjoko Taneski für Mazedonien. © Eurovision Song Contest 2010
Im Vorentscheid rausgekickt: Anna Bergendahl für Schweden. © Eurovision Song Contest 2010
Im Vorentscheid rausgekickt:  Marcin Mroziński für Polen. © Eurovision Song Contest 2010
Im Vorentscheid rausgekickt: Michael von der Heide für die Schweiz. © Eurovision Song Contest 2010
Im Vorentscheid rausgekickt: Slowenien mit dem Ensemble Roka Žlindra und der Band Kalamari © Eurovision Song Contest 2010

So sagen das auch abgebrühte Showbiz- Profis gerne zur eigenen Absicherung vor einem trostlosen 20. oder 23. Platz. Aber Lena Meyer-Landrut gibt den Satz mit Überzeugung von sich, und man nimmt ihn ihr ab. “Es ist schon bewundernswert, wie souverän das junge Mädchen diese Marathonbelastung hier in Oslo bewältigt hat“, sagt Wolfgang Gruber vom Deutschen Grand Prix Club (OGAE) anerkennend. “Für mich steht felsenfest, dass sie gewinnt. Ihr “Satellite“ ist weiter frisch und leicht und einfach gut.“

Gruber erwartet für die Abstimmung von Zuschauern und Fachjurys so eine Art “Richtungsentscheid“: Kommt Lena mit ihrem locker plätschernden Song und dem unaufdringlich swingenden Auftritt besser an als die mit gewaltigem Stimmenaufwand und donnernder Begleitung antretende Safura?

Von dieser Sorte gibt es unter anderem aus Armenien und der Ukraine noch mehrere Sängerinnen, die man am Samstagabend wie schon bei den Halbfinales auch wieder mit flatternder Haarpracht und wehendem Tüll bewundern kann: Die wuchtige Windmaschine im Mittelgang der Osloer Telenor Arena kommt verblüffend oft zum Einsatz, als hätten die Künstlerinnen und Künstler vor ihrem Auftritt nicht schon reichlich lange vor laufenden Föhns zugebracht.

Lena steht ganz bestimmt nicht auf Windmaschinen und benennt als ihre Lieblings-Konkurrenten auch nur solche, die ohne solchen Firlefanz auskommen: “Musikalisch gefällt mir auf jeden Fall der Belgier mit seinem Lied “Me And My Guitar“. Und das französische Lied, das ist auch total gut. Da muss man immer tanzen, das geht gar nicht anders. Ähnlich ist es bei dem holländischen Song, der gefällt mir auch.“

Mit letzterem allerdings musste sich die Sängerin Sieneke beim zweiten Semifinale am Donnerstag verabschieden. Ihr “Ik ben verliefd (Sha-la-lie)“ im Schlümpfe-Sound der 70er hatte es auch Lenas TV- Mentor Stefan Raab und der deutschen Eurovisions-Jurorin Mary Roos schwer angetan. Es nutzte nichts.

Ansonsten bot das zweite Semifinale mit den Auftritten hoch gehandelter Länder wie Armenien, Israel und Dänemark ein klar höheres Niveau als das erste Halbfinale zwei Tage vorher. Lena musste bei beiden nicht antreten, weil Deutschland zusammen mit den anderen wichtigsten Geldgebern Spanien, Großbritannien und Frankreich sowie Gastgeber Norwegen für das Finale gesetzt ist.

Auch mit dem strahlend dauer-blauen Osloer Mai-Himmel drängt sich ein bisschen der Begriff “Sommermärchen“ mit all der Lena- Begeisterung auf. War für viele nicht auch bei der Fußball-WM 2006 der dritte Platz für Deutschland ein total fröhlicher und viel passenderer Abschluss als der unausweichliche Stress im Fall eines Finalsieges?

dpa

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