Zwickmühle zwischen Gründlichkeit und Aktualitätsdruck

Steinbrecher: Gründlichkeit in Medien wichtiger als Schnelligkeit

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Michael Steinbrecher.

Lieber gründlich und richtig als schnell und falsch: TV-Moderator und Medienprofessor Michael Steinbrecher rät seinen Journalistenkollegen, sich nicht vom Internet unter Aktualitätsdruck setzen zu lassen.

Stuttgart - Gründlichkeit muss im Journalismus nach Ansicht des Medienprofessors und TV-Moderators Michael Steinbrecher (51) vor Schnelligkeit gehen. Schnell zu sein und Aufmerksamkeit zu bekommen, wiege den Schaden nicht auf, wenn man im Nachhinein erfahren muss, dass man nicht gut recherchiert hat, sagte Steinbrecher der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Der ehemalige Moderator des ZDF-„Sportstudios“ leitet seit Anfang 2015 den Talkklassiker „Nachtcafé“ im Südwestrundfunk - an diesem Freitag (22. September) läuft die 100. Sendung.

Aus Sicht des 51-Jährigen, der als Professor für Fernseh- und Crossmedialen Journalismus am Institut für Journalistik der TU Dortmund lehrt, befindet sich der Journalismus nach wie vor in einer Zwickmühle zwischen Gründlichkeit und steigendem Aktualitätsdruck durch die Online-Medien. Dadurch erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit von Fehlern. Passierten diese, helfe nur größtmögliche Transparenz.

Der Nachwuchs sei aus seiner Erfahrung an der Uni dazu bereit: „Die Jungen erwarten heute mehr Selbstkritik, mehr Offenheit.“ Guter, gründlicher Journalismus - „Fakten bündeln, sammeln, werten“ - sei aber notwendiger denn je. Größtes Kapital der Journalisten ist und bleibe die Glaubwürdigkeit.

Steinbrecher sieht den Jourmalismus vor großen Herausforderungen: „Was will der Leser?“ Diese Frage stelle sich in Zeiten von Digitalisierung und Personalisierung völlig neu. Während über Jahrzehnte Redaktionskonferenzen festlegten, welche Themen wohl die relevantesten sind, bekomme man heute immer genauere Profile der Leser oder Zuschauer. Bekommt bald jeder sein eigenes Nachrichten-Portfolio? „Die Sicherheit ist einer Verunsicherung oder - positiv formuliert - einer Neugier gewichen“, sagte Steinbrecher. „Da ist eine Mischung aus Sorge und Euphorie.“

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dpa/Video: Glomex

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